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Italiens Fußball steckt in der Krise

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Italiens Fußball steckt in der Krise

17.09.2012, 09:24 Uhr | t-online.de

Italiens Fußball steckt in der Krise. Spielmacher Kevin-Prince Boateng gibt beim AC Mailand derzeit den Ton an. (Quelle: imago)

Spielmacher Kevin-Prince Boateng gibt beim AC Mailand derzeit den Ton an. (Quelle: imago)

Eine Kolumne von Jonny Giovanni

Wenigstens der Sachverstand der Fans ist noch auf gewohntem Niveau beim ruhmreichen AC Mailand. Trotz einer Fristverlängerung erwarben nur 23.618 Getreue eine Saisonzulassung für die Heimspiele der Rotschwarzen. Das sind 7615 verkaufte Dauerkarten weniger als letztes Jahr, und, nicht minder aussagekräftig: die wenigsten überhaupt in der über 20 Jahre währenden Ära von Klubpatron Silvio Berlusconi.

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Die Anhänger ahnten eben, dass sie solche Abende erwarten würden wie zum Saisonauftakt gegen Sampdoria Genua. Oder wie jetzt am Samstag gegen Atalanta Bergamo. Abende von solcher Tristesse, wie sie im Giuseppe-Meazza-Stadion, dieser Scala des Fußballs, eigentlich keine Heimat haben. Beide Partien gegen die Mittelklasseklubs der Serie A gingen 0:1 verloren. Seit 82 Jahren hatte Milan eine Spielzeit nicht mehr mit zwei Heimniederlagen begonnen.

Neuer Premium-Rasen hat keinen positiven Effekt

Nicht einmal die wohlwollendsten Milanisti würden diesen Stotterstart allein mit dem Fluch des neuen Geläufs erklären wollen, welches im Sommer in San Siro gesät wurde. Nach jahrelanger Kritik am schlechten Rasen und vielen Statistiken über erhöhte Verletzungsgefahr wurde vor der Saison ein Natur-Synthetik-Gemisch verlegt. State of the Art, auf der Höhe der Zeit. Der Fußball der beiden Dauermieter ist es dafür umso weniger. Weder Milan noch der Stadtrivale Inter haben in zusammen sechs Anläufen auf der neuen Premium-Wiese bislang ein Spiel gewonnen.

Der Verfall der beiden Mailänder Großvereine ist der vorläufige Schlusspunkt hinter einem jahrzehntelangen Abstieg des italienischen Klubfußballs. Mit großer Geste und noch größeren Schulden haben ihn Milan und Inter lange genug überschminkt. Doch auch schon als sie 2007 bzw. 2010 noch mal die Champions League gewannen, waren die Stadien des Calcio veraltet, die Zuschauer- und Marketingeinnahmen zu niedrig und die Liga insgesamt längst nicht mehr auf dem Niveau der Besten der Welt. Die Mailänder Trophäen waren glitzernde Klunker an einem morschen Körper.

Milan zittert vor Anderlecht

Auch der nur beiläufig Fußball-Interessierte wird diese Entwicklung ab dieser Woche schwarz auf weiß erkennen – wenn er sich die Spielansetzungen der Champions League durchliest. Unter den 32 Teams wird er dabei nur zwei Vertreter der Serie A finden: ein seit der Erweiterung des Wettbewerbs 1999 ungekannter Zustand.

Damals war Italien noch die selbstverständliche Nummer Eins in der UEFA-Fünfjahreswertung. Das natürliche Sammelbecken für die besten und teuersten Spieler der Welt. Die ersten Einschläge in dieser Ordnung kamen bereits zu Beginn des neuen Jahrtausends, als mit Zinédine Zidane und Ronaldo, dem Älteren, die größten Stars der Zeit zu Real Madrid wechselten. Bald wurden die Italiener von den Spaniern überholt, dann auch von den Engländern. Im vorigen Jahr schließlich zog sogar die Bundesliga vorbei. So weit ist es schon gekommen, dass Milan, siebenmaliger Titelträger, nun vor einem Heimspiel gegen Anderlecht (Di., 20.45 Uhr) zittert. Anderlecht!

Die Weltstars kehren der Serie A den Rücken

So weit gekommen ist es auch, dass die Serie A plötzlich eine Statistik anführt, in der sie jahrzehntelang nun wahrlich nicht zu den Kandidaten auf Platz eins gezählt werden konnte. Die Liga, die immer in Saus und Braus lebte, wo nie groß gefragt wurde, was es kostet, in der sich zu den großen Zeiten sogar Abstiegskandidaten mal einen Weltstar genehmigten – diese Serie A hat diesen Sommer mit 178,5 Millionen Euro den größten Transferüberschuss aller europäischen Ligen erzielt.

Den wichtigsten Batzen dazu hat Milan beigetragen, womit dessen aktuelle Fußball- und Sinnkrise auch schon zu einem guten Teil erklärt wäre. In Thiago Silva und Zlatan Ibrahimovic wurden der beste Verteidiger und der beste Angreifer der Liga zu den Scheichs von Paris verkauft. Mit Wesley Sneijder spielt jetzt nur noch ein ausländischer Profi aus der Starkategorie A im einstigen Kickerparadies. Doch auch dessen Inter hat mit Verkäufen wie von Maicon oder Forlán zuletzt mächtig Federn gelassen.

Juventus und Neapel weisen den Weg

In den meisten Fällen ließen die Klubs die Spieler jedoch freiwillig ziehen. Der Zauberbegriff in den Mailänder Klubzentralen kommt aus der Finanzbranche und heißt "Spending Review": Kostenprüfung. Milan (Vorsaison: 69 Millionen Euro minus) und Inter (-93) wollten und konnten sich in Zeiten von Wirtschaftskrise und nahendem Financial Fairplay ihre Kader nicht mehr leisten. Mit einem Schlag wurde die Kostenstruktur so um 60 bzw. 40 Millionen Euro gesenkt. Dass bei Milan das Ende des großen Budenzaubers mit jenem der politischen Karriere des Silvio Berlusconi zusammenfällt, hat eher nicht als Zufall zu gelten. Der "Cavaliere" braucht jetzt keine Stars mehr, um dem Wahlvolk noch ein bisschen mehr zu schmeicheln.

Doch so sehr die Sportzeitungen über den gesunkenen Sex-Appeal des italienischen Fußballbetriebs klagen – für die Serie A insgesamt ist die erzwungene Abkehr vom subventionierten Heldenfußball eher eine Chance. Der aktuelle Meister Juventus weist in diesem Punkt durchaus den Weg, mit einer gut, aber nicht überragend bestückten Elf, die vor allem über das Kollektiv kommt, und mit einer gesünderen Finanzstruktur nach dem Bau der ersten modernen Fußball-Arena des Landes. Als Herausforderer der Turiner wird diese Saison vor allem der SSC Neapel gehandelt – die Süditaliener profitieren davon, dass sie ihren Crash samt Abstieg in die dritte Liga längst überwunden haben und seitdem vorbildlich wirtschaften.

Neun taktische Systeme in zehn Partien

Viele Klubs haben ihre Lektion bereits gelernt. Die Serie A hat den höchsten Anteil von Einheimischen unter den großen Ligen Europas und versucht, das fehlende Geld für Investitionen umso mehr durch die klassische italienische Kompetenz in Taktik und Coaching zu ersetzen. Bei den Aufstellungen für die Spiele am Wochenende verwendeten die 20 Erstligisten laut der Formationen in der "Gazzetta dello Sport" neun verschiedene taktische Systeme. Das originellste, ein 4-2-4, bot der AC Turin auf, es half ihm allerdings wenig. Im Sonntagabendsspiel unterlag er zuhause 0:2 gegen Inter. Zumindest auswärts können die Mailänder Krisenklubs manchmal noch gewinnen.

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