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Tore statt Terror - Fußball-Fieber in Afghanistan

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Tore statt Terror - Fußball-Fieber in Afghanistan

19.10.2012, 17:38 Uhr | dpa

Tore statt Terror - Fußball-Fieber in Afghanistan. Afghanistan hat erstmals einen Fußballmeister: Tufan Harirod gewann in Kabul die neue Afghan Premier League.

Afghanistan hat erstmals einen Fußballmeister: Tufan Harirod gewann in Kabul die neue Afghan Premier League. (Quelle: dpa)

Kabul (dpa) - Zwar machte der Krieg keine Pause. Dennoch waren in Afghanistan am Freitag nicht Anschläge und Tote das zentrale Thema, sondern Fußball und Tore. Im ausverkauften Stadion in Kabul fieberten 5000 Menschen beim ersten Finale der neuen Fußball-Liga mit.

Ein Vielfaches davon verfolgte am Radio oder vor dem Fernseher, wie Tufan Harirod aus dem Westen des Landes das gegnerische Team Simorgh Albors aus dem Nordwesten mit 2:1 bezwang und sich umgerechnet gut 11 000 Euro Preisgeld sicherte. Das Debüt der Afghan Premier League (APL) wurde zum vollen Erfolg. Die Spiele verliefen ohne gewaltsame Zwischenfälle oder größere Störungen - aber nicht ohne kleine Pannen.

Die Ende 2001 gestürzten Taliban hatten Fußball zunächst verboten. Später erlaubten die selbst ernannten Gotteskrieger Spiele, allerdings wurden in den Halbzeitpausen Menschen öffentlich hingerichtet. In den vergangenen Jahren machte der afghanische Fußball weniger durch sportliche Leistungen Schlagzeilen als vielmehr dadurch, dass sich Spieler bei Trainingslagern im Westen absetzten.

Große Fußballbegegnungen kennt das Land aus der jüngeren Vergangenheit also nicht. Entsprechend unbedarft gingen manche Afghanen an das APL-Turnier heran. Etwa der Radioreporter, der versuchte, einen Spieler am Rand des Feldes zu interviewen - und zwar während des laufenden Matches. Einem der Organisatoren, der den Zeitpunkt des Interviews für schlecht gewählt hielt, sagte der Journalist, das würde dem Bericht schließlich Farbe verleihen.

Irritiert waren die Organisatoren auch von einem Fernsehsender, der das erste Match vor einem Monat live übertrug - und zwar ohne Genehmigung. Dass es sich um einen Konkurrenten der offiziellen TV-Partner der APL handelte, machte die Angelegenheit nicht besser. Bei den offiziellen Partnern schließlich wurde eines der Spiele versehentlich unkommentiert übertragen. "Die Zuschauer hatten keine Ahnung, welche Teams spielten, was auf dem Feld passierte, wer punktete oder wer foulte", sagt Sportjournalist Sayed Resa Hosseini.

Zwar ist Fußball der populärste Sport in Afghanistan, dennoch könnten manche Fans ein wenig Orientierung gut gebrauchen: Nicht alle sind mit den Regeln vertraut. Als der Schiedsrichter bei einem der Spiele zur Halbzeitpause pfiff, "verließ eine große Anzahl Menschen, die möglicherweise alle aus derselben Gegend kamen, das Stadion", sagt ein Fotograf, der Zeuge des Vorfalls wurde. "Sie dachten, das Spiel wäre vorbei. Sie wussten nicht, dass ein professionelles Fußballspiel über zwei Hälften geht." Als die Fans ihren Irrtum bemerkten und zurückwollten, mussten sie erst den Wachmann überzeugen, dass sie keine neuen Tickets brauchen.

Die Fußball-Begeisterung mancher Afghanen beschränkte sich nicht aufs Zuschauen. Die Mitglieder der acht Teams aus acht Regionen waren in einer Casting-Show im Fernsehen ausgewählt worden. Javed Ahmad aus dem südafghanischen Kandahar gehörte nicht zu den Show-Teilnehmern und wurde dementsprechend auch nie in das Team Maiwand Atalan aus seiner Region aufgenommen. Spielen wollte er für die Mannschaft trotzdem. Schließlich läuft in Afghanistan vieles über Beziehungen, und nach Ahmads Aussage ist sein Cousin einer der Trainer des Teams.

"Mein Bruder sagte, mein Cousin würde mich in einem der Spiele für 15 Minuten aufs Spielfeld schicken", erzählte Ahmad, der dafür eigens aus Kandahar angereist war. Vetternwirtschaft brachte in diesem Fall ausnahmsweise nicht das gewünschte Ergebnis. Ahmad musste auf der Tribüne bleiben. Maiwand Atalan flog im Halbfinale aus dem Turnier.

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