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Champions League: Platini und UEFA ruinieren Spiele

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Europas Fußball in der Sackgasse

07.12.2012, 12:58 Uhr | t-online.de

Champions League: Platini und UEFA ruinieren Spiele. Traurige Realität in der Champions League: Die Partie Dinamo Zagreb gegen Dynamo Kiew sahen gerade mal 3663 Zuschauer.  (Quelle: Reuters)

Traurige Realität in der Champions League: Die Partie Dinamo Zagreb gegen Dynamo Kiew sahen gerade mal 3663 Zuschauer. (Quelle: Reuters)

Von Jonny Giovanni 

Diese Woche lieferte einen traurigen Beweis dafür, wie sehr die Wettbewerbe der europäischen Fußball-Union UEFA schon auf den Hund gekommen sind. Gespielt wurde die letzte Runde des Jahres im Europapokal. Doch wer großes Drama und K.o.-Situationen erwartet hatte, wurde ganz überwiegend enttäuscht. Nur in sechs der 16 Champions-League-Spiele und sieben der 24 Europa-League-Kicks ging oder geht es für die beteiligten Teams noch um das Erreichen in die nächste Runde.

In den restlichen Partien wurden, wenn überhaupt, so weltbewegende Fragen geklärt wie welches Team als Gruppenerster in die Auslosung der ersten K.o.-Runde gehen darf oder welche gescheiterte Champions-League-Mannschaft noch als Gruppen-Dritte in die Europa League einzieht. Dabei konnte etwa beim Auftritt von Manchester City in Dortmund noch das Zusatzphänomen beobachtet werden, dass ein Team möglichst nicht gewinnen wollte, weil es gar nicht erst in die Europa League will.

Immer fettere Geldtöpfe?

Spätestens in diesem Moment ist der Sinn des Sports – zu gewinnen – pervertiert, aber das schreckt die UEFA noch lange nicht ab, ihren Weg weiterzugehen. Einen Weg, der zu immer fetteren Geldtöpfen führen sollte. Und dabei direkt in der Sackgasse landet.

Längst erscheint als verlorenes Paradies, was jahrzehntelang der Normalzustand des europäischen Spitzenfußballs war. Da gab es einen Europapokal der Landesmeister, in dem sich die Liga-Champions des Kontinents maßen. Einen Europapokal der Pokalsieger, in dem die Cup-Spezialisten gegeneinander antraten. Und einen UEFA-Cup mit den besten Mannschaften, die in der Saison zuvor weder das Eine noch das Andere gewonnen hatten. Außerdem stieg alle vier Jahre die EM der Nationalmannschaften. Erst acht, später 16 Teams trafen sich in einer ausgesuchten Veranstalternation zu zwei- bzw. dreiwöchigen Finalturnieren, die oft qualitativ hochwertiger waren als die WM.

Die Champions League als Zwitter

Der Ist-Zustand sieht folgendermaßen aus: Die drei genannten Klubturniere gibt es nicht mehr. Die heutige Champions League wird gern als Nachfolger des Europapokals der Landesmeister bezeichnet, aber das ist eigentlich falsch – sie ist mit ihren bis zu vier Startern pro Nation ein Zwitter aus früherem Landesmeisterpokal und UEFA-Cup. Dazu gibt es die Europa League, eine Art UEFA-Cup zweiter Klasse, erweitert um den Europapokal der Pokalsieger, die verständlicherweise niemand sehen will. 

Weshalb sie, so eine Idee des UEFA-Präsidenten Michel Platini, bald verschwinden und in der Champions League aufgehen soll. Diese hätte endgültig nichts mehr mit dem zu tun, was jahrzehntelang als Europapokal bekannt war.

Flickschusterei an der EM

Die Geschichte dieser Wettbewerbe illustriert beispielhaft den Teufelskreis, in den sich die UEFA durch ihre missratene Politik begeben hat: Ihre vermeintliche Reformen erfordern immer neue Reformen. Anders gesagt: Sie doktert an erfolgreichen Formaten herum, bis diese nicht mehr erfolgreich sind, was wiederum neues Herumdoktern erfordert, das wiederum alles nur noch schlimmer macht. 

Platini, seit 2007 UEFA-Präsident, hat den Europapokal-Teufelskreis von seinem Vorgänger Lennart Johansson geerbt und bisher nicht durchbrechen können. Einen anderen Teufelskreis jedoch hat er allein zu verantworten, einen der auf noch absurdere Weise zu zerstören droht, was einst einen ganzen Kontinent in den Bann zog. Die Rede ist von der Flickschusterei an der EM-Endrunde der Nationalteams.

Platinis Vorschlag ist pure Verzweiflung

Nun hat das UEFA-Exekutivkomitee das jüngste Projekt ihres Präsidenten angenommen: Wie von Platini vorgeschlagen, wird die EM 2020 in 13 verschiedenen Ländern abgehalten. Der Franzose verkauft das als Vision für einen Kontinent in der Krise und als Referenz an die Anfänge des Turniers, das in den 1960er und 1970er Jahren noch, wie der Europapokal, im Hin- und Rückspielmodus ausgetragen wurde. Tatsächlich aber spricht aus dem Vorschlag nicht als die pure Verzweiflung.

Platini höchstselbst war es, der nach seiner Amtsübernahme die Erweiterung von 16 auf 24 Teams ab 2016 durchsetzte, um seinem Wahlfunktionärsvolk aus kleineren Ländern zu gefallen und durch ein längeres Turnier mit mehr Spielen noch höhere Einnahmen zu generieren. Aber die Ausdehnung ist nicht nur aus sportlicher Sicht fatal, weil sie das Niveau der Endrunde verwässert und die Qualifikationsspiele für die starken Nationen zur bloßen Banalität werden lässt. Sie erweist sich auch unter logistischen Gesichtspunkten als folgenschweres Menetekel.

Zukunft Gemeinschaftsausrichtung?

Die Ausrichtung einer EM-Endrunde für 24 Mannschaften erfordert noch höhere Investitionen und noch mehr Stadionbauten als für 16 Teams. Schon das alte Format aber war für einzelne Länder kaum noch zu stemmen, weshalb es 2008 (Österreich und Schweiz) sowie 2012 (Ukraine und Polen) zu Gemeinschaftsausrichtungen kam, die sich nicht unbedingt bewährt haben (der Weltverband FIFA nimmt nach dem einmaligen Experiment 2002 in Japan und Korea nicht umsonst inzwischen davon Abstand). Mit einem Turnier für 24 Nationen ist die Mehrheit der europäischen Staaten erst recht überfordert. Und weil der Kontinent eben in der Krise steckt, ist diese Mehrheit momentan sogar noch größer.

Platini und die UEFA hatten, mit anderen Worten, schlichtweg keinen geeigneten Ausrichter für 2020 zur Hand. Herauskommen ist ein Turnier, das heimat- und seelenlos ist, die Favoriten bevorteilt (sie sollen jeweils Heimspiele bekommen), Transportchaos auf dem ganzen Kontinent provoziert (wenn etwa ein Team als Gruppenzweiter zum Achtelfinale nach Moskau muss und doch nicht als Gruppenerster nach Madrid) und reisewilligen Fans ihre Trips so schwer wie möglich macht.

Scheidepunkt 2020

Die EM 2020 wird so zum Mahnmal einer überforderten Fußball-Bürokratie, die den Spagat zwischen Big Business und ihren eigenen Traditionen nicht mehr hinbekommt – aber womöglich hat das Ganze dadurch ja auch sein Gutes. Wenn das sportlich und kulturell entwertete Turnier von Fernsehzuschauern wie Sponsoren nicht in gleichem Maße angenommen wird, könnte das zu einem generellen Umdenken führen. Und den europäischen Fußball endlich retten vor seinen Funktionären.

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