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Torlinientechnik: FIFA-Zuschlag für deutsche Firma GoalControl

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GoalControl bekommt FIFA-Zuschlag für Torlinientechnik bei ConfedCup

02.04.2013, 18:09 Uhr | dpa

Torlinientechnik: FIFA-Zuschlag für deutsche Firma GoalControl. Eine von 14 Kameras, die ihr Auge während des Spiels permanent auf die Torlinie richten. (Quelle: dpa)

Eine von 14 Kameras, die ihr Auge während des Spiels permanent auf die Torlinie richten. (Quelle: dpa)

Technik aus Würselen soll nach einer Bewährungsprobe beim Confederations Cup voraussichtlich bei der WM 2014 ein neues Wembley-Tor verhindern. Der Weltverband vergab etwas überraschend den Auftrag für das WM-Testturnier an die deutsche Firma GoalControl. Wenn das System mit 14 Hochgeschwindigkeitskameras den FIFA-Anforderungen entspricht, soll es auch bei der WM im kommenden Jahr zum Einsatz kommen. Damit stach der vermeintliche Außenseiter die drei Mitbewerber aus England, Erlangen und Ismaning aus.

Die Einfachheit des vergleichsweise kostengünstig zu installierenden Systems gab offenbar den Ausschlag für GoalControl. Die FIFA betonte, dass die Kriterien für den Zuschlag auf die "spezifischen Vorgaben" für die Turniere in Brasilien zugeschnitten gewesen seien. Wichtig sei die Fähigkeit der Unternehmen, "sich den lokalen Gegebenheiten anzupassen und die Kompatibilität jedes Torlinientechnik-Systems mit dem FIFA-Spielbetrieb."

Toleranz von drei Zentimetern wirft Fragen auf

GoalControl hatte erst Anfang März als letzter der vier Anwärter die FIFA-Lizenz bekommen. Das System beruht auf einer dreidimensionalen Kontrolle des Balls durch 14 Kameras, die auf beide Tore gerichtet sind. Überquert der Ball die Torlinie, geht ein Signal an den Schiedsrichter.

Ein Problem bleibt allerdings. Die FIFA gestattete bei der Entwicklung der Technologie eine Toleranz von drei Zentimetern. Eventuell wäre das legendäre Wembley-Tor im WM-Finale 1966 zwischen England und Deutschland (4:2 n.V.) auch heute nicht eindeutig zu erkennen. Das fälschlicherweise nicht anerkannte Tor der Ukrainer bei der EM 2012 gegen England (0:1) wäre durch die neue Technik sicher nicht als korrekt erfasst worden.

Die Regelhüter des International Football Association Board IFAB hatten mit ihrer Entscheidung zu einer Statutenänderung im Juli 2012 den Weg für die Torlinientechnik frei gemacht. Zuvor war jahrelang über die Zulassung debattiert worden. FIFA-Präsident Joseph Blatter legte sich erst nach der krassen Fehlentscheidung bei der WM 2010 fest, als England ein reguläres Tor durch Frank Lampard beim 1:4 im Viertelfinale gegen Deutschland nicht zugesprochen bekam. "Torlinientechnik ist eine Notwendigkeit", postuliert Blatter seither.

200.000 Euro pro Stadion

Außerhalb der FIFA-Wettbewerbe hat die Technik aber noch nicht Einzug gehalten. Die UEFA setzt in Champions- und Europa-League weiter auf zwei zusätzliche Torlinien-Assistenten, da ihr Präsident Michel Platini ein großer Technikgegner ist und die Kosten kleinere Verbände überfordern würden. Die Kosten für die Umrüstung sollen 200.000 Euro pro Stadion betragen. In der Bundesliga könnte ein System frühestens in der Saison 2015/16 eingeführt werden. Die englische Premier League will wohl das Hawk-Eye einführen.

Das vom Tennis bekannte Hawk-Eye von FIFA-Sponsor Sony aus England beruht wie die Technik des Ausschreibungssiegers GoalControl auf der Kameraüberwachung des Balls. "Wir hoffen, dass wir bei einer nächsten Ausschreibung zum Zug kommen", sagte René Dünkler, Sprecher des Projekts GoalRef beim Fraunhofer-Institut in Erlangen. "Wir haben bewiesen, dass unser System gut, zuverlässig und kostengünstig arbeitet." Das sogenannte intelligente Tor basiert auch wie das ebenfalls zunächst gescheiterte System der Firma Cairos aus Ismaning auf der Magnetfeld-Technologie.

Durch die Entscheidung für GoalControl müssen weder der ConfedCup-Ball Cafusa noch das WM-Modell Brazuca oder die Tore umgerüstet werden. Die sechs Stadien des Konföderationenpokals müssen bis zum Sommer einzig mit den Kameras ausgestattet werden. Ein Dauer-Engagement ist der Zuschlag nicht. Er gilt zunächst nur bis zum ConfedCup mit der Möglichkeit einer Verlängerung bis zur WM, währenddessen steht das System auf dem Prüfstand. Versagt die Technik in Brasilien, beginnt die Debatte von vorn.

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