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Schulden: Spaniens Fußballer flüchten ins Ausland

21.08.2013, 14:30 Uhr | dpa

Schulden: Spaniens Fußballer flüchten ins Ausland. Der Spanier Jesús Navas spielt jetzt bei Manchester City.

Der Spanier Jesús Navas spielt jetzt bei Manchester City. (Quelle: dpa)

Madrid (dpa) - Der FC Barcelona verpflichtete den brasilianischen Fußballstar Neymar für eine Ablöse von 57 Millionen Euro. Real Madrid gab für das Talent Asier Illarramendi 38 Millionen aus, obwohl der U-21-Europameister wohl nur Ersatzspieler sein wird.

Zudem erwägen die "Königlichen", den Waliser Gareth Bale für eine Rekordsumme von 100 Millionen Euro zu holen. Der spanische Fußball scheint im Geld zu schwimmen, doch der Eindruck täuscht. Das Gegenteil ist der Fall.

Abgesehen von Real und Barça stecken die übrigen Profi-Vereine im Land des Welt- und Europameisters in bitteren Finanznöten. Einige werden gar von Konkursverwaltern geführt, die meisten Clubs der Primera División müssen ihre besten Spieler verkaufen. Die Folge: Das Ungleichgewicht zwischen den Top-Clubs Real und Barça und der Konkurrenz ist noch größer geworden als bisher. Das Sportblatt "Marca" bringt den ungleichen Kampf auf den Nenner: "Zwei Rennwagen und eine Schar von Fahrrädern".

Auf den spanischen Profi-Clubs lastet ein Schuldenberg von etwa 3,5 Milliarden Euro. Da sich die meisten Erstligisten teure Spieler nicht mehr leisten können, flüchten die spanischen Fußballer in Scharen ins Ausland - allein in diesem Jahr war es eine Rekordzahl von mehr als 30 Erstliga-Profis. In der Premier League kicken mittlerweile 32 Spanier, in Italiens Serie A sind es acht und in der Bundesliga fünf.

Allein der FC Sevilla, der als UEFA-Cup-Sieger 2006 und 2007 vor kurzem noch zur europäischen Elite gehörte, gab sechs Spieler an die Premier League ab: Alvaro Negredo und Jesús Navas an Manchester City, Gary Medel an Cardiff City, Antonio Luna an Aston Villa, Luis Alberto an den FC Liverpool und José Campaña an Crystal Palace.

"Wenn wir um einen Fußballer werben und uns kommt ein englischer oder deutscher Club - oder auch ein neureicher Verein aus Russland oder der Ukraine - in die Quere, ist der Spieler für uns verloren", sagte Sevillas Sportdirektor Ramón Rodríguez "Monchi" der Zeitung "El País". "Wir können mit diesen Vereinen finanziell nicht konkurrieren."

Von den 23 Nationalspielern, die beim Confed Cup im spanischen Kader standen, waren Navas (FC Sevilla) und Roberto Soldado (FC Valencia) die einzigen, die weder bei Real oder Barça noch bei einem ausländischen Club unter Vertrag standen. Auch sie gingen in diesem Sommer nach England. Pokalsieger Atlético Madrid gab seinen Torjäger Radamel Falcao für 60 Millionen Euro an den AS Monaco ab und holte als Ersatz David Villa für nur zwei Millionen. Betis Sevilla verkaufte seinen Star Beñat Etxebarria für acht Millionen Euro an Athletic Bilbao und holte den Kongolesen Cedrick Mabwati für den symbolischen Betrag von 1,20 Euro vom Zweitligisten CD Numancia.

Der Ausverkauf und der Exodus der Stars haben vor allem damit zu tun, dass viele Vereine in den vergangenen Jahren bedenkenlos Geld ausgegeben und Schulden angehäuft hatten. "Wir können nicht länger in einer Blase leben", sagte der Anwalt José Plaza, Konkursverwalter von Rayo Vallecano. "Angesichts der Krise im Land müssen wir Spieler verkaufen. Die Liga verliert an Qualität, aber das Niveau wird sich wieder ausgleichen." Ein weiterer Grund für die Misere liegt in der ungleichen Verteilung der Fernsehgelder. Während Real und Barça pro Saison jeweils rund 160 Millionen Euro erhalten, müssen die anderen Clubs sich mit einem Zehntel begnügen.

Die Krise zeigt sich auch auf einem anderem Gebiet. Der spanischen Liga laufen nicht nur die Stars weg, sondern auch die Zuschauer. In der vorigen Saison ging die Zahl der Stadionbesucher im Vergleich zu 2011/12 um sieben Prozent zurück. Elf Vereine senkten daraufhin für die neue Saison die Eintrittspreise, sieben froren sie ein. Nur die Top-Clubs Real und Barça schlossen sich dem Trend nicht an. "Zum ersten Mal seit vielen Jahren haben die Clubs eingesehen, dass sie nicht so tun können, als gäbe es in Spanien keine Wirtschaftskrise", meinte die Zeitung "El Periódico". "In die Liga ist wieder so etwas wie Realismus eingekehrt."

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