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Real Madrid: Der Mythos lebt trotz Finanzchaos

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Visionen oder Größenwahn?  

Trotz Finanzchaos lebt der Mythos Real

20.09.2013, 15:47 Uhr | t-online.de

Real Madrid: Der Mythos lebt trotz Finanzchaos. Reals 100-Millionen-Neuzugang Gareth Bale (li.) und Präsident Florentino Pérez stehen für den finanziellen Widerspruch der Königlichen. (Quelle: imago/Future Image)

Reals 100-Millionen-Neuzugang Gareth Bale (li.) und Präsident Florentino Pérez stehen für den finanziellen Widerspruch der Königlichen. (Quelle: imago/Future Image)

Von Florian Haupt

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Der Mythos lebt und er sorgt nach wie vor für übersinnliche Momente. Sogar gebetet habe er, verriet Gareth Bale dieser Tage, auf dass sein Traum von einem Wechsel in die spanische Hauptstadt in Erfüllung gehen möge. "Dass Real Madrid dich will, passiert nur einmal im Leben. Es ist der Wahnsinn und es ist genial, jetzt hier zu sein."

Jenseits des Mythos gibt es hingegen gar nicht so viele Gründe, nach Madrid zu gehen. Die Aussicht auf große Titel ist gering, das legt jedenfalls eine empirische Studie der jüngeren Vergangenheit nahe. In den letzten zehn Jahren gewannen der AC Milan, Porto, Liverpool, Barcelona, Manchester United, Inter Mailand, Chelsea und Bayern München die Champions League. Real Madrid nicht. Zusätzlich kamen Juventus, Monaco, Arsenal und Borussia Dortmund ins Finale. Real Madrid nicht.

Ronaldo schenkt Real sein Gesicht

Dafür ist die Chance, unehrenhaft entlassen zu werden, um so größer. Spieler wie Wesley Sneijder, Arjen Robben oder zuletzt Mesut Özil sind in den letzten Jahren durch die Hintertür gegangen (worden), begleitet von unschönen Gerüchten über ihren Charakter. Nicht einmal Legendenstatus schützt vor Demütigung, wie die Reservistenrolle von Iker Casillas demonstriert, den der übrige Planet für den weltbesten Torwart halten mag; dem Klub seines Lebens kann er es nicht recht machen.

Das kann nur, wer immer schön glitzert. So wie Cristiano Ronaldo, der Real Madrid nicht nur 206 Tore in 204 Spielen geschenkt hat, sondern auch sein Gesicht, seine exzellent vermarktbare Persönlichkeit. Ronaldo hat gerade einen neuen Vertrag unterschrieben, er wird künftig 17 Millionen Euro im Jahr verdienen. Netto, Grundgehalt. Cristiano Ronaldo ist damit der bestbezahlte Fußballer der Welt, so wie Gareth Bale, eingekauft für 101 Millionen Euro, der teuerste Fußballer der Welt ist. Vor Ronaldo, der einst 94 Millionen kostete und Zidane, ebenfalls Real Madrid.

Auf dem Rasen bleibt der Erfolg aus

Seit Jahren führt der spanische Hauptstadtklub alle relevanten Geldranglisten an. 520 Millionen Euro Umsatz waren es zuletzt. Nur auf dem Rasen bleibt der Erfolg aus.

Der Mann, der für diese Widersprüche verantwortlich ist, für die guten Zahlen wie für die schlechten Ergebnisse, stellt sich am Sonntag der Mitgliederversammlung. Arges zu befürchten hat er nicht, es stehen keine Wahlen an und sowieso hat Florentino Pérez die Statuten des Vereins so auf sich zugeschnitten, dass es potenzielle Rivalen verdammt schwer hätten. Auch hier geht es um Geld. Der Präsident hat eine Satzungsänderung initiiert, wonach jeder Kandidat für 15 Prozent des Umsatzes, derzeit rund 75 Millionen Euro, mit persönlichem Vermögen bürgen muss. Für ihn, den Milliardär und Bauunternehmer, kein Problem. Für fast alle anderen Spanier sehr wohl.

Zumal das Land tief in der Krise steckt, mit 27 Prozent Arbeitslosigkeit und Banken am Tropf von Regierung und EU. Darunter das Geldhaus Bankia, auf das sich gerade Barcelonas Spieler Gérard Piqué bezog, als er in Richtung Madrid giftete: "Auch wir geben Geld aus, aber Bankia haben wir nicht." Eine Anspielung darauf, dass Real seinen Expansionskurs auch auf den Krediten gewogener Großbanken gebaut hat. Mit über 500 Millionen Euro soll der Verein dafür insgesamt in der Kreide stehen.

Viele Vereine stehen am Rand der Pleite

Pérez versichert, dass Bankia nichts mit dem Bale-Transfer zu tun gehabt habe. Das mag richtig sein, dennoch schütteln nicht nur Barca-Fans den Kopf angesichts seiner jüngsten Unternehmungen. In einer Zeit, wo der tägliche Kampf für viele Spanier immer härter wird, wo Gehälter gekürzt werden und Krankenhäuser schließen, wo Obdachlose das Straßenbild prägen, ist die Toleranzschwelle für die Extravaganzen der Fußballklubs gesunken. Viele Vereine, darunter große Namen wie Valencia, stehen am Rand der Pleite, weil Staat und Banken nicht mehr für ihre Kredite bürgen wollen. Den Angelegenheiten Bale und Ronaldo darf man vor dem Hintergrund der Lage im Land zumindest eine schwierige Symbolik unterstellen. "Ein Attentat auf den gesunden Menschenverstand", wittert die Barceloneser Zeitung "Sport".

Andererseits folgt das Ganze natürlich einer klassischen Logik: Wenn es mit dem Brot schon nicht mehr stimmt, müssen umso bessere Spiele her. Neben dem Luxusartikel Bale funkelten zuletzt beim 6:1 in der Champions League bei Galatasaray auch die jeweils 30 Millionen teuren Neuzugänge Isco und Illaramendi.

CL-Auftaktsieg besänftigt Debatte um Özil-Abgang

Für Pérez kam der höchste Auswärtssieg in Reals Champions-League-Geschichte wie gerufen, besänftigte er doch gerade rechtzeitig die Debatte um den Abgang von Mesut Özil. Dieser schien Mannschaft wie Fanvolk gegen den Präsidenten aufzubringen und einen großen Schatten über die Mitgliederversammlung zu werfen.

Die klubnahe "ABC" berichtete, der Präsident wolle daher bei informellen Vortreffen mit Delegierten den Verkauf mit dem vermeintlich unprofessionellen Lebenswandel des Deutschen begründen. Der Artikel löste international Aufruhr aus. Aufgeschreckt teilten Klub und Zeitung mit, der Journalist habe keinerlei Informationen aus dem Verein erhalten. Zurücknahm der Autor seine Darstellung allerdings nicht.

Visionen statt Größenwahn

Nachdem Özils Vater Mustafa sogar mit einer Klage wegen übler Nachrede gedroht hatte, benutzte Pérez bei den nicht-öffentlichen Vortreffen laut madrilenischer Medien letztlich eine andere, wenngleich ebenfalls nicht sonderlich nette Begründung. "Özil und sein Umfeld baten um einen Transfer. Er hielt den Druck bei Real Madrid nicht aus."

Der Druck. Mit jedem weiteren Jahr ohne Champions-League-Sieg wird er größer. Nicht nur für die Spieler. Auch für einen Präsidenten, der den Europapokalsieg dringend braucht, um mal wieder für Visionen zu stehen. Und nicht nur für Größenwahn.

 

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