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Alex Ferguson schießt gegen Stars von Manchester United

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Alex Ferguson  

Kein Spieler durfte größer als der Trainer sein

23.10.2013, 12:43 Uhr | Spiegel Online

Alex Ferguson schießt gegen Stars von Manchester United. Die Autobiografie von Alex Ferguson wird sicher für viel Gesprächsstoff sorgen. (Quelle: Reuters)

Die Autobiografie von Alex Ferguson wird sicher für viel Gesprächsstoff sorgen. (Quelle: Reuters)

Das Buch hätte viele Titel haben können. Schließlich mangelt es nicht an Superlativen in Alex Fergusons Leben. In seinen 26 Jahren auf der Trainerbank hat er mit Manchester United 38 Pokale geholt, wurde zum erfolgreichsten Fußballlehrer Englands. Doch der Schotte liebt es schnörkellos, und so heißt das Buch nur schlicht "Meine Autobiografie".

Der Auflauf ist enorm, als Ferguson das Werk am Dienstag im vornehmen Institute of Directors vorstellt. Es ist das erste Mal seit seinem Rücktritt im Mai, dass er eine Pressekonferenz gibt. In fünf Reihen umringen die Fotografen den Mann mit dem roten Gesicht, die Reporter kommen aus China, Neuseeland, den USA, und sie sind ungewöhnlich ordentlich angezogen. Die Einladung hatte auf den "strikten Dresscode" in dem Londoner Stadthaus hingewiesen: "Keine Turnschuhe und Jogginghosen."

Sie werden nicht enttäuscht, das Buch liefert viele saftige Zitate. Auf 402 Seiten geht der 71-Jährige scharf mit den Stars ins Gericht, die ihm zu seinen größten Erfolgen verholfen haben, ihm aber zugleich das Leben schwer gemacht haben. Sechs Spieler haben in dem Buch eigene Kapitel bekommen: David Beckham, Rio Ferdinand, Cristiano Ronaldo, Roy Keane, Ruud van Nistelrooy and Wayne Rooney.

Riesenwut wegen einer Glatze

Bei Manchester United galt eine eiserne Regel: Wer sich Ferguson in den Weg stellte, der blieb nicht mehr lange beim Verein. Der resolute Trainer duldete keinen Ungehorsam. "In der Minute, in der ein Spieler glaubte, er sei größer als der Trainer, musste er gehen", schreibt Ferguson. "David Beckham glaubte, er sei größer als Alex Ferguson. Das war die Totenglocke für ihn."

Beckhams Verwandlung vom hochbegabten Fußballer zur globalen Lifestyle-Ikone ist eine der großen Enttäuschungen in Fergusons Leben. Im Buch beschreibt er eine Szene vor einem Training. 20 Fotografen warteten vor dem Gelände. "Was ist los?", fragte Ferguson. "Beckham zeigt morgen seine neue Frisur", lautete die Antwort. Der Mittelfeldstar kam mit Mütze zum Training und weigerte sich, sie abzunehmen. Am nächsten Tag lief er mit Glatze auf dem Platz auf. "Ich hatte eine Riesenwut", schreibt Ferguson.

Beckhams Liebe zu Victoria "hat alles verändert"

"In jener Zeit begann ich, an ihm zu verzweifeln. Ich sah, wie er von den Medien und den PR-Agenten geschluckt wurde."

Im Buch erwähnt Ferguson Beckhams Frau Victoria mit keinem Wort, doch als er auf der Pressekonferenz gefragt wird, warum Beckham ein anderer geworden sei, sagt er: "Er hat sich in Victoria verliebt, und das hat alles verändert." Es scheint die Enttäuschung eines Vaters durch, dessen Sohn sich von ihm abgenabelt hat.

Rooney riet 2010 zu Özil-Verpflichtung

Auch Englands Nationalstürmer Wayne Rooney, ein weiterer Ferguson-Schützling, wird reichlich bissig behandelt. Er sei "nicht der schnellste Lerner", schreibt Ferguson, dafür ein "rohes Talent" mit einem natürlichen Spielinstinkt. "Die Fähigkeit, den ganzen Tag zu rennen, sollte nicht unterschätzt werden". Zuletzt habe Rooney jedoch Schwierigkeiten gehabt, 90 Minuten durchzuhalten. Angesichts seines Körpers sei es "kaum vorstellbar, dass er bis Mitte 30 spielen wird". Im Gegensatz zu Beckham, der ein "natürlicher Athlet" sei, habe Rooney Fitnessprobleme. Auf keinen Fall dürfe man ihn daher vor großen Turnieren Urlaub machen lassen wie vor der letzten Europameisterschaft. Rooney brauche dann immer mehrere Spiele, bis er wieder in Form sei.

Das Verhältnis Fergusons zu Rooney ist belastet, seit der Spieler sich gegen Ferguson aufgelehnt hat. Er beschwerte sich über seine Position, wollte den Verein verlassen, gab gar dem Trainer Empfehlungen. 2010 habe Rooney ihm gesagt, er hätte Mesut Özil von Werder Bremen holen sollen, statt ihn zu Real Madrid gehen zu lassen, schreibt Ferguson. Seine Antwort: Rooney solle seinen Job machen und spielen. Warme Worte findet der Ex-Trainer hingegen für Ryan Giggs und Paul Scholes. Sie sind die Sorte Fußballer, die er schätzt: loyal und immer im Dienst der Mannschaft.

"Hätte England nicht trainieren können"

Es gehe ihm nicht darum, alte Rechnungen zu begleichen, erklärt Ferguson. Aber er wolle den Fans erklären, warum er bestimmte Entscheidungen gefällt habe. Und am Ende sei das Allerwichtigste in einem Verein, dass der Trainer die Kontrolle habe.

Das dürfte auch einer der Gründe sein, warum er es zweimal abgelehnt hat, englischer Nationaltrainer zu werden. Denn nirgendwo reden mehr Leute mit. Keine zehn Sekunden habe er über das Angebot nachdenken müssen, sagt der Schotte, auch aus patriotischen Erwägungen. "In einer Million Jahren hätte ich England nicht trainieren können. Ich hätte mich nie mehr in Schottland blicken lassen können." Noch immer hat er nicht vergessen, was eine englische Zeitung geschrieben hat, als er 1990 zum ersten Mal mit Manchester United den FA-Cup holte: "Okay. Du hast bewiesen, dass du den FA-Cup gewinnen kannst. Jetzt geh zurück nach Schottland."

Dozent in Harvard

Für Selbstkritik ist in dem Buch kein Platz. Auch auf der Pressekonferenz erlaubt Ferguson keine Zweifel. Hatte Rooney nicht recht, als er Özil als Verstärkung gefordert hatte, wird er gefragt. Damals sei der deutsche Nachwuchsstar noch nicht auf dem Radar gewesen, entgegnet Ferguson wenig überzeugend. Und wäre es nicht besser gewesen, sich ganz von Manchester United zurückzuziehen, statt als Mitglied des Aufsichtsrats weiter Einfluss zu nehmen? Nein, sagt Ferguson. Immerhin habe er nach seinem Rücktritt sechs Monate gewartet, bis er sein erstes Interview gegeben habe.

Der Abschied von der Fußballbühne, die er über zwei Jahrzehnte dominiert hat, fällt ihm offenbar nicht leicht. Doch hat Ferguson auf seine alten Tage noch eine neue Karriere gefunden: Er doziert jetzt an der Harvard Business School und hält Reden zum Thema "Leadership". Sein Rat ist weltweit gefragt. Ob sich sein Erfolgsrezept auch auf den chinesischen Fußball anwenden lasse, fragt eine chinesische Reporterin. "Es wird dauern, bis China das Niveau von Japan oder Südkorea erreicht hat", sagt der große Sir Alex. "Mein Rat wäre: Haben Sie Geduld."

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