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Sheffield FC: So geht es dem ältesten Fußball-Klub der Welt

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Besuch beim Sheffield FC  

So spielt der älteste Fußball-Klub der Welt

24.12.2013, 15:34 Uhr

Sheffield FC: So geht es dem ältesten Fußball-Klub der Welt . Spielankündigung: So wird beim Sheffield FC für eine Heimpartie geworben. (Quelle: Marc Merten)

Spielankündigung: So wird beim Sheffield FC für eine Heimpartie geworben. (Quelle: Marc Merten)

Von Marc L. Merten

Im Coach and Horses Pub lässt sich niemand so leicht aus der Ruhe bringen. Nur, weil in wenigen Minuten nebenan im gleichnamigen Stadion im Süden Sheffields das Ligapokal-Spiel des Sheffield FC und Ossett Town angepfiffen wird, finden die Betreiber Stress völlig unangebracht. Die Gäste sehen das auch so. Als ob sie sich vom geplanten Anpfiff vorschreiben lassen, wie schnell sie ihr Bier zu trinken haben. Beim ältesten Fußball-Klub der Welt nehmen sie alles etwas gemütlicher.

Als mein Burger kommt, blicke ich verwundert auf die Pommes Frites. Sie sind akkurat zu einem Turm drapiert. Dafür war also auch noch Zeit. Die Dame hinter der Theke fängt meinen Blick auf, lacht und meint: "Keine Sorge, das Spiel beginnt sowieso nicht pünktlich. Lassen Sie es sich schmecken! Sie verpassen schon nichts."

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"Sie habe ich hier noch nie gesehen“

Recht hat sie! Denn irgendwie gehört der Besuch im Coach and Horses Pub zu einem Spiel des 1857 gegründeten Sheffield FC dazu. Ein Burger oder Fish & Chips, ein lokales Thornbridge Ale, dann ist man hier auf Temperatur für ehrlichen Fußball der achten englischen Liga. Sheffield spielt in der Southern Division, Ossett in der Northern Division. Ligapokal in den Niederungen des Mutterlands des Fußballs, der Abend verspricht eine hitzige Angelegenheit zu werden.

Stadionkneipe: Das "Coach & Horses Pub" ist vor und nach dem Spiel des Sheffield FC Anlaufstelle. (Quelle: Marc Merten)Stadionkneipe: Das "Coach & Horses Pub" ist vor und nach dem Spiel des Sheffield FC Anlaufstelle. (Quelle: Marc Merten)

Als ich durch die kleine Schleuse am Kassenhäuschen das Stadion betrete, werde ich vom Ticketverkäufer schief angeguckt. "Sie habe ich hier noch nie gesehen", sagt er. Ich nicke, erkläre ihm, dass ich in Durham lebe und aus Deutschland komme. "Ein Deutscher? Bei uns? Bob!", ruft er und winkt einen Herrn mit graumelierten Haaren herbei. "Der Junge kommt aus Deutschland, Bob!" Bob ist Bob Dyson und der Präsident des Klubs.

Ein Spielfeld wie nach einem Rasenmäher-Rennen

Ich frage mich, ob ich nicht einfach auch ein Ossett-Fan hätte sein können. Oder kennt der Mann an der Schleuse womöglich auch deren Fans alle mit Namen? Dyson verspricht, mich in der Halbzeitpause herumzuführen. Bis dahin solle ich das Spiel genießen. Ich sehe mich im Nieselregen um. Das Stadion macht dem Wetter alle Ehre.

Der Rasen sieht aus, als ob hier kürzlich eines der englischen Rasenmäher-Rennen stattgefunden hat. Mehr braun als grün, nass, matschig. Tiefes Geläuf. Welches Gesicht wohl hochbezahlte Profis machen würden, müssten sie auf so einem Untergrund spielen.

Gerade einmal 102 Zuschauer haben den Weg ins Stadion von Sheffield gefunden. (Quelle: Marc Merten)Gerade einmal 102 Zuschauer haben den Weg ins Stadion von Sheffield gefunden. (Quelle: Marc Merten)

Die Zuschauer haben sich auf zwei kleinen Tribünen versammelt. Ich kann sie zählen: 101, mit mir insgesamt 102. 78 Fans tummeln sich unter dem kleinen Dach einer Stehplatztribüne auf Höhe der Mittellinie. Hinter dem Tor wartet etwas mehr Luxus, 23 Gäste haben sich das Privileg eines Sitzplatzes gegönnt. Dort könnte auch mein Platz sein, auf dem einzigen Presseplatz des Stadions.

Gesessen hat hier aber offenbar schon lange niemand mehr. Der Holztisch ist schimmelig und morsch, das Schild könnte gut und gerne dreißig Jahre alt sein. Ich entscheide mich, lieber umherzuwandern, an abgehängten Naturtribünen entlang, auf denen Planen liegen, die von umgedrehten Trainingstoren festgehalten werden.

Wenn der Mann an der Anzeigetafel keine Lust hat

Als das Spiel beginnt, bin ich gerade an der Anzeigetafel hinter einer der Eckfahnen angekommen. Ein Mann sitzt auf einem Plastikstuhl und blickt auf das Spielfeld. Sheffield in den Vereinsfarben Rot-Schwarz, Ossett in Blau. Es dauert keine zwei Minuten, da darf er schon das erste Mal jubeln und aufstehen. Der älteste Fußballklub der Welt geht in Führung. Und wie. Eine Bogenlampe aus 25 Metern senkt sich unhaltbar hinter Ossetts Schlussmann ins Netz. Das Raunen der Zuschauer ist über den ganzen Platz zu hören. Ein Kunstschuss. Oder Glücksschuss. Egal. Die meisten der 102 Besucher sind begeistert.

Als wenig später nach einer Ecke der Ausgleich fällt, wird es umgehend wieder ruhiger. Prompt hat der Mann an der Anzeigetafel nur noch bedingt Lust, seinem Job nachzugehen. Minutenlang verharrt er auf seinem Stuhl, ehe er grummelnd aufsteht und das 1:1 auf die Tafel bringt. Vor der Halbzeit fällt sogar noch das 1:2, es sieht nicht gut aus für Sheffield.

Turnier der ältesten Klubs der Welt

Das ist aber nur eine Momentaufnahme, erklärt mir Director Dyson in der Pause, während ich im kleinen drei mal drei Meter großen Fanshop einen knallroten Vereinsschal – das einzige Modell, das vorrätig ist – erstehe. Sein Sheffield FC will nicht einfach nur ein Fußballklub sein. Warum auch? Hier wurde Ende der 1850er Jahre aus einem Cricket- und Leichtathletikklub der erste Fußball-Klub der Welt.

Hier entstanden zwischen 1857 und 1877 die Sheffield-Regeln, die ersten Fußballrichtlinien der Welt. Hier wurde das erste Derby der Welt gespielt, zwischen dem Sheffield FC und Sheffield Hallam FC.

Mittlerweile organisiert der SFC Turniere mit den ältesten, heute noch existierenden Klubs anderer Länder, unter anderem dem schottischen Queens Park FC, dem italienischen Serie-A-Klub CFC Genua oder dem schweizerischen FC St. Gallen. Den ältesten, noch existierenden deutschen Fußball-Klub, den BFC Germania 1888 aus Berlin, habe man noch nicht bei einem Turnier dabei gehabt. "Das passiert aber bestimmt bald."

Rückkehr an ursprüngliche Spielstätte geplant

Dyson führt mich in den VIP-Bereich. Ein kleines Zimmer im containerartigen Vereinsheim, in dem es belegte Brötchen für ein halbes Dutzend "Edelfans" gibt. Überall hängen Wimpel, viele englische Premier-League-Klubs sind dabei, selbst Klubs aus China, Japan und Australien. Auch einen Wimpel des SV Waldhof Mannheim Fan-Klubs entdecke ich. In einer anderen Ecke steht eine Vitrine mit Pokalen.

Die meisten sind jüngeren Datums, die meisten Trophäen älteren Datums stehen in den Büroräumen. Doch Dyson reicht mir einen Silberbecher von 1883: der Siegerpokal eines Athletics-Wettbewerbs. Damals war Fußball eben nur eine Disziplin unter vielen, in denen sich Spieler mehrerer Vereine maßen.

Ein Wimpel ist von Manchester United. Die Red Devils waren 2001 hier in Sheffield zur Einweihung des Stadions als Spielstätte des SFC. Bald, so Dyson, will der Klub erneut umziehen. Die großen Klubs der Stadt spielen in ihren Arenen (Wednesday im Hillsborough, United an der Bramall Lane). Viel wichtiger aber ist, dass Hallam FC, der echte Stadtrivale, im Sandygate Road Stadium spielt. Es ist der ursprüngliche Ground des Klubs, womit Hallam das Recht auf den Titel des ältesten Fußballstadions hat.

Das will der Sheffield FC ändern und zurück zu seinen Wurzeln. "Wir verhandeln mit der Stadt,dass wir nach Highfield zurückkehren können", sagt Dyson. Dort, an der East Bank Road, liegt das ursprüngliche Spielfeld, auf dem einst der erste Fußballklub der Welt auflief.

Im Coach and Horses Pub ist das Spiel schnell vergessen

An diesem Abend jedoch heißt die Realität Ligapokal im Coach and Horses Stadium gegen Ossett. Während zur gleichen Zeit in den großen Stadien der Welt Champions League gespielt wird und ich mich dabei erwische, hin und wieder verstohlen den Live-Ticker zu konsultieren, wird auf dem Rasen hart umkämpfter Hau-Drauf-Fußball gespielt. Gewaltige Befreiungsschläge, rücksichtslose Grätschen, knirschende Pressschläge, Rudelbildungen. Am Ende fallen fünf Tore.

Sheffield verliert 2:3 und ist raus aus dem Pokal. Die Spieler sind enttäuscht, die Anhänger nur bedingt. Die Liga sei ohnehin wichtiger, sagt neben mir ein Vater zu seinem Jungen. In Sachen Floskeln besteht zwischen achter und erster Liga also kein Unterschied.

Anschließend geht es für die meisten Zuschauer nach Hause, einige aber kehren zurück in den Pub. Ein letztes Bier vor dem Heimweg. Auch der eine oder andere Spieler schaut später noch vorbei. Doch während Wayne Rooneys Erscheinen in einem Pub für Trubel (und für eine Schlagzeile im Boulevard am nächsten Tag) gesorgt hätte, klopft man sich hier nur kurz auf die Schultern und fällt bei einem Pint in alltägliche Gesprächsthemen. Beim ältesten Fußballklub nehmen sie eben alles etwas gemütlicher.

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