Startseite
Sie sind hier: Home > Sport > Fussball > Fußball international >

Atletico Madrid sorgt für Spannung in der Primera Division

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Aufschwung unter Simeone  

Atletico Madrid macht die Primera Division spannend

06.01.2014, 16:56 Uhr | t-online.de

Atletico Madrid sorgt für Spannung in der Primera Division. Am Samstag geht es für Diego Simeone und Atletico Madrid gegen den Spitzenreiter FC Barcelona. (Quelle: imago/Alterphotos)

Am Samstag geht es für Diego Simeone und Atletico Madrid gegen den Spitzenreiter FC Barcelona. (Quelle: Alterphotos/imago)

Eine Kolumne von Florian Haupt

Exakt zwei Jahre ist es her, dass Diego Pablo Simeone bei Atlético Madrid debütierte. Als Trainer natürlich, denn als Spieler war er ja auch schon da gewesen. Der kampfstarke Argentinier hatte es sogar zum Publikumsliebling gebracht. Aus jener Zeit resultiert eine Art mystische Verbindung zu dem Arbeiterklub aus dem Süden der Hauptstadt – ihm sei immer klar gewesen, sagte Simeone einmal, dass er ihn eines Tages auch coachen werde. Nur den Zeitpunkt, den wollte er mit Bedacht wählen.

Doch in jenem Winter war die Lage viel zu ernst für terminliche Feinheiten. Da war Simeone, Motor der letzten Meisterelf 1996, so etwas wie die finale Hoffnung eines chronisch instabilen Vereins, der an einem Verlierer-Syndrom litt, für das ein Ex-Präsident die Bezeichnung "el pupas“ etablierte: "das Aua“. Immer lief etwas schief, und wenn nicht, sorgte man eben selbst dafür. Als Simeone am 7. Januar 2012 im Ligaspiel beim FC Málaga zum ersten Mal auf der Bank saß, war Atlético im Pokal gegen einen Drittligisten ausgeschieden und rangierte in der Liga nur wenige Punkte vor einem Abstiegsrang. Man ermauerte ein 0:0, es fühlte sich an wie ein Sieg.

49 Punkte aus 18 Spielen - Klubrekord

Am ersten Januarsamstag 2014 spielte Atlético wieder in Málaga. Die Vorzeichen hätten veränderter nicht sein können. Simeones Elf kam als amtierender Pokalsieger und ungeschlagener Gewinner seiner Champions-League-Vorrundengruppe. Als Tabellenzweiter, der Spieltag für Spieltag den Rhythmus des FC Barcelona mitgeht. Als Mannschaft, die so selbstverständlich als Favorit galt, dass Málagas Trainer Bernd Schuster aus lauter Respekt eine Fünfer-Verteidigung samt verkapptem Libero aufbot.

Schusters Matchplan ging auf, er machte es schwer. Atlético fehlt das Stararsenal und daher die natürliche Dominanz von Barcelona oder Real Madrid. "Wir müssen viel mehr machen, um zu gewinnen“, sagt Verteidiger Diego Godín. Aber: Sie machen es. In Málaga gab es kaum Torchancen, auch dem überragenden Angreifer Diego Costa stand immer mindestens ein Gegenspieler auf dem Fuß. Atlético verlor jedoch nie die Überzeugung. Mit seinen Auswechslungen änderte Simeone die Taktik und in der 70. Minute kam Costa einmal durch, nur ein einziges Mal. Das war genug. Seine Aktion bereitete das Siegtor durch Koke vor. Nächster Sieg, 49 Punkte aus 18 Spielen, Klubrekord.

Ein Viertel des Etats von Barca und Real

Am kommenden Samstag reist Barcelona zum Spitzenspiel nach Madrid. Nicht ins Estadio Santiago Bernabéu, Real hängt momentan fünf Punkte zurück, sondern ins Vicente Calderón, der so traditionellen wie schmucklosen Heimat Atléticos, unter deren Tribünen die Stadtautobahn M-30 hindurchdonnert. Der Motorenlärm ist aber natürlich nicht gemeint, wenn die Sportzeitung "As“ titelt: "Auf Barça wartet ein Monster“.

Atléticos Entwicklung findet europaweit einen Vergleich allenfalls darin, wie Borussia Dortmund vor ein paar Jahren dem vielfach reicheren FC Bayern mehrere Titel abtrotzte. Mit einem Etat von 123 Millionen Euro, rund einem Viertel von Real und Barça, hat Atlético das bestehende Duopol aufgebrochen und elektrisiert eine vermeintlich vorhersehbare Liga, die Simeone selbst noch vor einigen Monaten als "langweilig“ bezeichnete. Damals prophezeite er, sein Team werde irgendwann abreißen lassen müssen, aber inzwischen, das merkt man, hat er Blut geleckt. "Womöglich war das Wort langweilig irreführend“, sagte er vor ein paar Tagen.

Mit Retro-Tugenden zum Erfolg

Der Trainer ist wohl selbst davon überrascht, mit welcher Konstanz und mentalen Stärke seine Spieler mittlerweile agieren. Einsatz, Leidenschaft und taktische Raffinesse bilden die Basis dieser Elf: Wenige Mannschaften spiegeln so getreu wieder, was ihren Trainer als Spieler auszeichnete. So wie es Simeone ohne epochales Talent zu einer großen Karriere und 106 Länderspielen brachte, nährte er in seinen zwei Jahren bei Atlético den Glauben, mit der richtigen Haltung alles bewegen zu können.

Weit entfernt vom Kunststil des FC Barcelona oder der spanischen Nationalmannschaft definiert sich dieses Atlético eher über vermeintliche Retro-Tugenden aus dem italienischen oder argentinischen Fußball-Kulturkreis. Es steht hinten sicher, findet über die Einstellung den Weg ins Spiel, beherrscht die Kunst der Standards und hat die Geduld, eine Partie notfalls erst gegen Ende zu entscheiden. Würden die Granden Real Madrid oder Barcelona so spielen, die Presse würde über sie herfallen. Aber der Underdog darf das; und sein kämpferischer Fußball passt sowohl zur Identität des Arbeiterklubs als auch in die Krisenzeit des Landes.

Diego Costa macht Falcao vergessen

Simeone, der in seinem ersten Jahr die Europa League gewann und in seinem zweiten den spanischen Pokal, durch einen Finalsieg bei Real Madrid, hat das ohne nennenswerten Transferfonds zustande gebracht: Das Gehalt etwa, das der zwischenzeitlich ausgeliehene Diego in Wolfsburg verdient, können sich die Spanier nicht leisten, woran trotz sportlichem Interesse auf beiden Seiten ein dauerhafter Wechsel bisher scheiterte. Im Sommer musste Simeone sogar seinen größten Star hergeben. Radamel Falcao wechselte für 60 Millionen Euro zum AS Monaco. Atlético brauchte das Geld dringend, um seine Steuerschulden zu verringern.

Doch anstatt sich – "el pupas“ – über das Schicksal zu beklagen, stärkte Simeone eben die Leute, die er hat: und wie. In der frei gewordenen Mittelstürmerrolle avancierte der vorherige Zweitstürmer Diego Costa zum besten Torjäger der Liga: Mit 19 Ligatreffern stellt er bislang sogar Ronaldo und Messi in den Schatten und soll als eingebürgerter Brasilianer den spanischen Angriff bei der WM 2014 anführen. Der junge Koke, 21, hätte mit Diego im Klub womöglich nie den Weg in die Stammelf gefunden, jetzt ist er die kreative Seele der Elf, ein weiteres Exemplar der schier unendlichen spanischen Produktion an überragenden Mittelfeldspielern; er soll in halb Europa auf der Einkaufsliste stehen, auch bei Bayern-Coach Pep Guardiola.

Liga spannend wie nie

Der größte Star bei Atlético bleibt jedoch der Trainer. Schon als Spieler hat Diego Simeone das Wesen dieses Klubs verkörpert. Jetzt hat er es zu voller Blüte gebracht. Es ist die perfekte Symbiose, und das macht die Liga plötzlich so spannend.

Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Neue Kommentare laden
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Straßenlaterne rettet Leben 
Junge Frau hat das Glück ihres Lebens

An einer Kreuzung stoßen zwei Autos zusammen. Ein Peugeot verliert die Kontrolle, rast auf den Bürgersteig zu. Eine Straßenlaterne rettet einer jungen Passantin das Leben. Video

Anzeige

Shopping
tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de
Sport von A bis Z

Anzeige
shopping-portal