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Eklat im Copa del Rey: Aufstand gegen Misswirtschaft

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Fußball  

Eklat im Copa del Rey: Aufstand gegen Misswirtschaft

31.01.2014, 16:45 Uhr | dpa

Eklat im Copa del Rey: Aufstand gegen Misswirtschaft. Die Spieler von Racing Santander streikten.

Die Spieler von Racing Santander streikten. Foto: Esteban Cobo. (Quelle: dpa)

Santander (dpa) - Das Pokalspiel währte nicht einmal zwei Minuten: Die Fußballer des spanischen Erstligisten Real Sociedad San Sebastián schoben sich den Ball nach dem Anpfiff zu und kickten ihn ins Aus. Die Gegner von Racing Santander blieben derweil fest umarmt im Mittelkreis stehen.

Der Schiedsrichter fragte den Kapitän des Drittligisten zweimal, ob sein Team den fälligen Einwurf nicht ausführen wolle. Die Antwort war zweimal "nein". Daraufhin erklärte der Unparteiische die Partie für beendet.

Der Eklat war perfekt: Das Viertelfinal-Rückspiel wurde für San Sebastián gewertet, und die Basken, die das Hinspiel bereits 3:1 gewonnen hatten, zogen ins Halbfinale ein. Dort treffen sie auf den FC Barcelona. Racing wurde dagegen für die nächste Saison vom Pokalwettbewerb ausgeschlossen, entschied der spanische Verband.

Das Publikum in Santander hatte keinesfalls enttäuscht darüber reagiert, dass es keinen Fußball zu sehen bekam. Im Gegenteil: Die Zuschauer feierten die Drittliga-Profis, als hätten diese den Pokal gewonnen.

Die Spieler von Santander hatten sich zum Boykott entschlossen, weil der Club ihnen seit Monaten die Gehälter schuldig bleibt. Sie hatten den Vorstand, der den Traditionsverein an den Rand des Ruins gewirtschaftet hatte, ultimativ zum Rücktritt aufgefordert. Clubchef Angel Lavín ging darauf nicht ein. Daraufhin entschieden die Profis, das Spiel platzen zu lassen, und unterrichteten ihre Gegner davon. "Wir hätten zu gerne gespielt, aber wir können nicht zulassen, dass man unsere Rechte mit Füßen tritt", sagte der Stürmer Mariano Sanz.

Die Rebellion der Drittliga-Fußballer löste in Spanien eine Welle der Solidarität aus. "Nicht spielen! Nicht spielen!", feuerten die Fans die Racing-Profis bei Betreten des Platzes in Santander an. Der Bürgermeister der Hafenstadt und der Regierungschef der nordspanischen Region Kantabrien unterstützten den Protest. Auch die Spieler-Gewerkschaft AFE erklärte sich solidarisch.

Die Drittliga-Kicker hatten das Wunder vollbracht, in den vorigen Pokalrunden die Erstligisten FC Sevilla und UD Almería auszuschalten. Nach Almería hatten sie sogar die Strapazen einer 13-stündigen Busfahrt quer über die Iberische Halbinsel auf sich genommen, weil der Verein eine Flugreise nicht zahlen konnte. "Das Spiel gegen San Sebastián wäre für viele meiner Schützlinge die wichtigste Partie ihrer Karriere gewesen", sagte Trainer Paco Fernández. "Aber die Berufsehre bewog sie dazu, nicht zu spielen."

Die spanische Presse feierte die Rebellen als Helden. "Die Racing-Fußballer lieferten ihr bestes Spiel, denn sie verteidigten ihre Ehre", meinte die Zeitung "El Mundo". "El País" schwärmte: "Racing feierte den größten Sieg seiner mehr als 100-jährigen Vereinsgeschichte." Der Boykott war der erste größere Protest gegen die grassierende Misswirtschaft im spanischen Fußball, die Dutzende Proficlubs an den Rand des Ruins gebracht hat.

Racing war 1929 eines der Gründungsmitglieder der Primera Division. Im vorigen Jahr feierte der Club sein 100-jähriges Bestehen. Vor drei Jahren hatte die Vereinsführung geglaubt, in dem indischen Geschäftsmann Ashan Ali Syed einen Retter gefunden zu haben. Dieser blieb jedoch seine Versprechen schuldig und zahlte nicht einmal den Preis für das erworbene Aktienpaket. Seither wird vor den Gerichten darum gestritten, wem der Verein überhaupt gehört.

Einen vergleichbaren Boykott hatte es im spanischen Fußball nur einmal gegeben. Im April 2000 ließ der FC Barcelona - mit Kapitän Pep Guardiola - ein Pokalspiel gegen Atlético Madrid platzen aus Protest dagegen, dass zahlreiche Spieler zwei Tage zuvor in Länderspielen im Einsatz waren. Barça wurde vom Verband (RFEF) für ein Jahr vom Pokal ausgeschlossen, aber später begnadigt.

Auch Santander kann trotz der verhängten Sperre noch auf die Gnade des Verbandes hoffen. "Man muss sich in die Lage dieser Spieler versetzen, die seit Monaten keine Gehälter bekommen", sagte RFEF-Generalsekretär Jorge Pérez.

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