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Platini verteidigt Mammut-EM gegen Löw

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Platini verteidigt Mammut-EM gegen Löw

22.02.2014, 16:20 Uhr | dpa

Platini verteidigt Mammut-EM gegen Löw. Bundestrainer Joachim Löw (l) und Teammanager Oliver Bierhoff sind nicht begeistert vom neuen Modus.

Bundestrainer Joachim Löw (l) und Teammanager Oliver Bierhoff sind nicht begeistert vom neuen Modus. Foto: Boris Roessler. (Quelle: dpa)

Nizza (dpa) - Die Kritik von Joachim Löw und Oliver Bierhoff prallte an Europas höchstem Fußball-Boss schlichtweg ab.

Der Bundestrainer und der Manager der deutschen Nationalmannschaft hatten den Sinn der EM-Aufstockung ab 2016 und der somit sportlich kaum noch reizvollen Ausscheidung von 53 europäischen Nationalteams deutlich infrage gestellt. "Wenn das der Fall ist, dann sollen sie halt nicht spielen", sagte Michel Platini, Präsident der Europäischen Fußball-Union (UEFA), einen Tag vor der Qualifikationsauslosung mit einem süffisanten Lächeln.

Löw und Bierhoff empfinden das ab 2016 aufgeblähte Kontinentalturnier mit 24 statt bisher 16 Teams und die damit verbundene leichte Qualifikation als sportlich "fragwürdig" und "Verwässerung". Platini verteidigte am Samstag das neue Modell, das in zwei Jahren für die Endrunde in seiner französischen Heimat erstmals zur Anwendung kommt, als demokratische Entscheidung der UEFA-Mitglieder. Nur drei Verbände seien dagegen gewesen, darunter eben Deutschland.

"Es wird genauso schwierig sein, sich zu qualifizieren, wie zuvor. Es ist viel Druck auf den Mannschaften", betonte Platini an der sonnigen Côte d'Azur, räumte aber zumindest ein gewisses Verständnis für die deutschen Bedenken ein: "Fünf oder sechs Teams müssen sich vielleicht nicht so viele Gedanken machen, aber jeder will sich qualifizieren."

Der Blick in die Lostöpfe muss den Bundestrainer vor der Zeremonie im Palais des Congrès Acropolis am Sonntag (12.00 Uhr) sportlich nicht beunruhigen. Auf dem Weg zur Endrunde möchte er nur die ungeliebten weiten Reisen wie zuletzt zweimal bis hinter den Ural nach Kasachstan vermeiden. Die zwölfte EM-Endrundenteilnahme ist für Rekordsieger Deutschland, der in Auslosungstopf eins gesetzt ist, praktisch ein Selbstläufer. Ausgerechnet das verstimmt den DFB-Chefcoach.

"Der sportliche Wert einzelner Spiele, aber auch des gesamten Wettbewerbs sinkt", bemerkte Löw vor dem Kurz-Trip ans Mittelmeer offen. Erstmals werden in gut zwei Jahren 24 von 54 Mannschaften des Kontinents bei der EM dabei sein. Für die Qualifikation reicht eventuell sogar ein dritter Platz in den am Sonntag auch von Bundestorwarttrainer Andreas Köpke auszulosenden Sechsergruppen. Bierhoff gehört auch zu der Fraktion der Skeptiker: Man dürfe "den Fußball nicht beliebig werden lassen", mahnte der DFB-Teammanager.

Der Schuldige für die "Verwässerung" (Bierhoff) des weltweit zweitwichtigsten Titelkampfes für Nationalmannschaften ist leicht auszumachen. UEFA-Präsident Platini hatte vor seinem Aufstieg auf den Fußball-Thron des Kontinents im Jahr 2007 gerade den kleinen und noch mehr den mittelgroßen Verbänden viel versprochen. Unter anderem die Aussicht auf EM-Teilnahmen durch Aufstockung des Teilnehmerfeldes.

"Es war eine Mehrheitsentscheidung, der wir uns fügen müssen", sagte DFB-Chef Wolfgang Niersbach - ein guter Freund von Platini, aber ein großer Gegner der Teilnehmer-Inflation. Nun muss Niersbach als Vorsitzender der UEFA-Wettbewerbskommission einen sportlich fragwürdigen Endrunden-Modus mit sechs Vierergruppen und 51 Spielen in 30 Tagen vertreten, für den man eine "Logarithmentafel" brauche, um ihn zu verstehen, wie der DFB-Präsident selbst einräumt.

In Ländern wie Österreich oder der Ukraine kommt Platini mit seiner Politik gut an. Die letzten EM-Gastgeber konnten sich sportlich noch nie für eine Endrunde qualifizieren und haben nun wie die Fußball-Mittelständler Schottland und Irland, die 2007 den Antrag auf Erweiterung offiziell gestellt hatten, realistische Chancen. Gleich 26 der 53 teilnehmenden UEFA-Nationen waren noch nie bei einer EM dabei. Platini - ein selbsterklärter Fußball-Romantiker - sieht die Aufblähung des Turniers daher als demokratischen Akt.

Dem kann Löw wenig abgewinnen. Die Aussicht auf Pflichtspiele gegen Kontrahenten wie Ungarn, Slowenien, Estland, Moldau und UEFA-Neuling Gibraltar ist für den 54-Jährigen wenig verheißungsvoll. Und sie entwerten auch die Nationalmannschaft, was dem DFB überhaupt nicht gefallen kann. Während sich Bastian Schweinsteiger, Marco Reus und Co. mit Bayern München und Borussia Dortmund auf allerhöchstem Niveau in der Champions League gegen andere Weltklasseteams beweisen müssen, werden Länderspiele zum B-Programm degradiert.

Neue Wege geht die UEFA auch mit der Zentralvermarktung. Von Donnerstag bis Dienstag wird der Spielplan in der sogenannten Week of Football in die Länge gezerrt. Jeden Tag soll es "Spitzenfußball" live zu sehen geben. In Deutschland sicherte sich RTL anstelle der DFB-Dauerpartner ARD und ZDF die Übertragungsrechte an den Qualispielen, die am 7. September starten. Die Programmmacher dürften hoffen, dass wenigstens ein attraktiveres Los der Kategorie Belgien, Kroatien, Österreich oder Türkei gezogen wird. Am Samstag bei der Probeauslosung war die Schweiz der deutsche Gegner aus Topf 2. Wiederholt sich dies am Sonntag, hätte wohl auch Löw keine Einwände.

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