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Pfiffe gegen Real Madrid: Ist die Wachablösung von Barca gescheitert?

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Pfiffe gegen Ronaldo & Co.  

Ist die Wachablösung von Barca schon gescheitert?

01.04.2014, 08:17 Uhr | t-online.de

Pfiffe gegen Real Madrid: Ist die Wachablösung von Barca gescheitert?. Die Real-Stars Gareth Bale (li.) und Cristiano Ronaldo beim Liga-Spiel gegen Rayo Vallecano.  (Quelle: dpa)

Die Real-Stars Gareth Bale (li.) und Cristiano Ronaldo beim Liga-Spiel gegen Rayo Vallecano. (Quelle: dpa)

Von Florian Haupt

Cristiano Ronaldo konnte es nicht glauben. Und sein Trainer auch nicht. "Grundsätzlich verstehe ich die Pfiffe, denn teilweise haben wir sie uns auch verdient", sagte Real-Coach Carlo Ancelotti nach dem Spiel gegen Rayo Vallecano. "Aber Cristiano auszupfeifen – das ist nicht mehr ganz so verständlich."

Real Madrid hatte soeben 5:0 gewonnen, Ronaldo dabei das 1:0 erzielt, das 2:0 aufgelegt und auch beim 3:0 entscheidend mitgewirkt. Abgesehen davon, dass er jetzt bei 44 Toren in dieser Saison steht, wettbewerbsübergreifend, und in jedem der letzten acht Spiele getroffen hat. Dass er amtierender Weltfußballer des Jahres ist und eigentlich unbestrittener König des weißen Balletts aus dem Estadio Santiago Bernabeu.

Vor Anpfiff: Pfiffe gegen Lopez, Bale, Benzema

Wenn diesem Ronaldo also eine Einzelaktion kurz vor Schluss – statt auf den eingewechselten Alvaro Morata abzulegen, probierte er es allein – in einem längst gewonnen Spiel vorgehalten wird, dann illustriert das die Gefühlslage unter den Anhängern: sie ist mit angespannt noch zurückhaltend beschrieben. Schon bei Verlesung der Aufstellung hatte es Pfiffe für Torwart Diego Lopez gegeben, für Gareth Bale und Karim Benzema sowie für Ancelotti. Bei den Spielern wiederholten sich die Unmutsbekundungen gelegentlich auch während der Partie.

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Zwei Spiele auf des Messers Schneide

Es geht hier, wohl gemerkt, um einen Klub, der sich noch vor zehn Tagen auf dem sicheren Weg zum Triple wähnte und mit einer Strähne von 31 Spielen ohne Niederlage dafür auch durchaus Argumente auf seiner Seite hatte. Der die Liga anführte, den aufmüpfigen Lokalrivalen Atlético aus dem Pokal eliminiert hatte und – trotz der Halbfinalniederlage im Vorjahr – die ersatzgeschwächte Dortmunder Borussia als eine Art Freilos im Champions-League-Viertelfinale begriff.

Doch dann kam der Clasico, das 3:4 zuhause gegen den FC Barcelona, und hinterher kam ein 1:2 in Sevilla – für alle, die nur an einen Ausrutscher glauben hatten wollen oder an die obskuren Schiedsrichterverschwörungstheorien von Ronaldo und Sergio Ramos nach der Pleite gegen den katalanischen Erzrivalen. Und es kamen Zweifel, Skepsis – sowie das erstaunliche Misstrauensvotum vieler Fans.

Zwei Spiele, die reichten, um zu zeigen, wie nahe die madrilenischen Luftschlösser am Absturz gebaut waren. Zwei Spiele, um Debatten wieder zu eröffnen, die als längst überwunden galten. Ronaldos Egoismus etwa war zuletzt vor einigen Jahren zum Gegenstand des Volkszorns geworden. Die von Ancelotti zu Saisonbeginn ausgerufene Torwartrotation zwischen Diego Lopez (Liga) und Iker Casillas (Pokal, Champions League) galt nach anfänglichem Grummeln als einhellig akzeptiert, ebenso wie der manchmal etwas phlegmatische Benzema dank seiner stärksten Real-Saison und der oft desorientierte Rekordeinkauf Bale dank guter Tor- und Vorlagenstatistiken.

Kritiker: Real hat keine Widerstandsfähigkeit, keine Werte

Eine oberflächliche Idylle, die, so Kritiker, zu dem "Plastikklub Real" passe, den Präsident Florentino Pérez mit seinen Millionenausgaben geschaffen habe: ohne langfristiges Projekt, ohne Widerstandsfähigkeit, ohne Werte. "Marca"-Kolumnist Roberto Palomar wählte zum Vergleich eine Episode, die sich in der Vorwoche im Zentrum Madrids zugetragen hatte. Ein Fahrer hatte seinen Ferrari nach einem Unfall einfach liegen gelassen – er kauft sich dann eben den nächsten.

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Die Geschichte spiegelt das grundsätzliche Unbehagen eines gewichtigen Teils des Anhänger und der spanischen Fußball-Öffentlichkeit gegenüber dem protzigen Kurs von Pérez, unter dem immer neue Luxusspielzeuge wie Bale angeschafft werden, während begabte Nachwuchsleute wie Morata auf der Bank versauern. Der Toptorjäger der letzten U21-EM wurde bei den Niederlagen gegen Barcelona und Sevilla jeweils erst in der Nachspielzeit eingewechselt. Gegen Rayo reichten ihm 17 Minuten sogleich zu einem Traumtor – und dazu, verhinderter Adressat zu sein. Wohl nicht ganz zufällig handelte sich Ronaldo die Pfiffe ein, weil er nicht auf Morata abspielte.

Carvajal: "Die letzten Niederlagen waren ein schwerer Schlag"

Der einzige Nachwuchsmann, der in den letzten Jahren den Sprung in die Stammelf geschafft hat, musste dafür den Umweg über Bayer Leverkusen nehmen. Dani Carvajal belegt die Position des Rechtsverteidigers, erzielte gegen Rayo sein erstes Tor und hat inzwischen auch schon genug Profil, um eine harte Wahrheit auszusprechen: "Die letzten Niederlagen waren ein schwerer Schlag für uns", räumt er ein.

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Gegen Barcelona wurde das über Monate gepflegte Selbstbild zerstört, die Wachablösung im spanischen Fußball stehe bevor – selbst ein alterndes und nicht mehr imposantes Barca war immer noch gut genug für ein vermeintlich aufstrebendes Real. So wie Lionel Messi mit drei Toren wieder einmal Ronaldo in den Schatten stellte. Der Eindruck aus Sevilla tat sein Übriges. Die Mannschaft wirkte hilflos und zerstreut. Beim Siegtor der Sevillaner wechselte Bale gerade die Schuhe.

Pokalfinale gegen Barca in zwei Wochen

Angesichts von drei Punkten Rückstand auf Atlético und zwei auf Barcelona sowie dem jeweils verlorenen direkten Vergleich – der in Spanien bei Punktgleichheit entscheidet – erscheint die schon sicher geglaubte Meisterschaft plötzlich nur noch wie eine Chimäre. Für das Pokalfinale gegen Barca in zwei Wochen war das trotz zweimaliger Führung verlorene Ligaduell auch nicht gerade ein Mutmacher. Und vor den Spielen gegen Dortmund erinnert man sich plötzlich wieder daran, dass in den letzten Jahren in der Champions League immer der entscheidende Schritt fehlte.

"Weder waren wir vorher so gut, noch sind wir jetzt so schlecht", lautet einer der beliebtesten spanischen Fußball-Phrasen, wenn es darum geht, Krisen zu entdramatisieren. Bei Real hilft solche Rhetorik jedoch wenig. Denn dort ist man nach eigenem Selbstverständnis ja "der beste Klub der Welt". Und das muss man eigentlich immer zeigen, ganz bestimmt aber jetzt, im Viertelfinale der Champions League.

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