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Primera Division: FC Barcelona empfängt Atletico zum Titel-Endspiel

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Barca gegen Atletico  

Furioses Finale eines Schneckenrennens

16.05.2014, 09:10 Uhr | t-online.de

Primera Division: FC Barcelona empfängt Atletico zum Titel-Endspiel. Barcas Lionel Messi (li.) und Juanfran von Atletico (Quelle: imago/Alterfotos)

Barcas Lionel Messi (li.) und Juanfran von Atletico haben den Titel im Visier. (Quelle: Alterfotos/imago)

Von Florian Haupt

Es war eine großartige Saison in Spanien, die beste seit vielen Jahren. Mit neuem Charme dank der Titelkandidatur von Atletico Madrid. Begleitet von einer umfassenden Dominanz auf dem Kontinent, an deren Ende sechs von sieben Startern entweder mit einem Europapokal dastehen oder nur von einer anderen spanischen Mannschaft eliminiert werden konnten. Vor allem aber endet eine Spielzeit, die so reich an unvorhersehbaren Wendungen war, dass sich mit Sicherheit nur eines sagen ließ: Jedes Urteil war kurze Zeit später garantiert hinfällig.

Insofern ist dann schon fast wieder folgerichtig, was sich in den letzten beiden Wochen abspielte. Ein Hochgeschwindigkeitstrip wurde zum Schneckenrennen. Über 35 Spieltage hatten sich Atletico, Real Madrid und der FC Barcelona einen Dreikampf ohne Lizenz zum Scheitern geliefert. Meist gewannen alle drei, immer jedoch mindestens einer. Jetzt gingen sie plötzlich gleich zweimal nacheinander geschlossen ohne Erfolg vom Platz. Aus den letzten sieben Partien – Real hatte noch ein Nachholspiel – holte das vermeintlich unangreifbare Trio zusammen ganze fünf Punkte.

Ein echtes Finale

Schon am drittletzten Spieltag ergab sich daher die lustige Situation, dass Barcelona nach einem peinlichen Remis zuhause gegen Abstiegskandidat Getafe öffentlich die Meisterschaft abschrieb. Trainer Gerardo Martino ordnete zwei trainingsfreie Tage für die folgende Woche an, außerdem wurden ein Grillfest und diverse Abendessen arrangiert sowie ohne nennenswerte Geheimhaltungsversuche die Verhandlungen mit Martinos designiertem Nachfolger Luis Enrique aufgenommen.

Wenig verwunderlich, dass es dann am vorletzten Spieltag nur zu einem 0:0 beim Abstiegskandidaten Elche reichte. Andererseits konnte nicht mal das verhindern, dass Barca an diesem Samstag noch ein echtes Finale um den Titel spielen darf.

Gegner Atletico, der mit vier Punkten Vorsprung in den Endspurt gegangen war, schaffte im selben Zeitraum nämlich aus den Spielen beim oberen Mittelfeldklub Levante und gegen den unteren Mittelfeldklub Malaga nur einen Punkt. Er verlor auch seinen informellen Puffer, den Madrider Stadtrivalen, der wunderbar dazu gedient hätte, Barca von jedwedem Ehrgeiz am letzten Spieltag abzuschrecken, wenn ein Sieg gegen Atletico doch nur Real zum Meister gemacht hätte. Doch dieses Real vergab nach Unentschieden gegen das Mittelfeldteam Valencia und beim Absteiger Valladolid am Wochenende auch seine letzte Chance mit einem besseren B-Team in Vigo (0:2).

Barca will Vilanova den Titel widmen

Im Ergebnis ist die Lage so übersichtlich geworden, dass mittlerweile sogar Barca kapiert hat, dass es wirklich noch Meister werden kann. Es muss nur Atletico schlagen. Diese Woche wurde jeden Tag trainiert, es gab keine Partys, nur am Donnerstag die offizielle Verabschiedung des langjährigen Kapitäns Carles Puyol, der aus Gesundheitsgründen die Karriere beendet. Bei so viel neuer Ambition meldete sich sogar Lionel Messi mal wieder zu Wort: "Wir wollen diese Liga gewinnen, um sie Tito Vilanova zu widmen". Dem vorigen Monat verstorbenen Ex-Trainer.

Von einem "schwierigen, komplizierten Jahr" sprach der viermalige Weltfußballer außerdem, und das kann man ja wirklich so sagen: Barcelona musste nicht nur den Krebstod Vilanovas verarbeiten, sondern auch die Anklage wegen Verdachts auf Unterschlagung und Steuerhinterziehung beim Neymar-Transfer; den Rücktritt von Präsident Sandro Rosell als direkte Folge daraus; das – inzwischen aufgeschobene – Transferverbot durch die Fifa wegen Regelverstößen bei der Verpflichtung Minderjähriger; die langwierigen Verletzungen von Schlüsselspielern wie Torwart Victor Valdes, Puyol oder Gerard Pique; die häufigen Blessuren von Stareinkauf Neymar sowie von Lionel Messi; dessen Standby-Modus über weite Phasen der Saison samt permanenter Spekulation über die Ursachen: Eifersucht auf Neymars Vertrag? Selbstauferlegte Schonung für die WM? Fußball-Müdigkeit? Die eigene Steueraffäre mit öffentlicher Bloßstellung und Ausgleichszahlung von angeblich 35 Millionen Euro?

Gegner kommen aus verschiedenen Richtungen

Auf einmal haben Messi und Barca also die Chance, das alles etwas zu kaschieren. Der Saison auch noch eine positive Note mitzugeben, mit der keiner mehr gerechnet hat. So man aus Urlaubs- wieder in Wettbewerbsmodus umschalten kann, ist das womöglich die psychologisch günstigere Ausgangslage für das Spiel am Samstag.

Atletico hingegen kommt gewissermaßen aus der Gegenrichtung. Die Meisterschaft war schon so nah, am Sonntag, als Barca im Parallelspiel in Elche partout nicht traf und daher nur ein Sieg gegen Malaga benötigt wurde. Nur? Atletico war nervös, als ob es auf der Zielgeraden seiner Wundersaison doch noch Angst vor sich selbst bekommen hatte. Erst gelang kein Führungstor, dann geriet man durch eine Tölpelei im Defensivverbund sogar in Rückstand, die Zeit wurde knapp, zwar gelang der Ausgleich, aber in der vierten Minute der Nachspielzeit – Barcelonas Match war schon zu Ende, das Publikum bejubelte die Kunde aus Elche – verhinderte Malagas Torwart Willy Caballero mit einer Glanzparade das Tor zur Meisterschaft.

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Die Legende vom "pupas"

Nach dem Schlusspfiff herrschte Grabesstimmung im Estadio Vicente Calderon. Viele Zuschauer blieben noch lange zurück, wortlos. Statt Malaga schlagen im Camp Nou bestehen zu müssen, ist wahrlich kein Upgrade. "Die Chancen stehen jetzt bei 50:50, wie in jedem Finale", sagte Trainer Diego Simeone. Und das fühlt sich angesichts der Ausgangslage vor den letzten drei Spieltagen wie eine Niederlage an.

Simeone, der Vater von Atléticos neuer Blüte und ein begnadeter Kommunikator, hatte daher anfangs der Woche mal wieder ordentlich Aufbauarbeit zu leisten. Denn der Fatalismus ist bei diesem Verein traditionell nie weit – in Form der Legende vom "pupas", dem "Aua", einem vermeintlich unentrinnbaren Unglück, dem sich viele Atletico-Anhänger unterworfen sehen, seit der sicher geglaubte Europapokalsieg 1974 durch ein Weitschusstor von Bayern Münchens Katsche Schwarzenbeck in der letzten Minute der Verlängerung noch pulverisiert wurde.

Atlético liebt Extremsituationen

Der Trainer versucht demgegenüber daran zu erinnern, dass Atletico unter ihm alle Finals gewonnen hat – zuletzt das Pokalendspiel vorige Saison gegen Real Madrid – und dass es sich um eine Mannschaft handelt, die sich in der Extremsituation von K.o.-Spielen besonders wohl fühlt: wie diese Saison auch in der Champions League zu begutachten war. Da folgt das Finale eine Woche später gegen Real Madrid. Die Pessimisten unken schon, Atletico müsse dazu gar nicht mehr antreten, sollte es vorher in Barcelona die Meisterschaft vergeigen – zu groß wäre das Trauma.

Es gilt als unwahrscheinlich, dass das mit nur etwa einem Viertel des Etats operierende Atletico auch in der kommenden Saison wieder mit Real und Barca wird mithalten können. So ziemlich das ganze Land würde ihnen daher diesen Titel gönnen. Aber das hilft natürlich nichts. „Meisterschaften verdient man nicht, man gewinnt sie“, sagt Kapitän Gabi. Er und seine Elf vertrauen auf etwas ganz anderes: Von bislang fünf Duellen in dieser Saison (Liga, Champions League, Supercup) konnte Barcelona keines gewinnen. Und ein Remis reicht Atletico ja auch am Samstag.

Wer wirklich mit einem Vorteil ins Spiel geht, lässt sich also diskutieren. Ist vielleicht aber auch egal. Bleibt die Saison sich bis zuletzt treu, kommt es sowieso ganz anders.

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