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Stimmen für WM-Neuvergabe nehmen zu - FIFA unter Druck

02.06.2014, 17:18 Uhr | dpa

Stimmen für WM-Neuvergabe nehmen zu - FIFA unter Druck. Mohamed bin Hammam soll Gelder verteilt haben.

Mohamed bin Hammam soll Gelder verteilt haben. Foto: Shamshahrin Shamsudin. (Quelle: dpa)

Berlin (dpa) - Nach den neuen Korruptionsvorwürfen gegen den WM-Gastgeber Katar werden die Forderungen nach einer Neuvergabe der Endrunde 2022 immer lauter.

Vor allem die Nationen, die mit ihren Bewerbungen um die Weltmeisterschaft zuletzt unterlegen waren, üben heftige Kritik und setzen den Fußball-Weltverband (FIFA) unter Druck.

Wie zuvor schon der FIFA-Vize Jim Boyce schloss Lord Peter Goldsmith, Mitglied der unabhängigen FIFA-Reformkommission, eine neue Abstimmung über das Weltturnier in acht Jahren nicht aus. "Wenn es bewiesen ist, dass die Entscheidung, Katar die WM zu geben, durch Bestechung und unangemessene Einflussnahme herbeigeführt wurde, dann sollte diese Entscheidung nicht mehr stehen", sagte der frühere britische Generalstaatsanwalt dem BBC-Hörfunk.

Klarheit erhält Goldsmith womöglich schon kurz nach der WM. FIFA-Chefermittler Michael Garcia will seine Untersuchungen zu möglichen Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe der WM 2018 und 2022 bis zum 9. Juni abschließen. Das gab das Büro des früheren US-Staatsanwalts bekannt. Gut sechs Wochen später, also unmittelbar nach der WM-Endrunde in Brasilien, will er seinen Bericht an die Rechtskammern weiterleiten. "Der Bericht wird alle möglichen Beweise zum Bieterverfahren beinhalten, einschließlich der Informationen aus vorherigen Untersuchungen", versprach Garcia.

Australien pocht nach der Bewerbungs-Niederlage gegen das Wüsten-Emirat auf eine neue Chance. "Es ist eine ernsthafte Entwicklung, es sind ernsthafte Vorwürfe und wir wollen sehen, was die Antwort sein wird", sagte der nationale Fußball-Chef David Gallop bezüglich der FIFA-Ermittlungen wegen des Verdachts der Bestechung beim Votum für Katar. Die Zeitung "The Australian" schrieb zudem am Montag, dass der Verband eine erneute Kandidatur in Betracht ziehe, sollte Katar die WM 2022 entzogen werden.

Bis dahin ist es aber trotz der Enthüllungen der "Sunday Times", die von vermeintlichen Zahlungen des ehemaligen Spitzenfunktionärs Mohamed bin Hammam in Höhe von fünf Millionen Dollar an Offizielle berichteten, noch ein weiter Weg. Selbst wenn der Bericht von Garcia eine Neu-Ausschreibung nahelegt, ist mit einem Gang durch alle Instanzen der Sport- und Zivilgerichtsbarkeit zu rechnen.

Auf eine neuerliche Vergabe drängt auch der Vorsitzende des englischen Fußball-Verbands, Greg Dyke. "Einige der Beweise sind ziemlich überwältigend", sagte er bei Channel 4. Der BBC erklärte Dyke: "Wenn es sich zeigt, dass es ein korrumpiertes System gab und dass die Leute, die gewonnen haben, Schmiergeld und andere Mittel genutzt haben, um Stimmen zu bekommen, dann muss es natürlich erneut vergeben werden." England hatte sich zwar um die Weltmeisterschaft 2018 beworben und war damit Russland unterlegen, zürnt aber immer noch über diese Entscheidung.

Der niederländische Fußball-Verband KNVB sprach sich in einer offiziellen Stellungnahme ebenfalls für eine Neuvergabe aus, sollten sich die Vorwürfe bestätigen. "Die Integrität unserer Wettbewerbe und Fußball-Turniere ist von größter Wichtigkeit für unseren Sport", hieß es in dem Statement.

Katar hatte sich bei der Vergabe im Dezember 2010 neben Australien auch gegen die USA, Südkorea und Japan durchgesetzt. Deren Bewerbungschef Yuichiro Nakajima drängt angesichts der neuerlichen Anschuldigungen gegen Katar auf weitgreifende Maßnahmen: "All dies weist auf die Notwendigkeit für große Reformen hin, wie die FIFA geführt werden muss."

Den Profis aus der Bundesliga ist die Lust auf eine WM im Emirat ebenfalls vergangen. 61,6 Prozent der 220 Spieler, die an einer Befragung des Fachmagazins "Kicker" teilnahmen, votierten dafür, Katar die WM wieder zu entziehen. 16,1 Prozent stimmten bei der entsprechenden Frage mit Nein. 22,3 Prozent war es egal.

Der erneut ins Zwielicht geratene FIFA-Vizepräsident und Chef des afrikanischen Verbands, Issa Hayatou, wies hingegen alle Anschuldigungen zurück. Die Vorwürfe gegen ihn nannte er in einer Stellungnahme "fantasievoll" und lächerlich. Die "Sunday Times" hatte berichtet, dass Bin Hammam dutzende afrikanische Funktionäre mit Zahlungen und anderen Zuwendungen in ihrem Votum bei der WM-Vergabe beeinflusst hätte.

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