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Luis Enrique: Ein harter Hund verzaubert den FC Barcelona

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Trainer Luis Enrique  

Ein harter Hund verzaubert den FC Barcelona

19.09.2014, 06:29 Uhr | t-online.de

Luis Enrique: Ein harter Hund verzaubert den FC Barcelona. Barcelonas neuer Trainer Luis Enrique hat eine klare Vorstellung von Disziplin. (Quelle: dpa)

Barcelonas neuer Trainer Luis Enrique hat eine klare Vorstellung von Disziplin. (Quelle: dpa)

Von Florian Haupt

Ein Gedanke drängte sich am Mittwochabend im Camp Nou unweigerlich auf: Die Champions League ist der neue DFB-Pokal. Beziehungsweise, man ist ja in Barcelona – die neue Copa del Rey. Wie bei Spitzenvereinen in frühen nationalen Pokalrunden schon länger Usus, ließ Barcelonas Trainer Luis Enrique die Champions League mit einer B-Elf eröffnen. Nur zwei Spieler wiederholten gegenüber der letzten Ligapartie einen Einsatz in der Stammelf, die vermeintliche Königsklasse bot dem Coach sogar Anlass, den 19-jährigen Mittelfeldspieler Sergi Samper aus der eigenen Jugend debütieren zu lassen.

Ob er das im Nachhinein wieder so machen würde, wurde Luis Enrique nach dem zähen 1:0 über Apoel Nikosia gefragt. Nach einem der größten Langeweiler der letzten Jahre im Camp Nou, nach einer Darbietung, die selbst Barcas Spielmacher Xavi als "träge" bezeichnete. Der Trainer zögerte keine Sekunde mit seiner Antwort: "Ohne Zweifel: ja."

Der 44-Jährige ist so einer, direkt, kompromisslos. Er hat sich auf die Fahnen geschrieben, seinen Kader unter permanentem Konkurrenzdruck zu halten, und er zieht das jetzt noch radikaler durch, als sich das alle sowieso gedacht hatten. Nicht einmal die Torwartposition ist klar vergeben. In der Liga spielte bislang Claudio Bravo (kein Gegentor in drei Spielen), in der Champions League durfte erstmals Marc-André ter Stegen auflaufen (tadellose Leistung mit Schlüsselparade in der Nachspielzeit). Doch allen Interpreten, die dahinter ein erstes Muster zu entdecken hofften, erteilte Luis Enrique nach dem Spiel eine Absage: Er werde nicht nach Wettbewerben rotieren, sondern weiterhin auch bei den Torleuten von Spiel zu Spiel entscheiden: "Ich weiß, dass es nicht die Norm ist, aber ich mache das auf meine Weise. Ich möchte immer drei einsatzbereite Torleute haben."

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Sprechchöre trotz fader Partie

Einem anderen Trainer würde so eine Herangehensweise wohl um die Ohren gehauen werden. Bei einem anderen würden sich Stars wie Neymar oder Xavi vielleicht nicht so anstandslos auf die Bank setzen wie in bisher allen Ligaspielen. Und bei einem anderen Trainer hätten die Zuschauer am Mittwoch bestimmt gepfiffen und nicht zehn Minuten vor Schluss, als es immer fader wurde, noch Schlachtgesänge auf ihren Trainer angestimmt. Seinem Vorgänger Tata Martino hätte man so eine Partie nicht durchgehen lassen. Der Argentinier beschwerte sich just am Tag des Apoel-Spiels in einem Interview darüber, dass Presse und Fans weder viel über ihn wussten noch ihm eine echte Chance gegeben hätten.

"Ein Trainer wird hier viel mehr in Frage gestellt, wenn er nicht aus dem Klub kommt oder Holländer ist", hatte der Argentinier schon nach wenigen Monaten seiner Amtszeit festgestellt. Nun, Luis Enrique kommt an sich aus Asturien, Nordspanien, und er hat sogar mal für Real Madrid gespielt. Aber mit 26 wechselte er zu Barca und erwarb sich Stallgeruch in Überdosis. Er liebte diesen Klub, er kämpfte für ihn an allen Fronten, er war einer, der das Trikot fühlt, wie man in Spanien sagt. Konsequenterweise begann er seine Trainerkarriere als Coach der zweiten Mannschaft, die er 2011 auf Platz drei der zweiten Liga und damit zu ihrem besten Ergebnis der Geschichte führte. Nach jeweils einer Saison bei der AS Roma (erfolglos) und Celta de Vigo (erfolgreich) ist er jetzt zurück.

Basketballausflug endet mit Konsequenzen

Luis Enrique gilt als harter Hund, der sich, noch so eine lokale Redewendung, "mit niemandem verheiratet": also keine Lieblinge kennt und keine Privilegien verteilt. In Barcelona wollten sie genau das, nachdem über die späte Amtszeit von Pep Guardiola, das Jahr von dessen mittlerweile an Krebs verstorbenem Nachfolger Tito Vilanova und eben der Zwischenherrschaft von Martino nicht nur die Titelrate stetig abnahm, sondern auch der Eindruck entstand, der eine oder andere Spieler sei nicht mehr so ganz bei der Sache.

Nun erfreut sich das Publikum an Geschichten wie der vom letzten Donnerstag. Da wurden die Spieler Neymar, Piqué, Bartra, Rafinha, Douglas und Dani Alves beim WM-Halbfinale der amerikanischen Basketballer gesehen. Das Spiel endete gegen elf Uhr abends. Eine interne Richtlinie des Trainers schreibt jedoch vor, dass seine Kicker zwei Tage vor einem Spiel spätestens um elf zu Hause zu sein haben. Im Ergebnis stand keiner der Sechs beim Match gegen Athletic Bilbao in der Startformation, einige waren nicht mal im Kader. Sergio Busquets hingegen spielte – er hatte die Halle zur Halbzeit verlassen.

Guardiola ist ein Kopf, Luis Enrique ein Herz

Viele Beobachter erinnert Luis Enriques Reformgeist und sein bedingungsloses Vertrauen auf den Klubnachwuchs an den Beginn von Guardiolas Epoche. So wie der einst Busquets oder Pedro aus dem Nichts zu Stammspielern der ersten Mannschaft machte, erhob sein einstiger Nachfolger bei "Barca B" nun den 19-jährigen Stürmer Munir El Haddadi auf Anhieb über etliche renommierte Kollegen. Als einziger neben Lionel Messi stand der Neuzugang aus der eigenen Jugend bislang in jeder Partie in der Anfangself.

Nach bisherigen Eindrücken hat Barcelona unter Luis Enrique den Hunger und das konsequente Pressing wiederbelebt, das so ein zentrales Markenzeichen der Guardiola-Elf war. Doch es gibt auch Unterschiede zum heutigen Bayern-Coach. Schon zu Spielerzeiten war Guardiola immer eher ein Kopf der Mannschaft, Luis Enrique eher ein Herz. Der eine ist ein Feingeist, der sich in seiner Freizeit gern mit Büchern und Kultur beschäftigt, der andere ein Draufgänger, der sich durch Triathlons und Fahrradtouren quält. Der eine sucht nach perfekten Passfolgen, der andere hat den Fußball gern etwas vertikaler. Und wo sich Guardiola mit unbequemen Entscheidungen immer schwer tat, scheint Luis Enrique regelrecht Spaß daran zu haben, seine Autorität in aller Klarheit durchzusetzen.

Der wahre Erfolg zeigt sich im Frühjahr

"Ich glaube blind an meinen Weg, den Kader zu managen", sagt er über seine großzügige Anwendung des Rotationsprinzips: "Mit über zwanzig Spielern sind wir besser als mit zwölf". Wie immer wird erst das Frühjahr ein Urteil sprechen, ob die Methode der Daueranspannung die gewünschten Ergebnisse bringt. Bislang konnten seine Teams in der Rückrunde meist zulegen. Vom FC Barcelona ist also einiges zu erwarten.

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