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Real Madrid: Ronaldo nicht fit und Ego von Bale viel zu groß

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Ronaldos Gesundheit und Bales Egoismus  

Bei Real Madrid dominieren wieder die Sorgen

14.01.2015, 13:18 Uhr | t-online.de

Real Madrid: Ronaldo nicht fit und Ego von Bale viel zu groß. Cristiano Ronaldo (li.) und Gareth Bale sind die großen Egos bei Real Madrid. (Quelle: imago/Ulmer)

Cristiano Ronaldo (li.) und Gareth Bale sind die großen Egos bei Real Madrid. (Quelle: Ulmer/imago)

Aus Madrid berichtet Florian Haupt

Alles ist vorbereitet für die "remontada" – die große Aufholjagd. Die Fans haben sich verabredet, um den Mannschaftsbus auf seiner Fahrt zum Estadio Santiago Bernabéu zu flankieren. Trainer Carlo Ancelotti verspricht die beste Aufstellung. Die Zeitungen lassen vergangene Heldentaten wieder aufleben. Doch es gibt bei Real Madrid auch welche, die sich fragen: Wäre es überhaupt so gut, das 0:2 aus dem Hinspiel im Pokal-Achtelfinale am Donnerstag (20 Uhr) gegen Stadtrivale Atlético noch umzubiegen?

Das Ergebnis wäre nämlich auch: mehr Spiele, vor allem noch mehr dieser Spiele, die viel Substanz kosten – im Viertelfinale wartet der FC Barcelona. Real würde dann alleine zwischen dem 4. Januar und 4. Februar zehn offizielle Matches bestritten haben, die sich noch rächen könnten, wenn es im Frühjahr ernst wird in der Champions League. Zumal Trainer Carlo Ancelotti kein großer Freund von Rotationen ist.

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Kleine Krise vorerst überwunden

In den Medien war die "cuesta de enero" – die "Januar-Steigung" – von vornherein als möglicher Kurswechsel zum Negativen ausgemacht worden. Und dann schien gleich der Beginn alle Befürchtungen zu bestätigen. In Valencia musste Real erstmals seit Monaten aus dem Sattel – und verlor prompt die Kontrolle. Durch ein 1:2 riss die vornehmlich gegen Laufkundschaft erreichte Siegesserie von 22 Spielen. Drei Tage später folgte die Niederlage gegen ein ersatzgeschwächtes Atlético. Danach wurde Trainer Carlo Ancelotti gefragt, ob sich Real in der Krise befinde. Den Ausdruck halte er für übertrieben, erwiderte der Coach – aber man müsse schnell wieder gewinnen.

Das lockere 3:0 am Samstag gegen Espanyol hat vorerst Entspannung gebracht. Zusätzlich beruhigen die wüsten Debatten beim Erzrivalen FC Barcelona die Gemüter – vergleichsweise scheint man nicht nur tabellarisch (ein Punkt mehr und ein Spiel weniger) dann doch besser dazu stehen. Auch die erneute Auszeichnung von Cristiano Ronaldo zum Weltfußballer des Jahres am Montag hob natürlich die Stimmung am königlichen Hofe – dabei hat es neben den Sorgen um die Fitness des Teams und die langwierige Verletzung von Luka Modric wesentlich mit dem Superstar zu tun, dass die Zeiten von Idylle und Harmonie erst mal der Vergangenheit angehören.

Ärzte müssen Ronaldo vor sich selbst schützen

Zum einen wird sein Gesundheitszustand wieder thematisiert. Es heißt, ihm drohe eine erneute Überbelastung des Knies, die ihn letzte Saison in der entscheidenden Phase zu einer Nebenrolle zwang – Ronaldo verpasste das Pokalfinale, schleppte sich durch die letzten Champions-League-Runden und verpatzte die WM. Die Obsession des dreifachen Weltfußballers nach immer neuen Rekorden (und, wie nach seiner jüngsten Auszeichnung in Zürich verkündet, den vier Goldenen Bällen von Lionel Messi), führt zu einem Trainingswahn, der bisweilen auch den Ärzten den Schweiß auf die Stirn treibt – wenn sie irgendwie versuchen müssen, ihn vor sich selbst zu schützen.

Wenigstens scheint Ronaldo aus der Vorsaison gelernt zu haben, nicht um Teufels willen jede Partie bestreiten zu müssen. Verschärften sich seine Knieprobleme damals im quasi bedeutungslosen Achtelfinal-Rückspiel der Champions-League gegen Schalke (nach einem 6:1 im Hinspiel), ließ er sich vorige Woche dazu überreden, das Pokal-Hinspiel bei Atlético auf der Bank zu beginnen. Nach seiner Einwechslung in der zweiten Halbzeit bekam er allerdings kaum etwas zustande – ob das Experiment vor diesem Hintergrund so bald wiederaufgeführt wird, darf bezweifelt werden.

"Krieg der Egos" verschlimmert sich

Noch schlagzeilenträchtiger als jedes medizinische Bulletin ist freilich der "Krieg der Egos" (so die katalanische Zeitung "Sport") im weißen Ballett – nachdem Ronaldo in zwei Ligaspielen nacheinander seine Frustration über Mitspieler Gareth Bale artikulierte. In Valencia verzweifelte neben Ronaldo auch Karim Benzema an der Eigensinnigkeit des Walisers, der beim Stand 1:1 den eigenen Torabschluss einer Vorlage auf seine freien Sturmkollegen vorzog. Die Szene gegen Espanyol wiederum war weniger spielentscheidend (es stand bereits 2:0), dafür umso symptomatischer.

"Putaaaa" – mit "verdammt" eher zurückhaltend übersetzt – hörte man Ronaldo in der 71. Minute fluchen: Bale hatte ihn wieder übersehen. Dem Portugiesen stieß das besonders übel auf, weil er anders als sein Kollege an diesem Nachmittag bislang leer ausgegangen war – und Spiele ohne eigenes Tor, das hat er mal zugegeben, sind für ihn fast wie verlorene Spiele. Jedenfalls sprang die Frustration Ronaldos sofort auf Teile des Publikums über, die Bale nun ihrerseits auszupfeifen begannen – obwohl der 100-Millionen-Euro-Mann mit einer wunderbaren Vorarbeit vor dem 1:0 und einem Traumfreistoß zum 2:0 an sich der überragende Mann gewesen war.

Noch stellt sich Bale hinten an

Freistöße schießen kann Bale wohl wirklich besser als Ronaldo: trotz weniger Versuchen steht es nach dem Treffer in dieser Statistik nun 1:0 für den Waliser, denn der Weltfußballer hat diese Saison noch keinen einzigen verwandelt. Dennoch stellt sich Bale brav hinten an, konsultiert Ronaldo, ob er ausführen darf und akzeptiert auch sonst die bestehende Hierarchie. Unter anderem spielt er seit seinem Wechsel zu Real im Sommer 2013 anstandslos auf seiner schlechteren rechten Seite, damit Ronaldo wie gewohnt über links kommen kann. Die Frage ist bloß: Wie lange will er noch warten?

Bale ist ja vor anderthalb Jahren selbst als Galaktischer eingekauft worden, Präsident Florentino Pérez sieht in dem 25-Jährigen den designierten Nachfolger des viereinhalb Jahre älteren Cristiano. In seiner Debütsaison erzielte der Brite zwar wesentlich weniger, aber auch wesentlich wichtigere Tore als der Portugiese: den 2:1-Siegtreffer im Pokalfinale gegen Barcelona mit einem epochalen Sprint oder den Führungstreffer in der Verlängerung des Champions-League-Finals durch einen Kopfballabstauber. Dennoch landete er bei der Weltfußballerwahl nicht mal unter den Top Ten.

Zu wenig für den teuersten Fußballer aller Zeiten, der allerdings nicht nur beim Aussehen trotz seines Haarreifens noch keine echte Konkurrenz für Ronaldo darstellt. Auch seine Leistungen sind längst nicht so konstant, sein Mannschaftsspiel und taktisches Verständnis weiter mangelhaft und seine Ballverluste zu häufig. Die Pfiffe des Bernabéu schuldeten sich zum großen Teil auch einer generellen Verzweiflung über den Waliser: ohne ihn wirkt Madrid oft weit harmonischer.

"Zuschauer sollten liebenswürdig sein"

Für Ancelotti kommt ein Verzicht auf Bale dennoch nicht in Frage, zu wichtig sind dem Italiener seine potenziell überragenden Einzelaktionen. "Er ist genauso fundamental wie Cristiano", sagte er zur Verteidigung des Angeklagten nach dem Espanyol-Spiel sogar. Das war natürlich ein bisschen geflunkert, aber zumindest Ronaldo nahm es dem Trainer nicht krumm, und aus seiner komfortablen Position als bestätigter Weltfußballer heraus kann sich der Portugiese jetzt ohnehin großherzig geben. In Zürich fand er für seinen Edelpraktikanten jedenfalls warme Worte des Friedens, als es noch mal um die Pfiffe vom letzten Wochenende ging: "Auch mir sind schon Fehler passiert. Ich denke, die Zuschauer sollten liebenswürdig zu ihm sein."

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