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Dynamo-Trainer Tschertschessow: Wir verhandeln mit Kuranyi

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Stürmer soll in Moskau bleiben  

Dynamo-Trainer Tschertschessow: Wir verhandeln mit Kuranyi

20.01.2015, 09:34 Uhr | t-online.de

Dynamo-Trainer Tschertschessow: Wir verhandeln mit Kuranyi. Der Trainer von Dynamo Moskau Stanislaw Tschertschessow (re.) will den Vertrag mit dem deutschen Stürmer Kevin Kuranyi gerne verlängern.  (Quelle: imago/ITAR-TASS)

Der Trainer von Dynamo Moskau Stanislaw Tschertschessow (re.) will den Vertrag mit dem deutschen Stürmer Kevin Kuranyi gerne verlängern. (Quelle: ITAR-TASS/imago)

Stanislaw Tschertschessow hütete in den 90er Jahren das Tor von Dynamo Dresden in der Bundesliga und erlangte dort schnell Kultstatus. Später als Keeper des FC Tirol Innsbruck lernte er unter Joachim Löw bereits früh die Qualitäten des späteren Weltmeister-Trainers schätzen. Mittlerweile ist er in Russland selbst ein erfolgreicher Trainer. Als Coach von Dynamo Moskau spricht er über den russischen Fußball, seine eigenen Ambitionen, die Bundesliga und natürlich über seinen Star-Stürmer Kevin Kurányi.     

Das Interview führte Thomas Tamberg

Als Trainer von Dynamo Moskau streiten Sie mit Zenit St. Petersburg und ZSKA Moskau um den Meistertitel. Wie schätzen Sie die Chancen für Dynamo ein?
Die beiden Konkurrenten sind sehr stark, aber wir sind dran und ich hoffe, dass wir die sechs Punkte Rückstand in der Rückrunde noch aufholen können. Da wir in der Europa League zehn zusätzliche Spiele hatten, haben wir den einen oder anderen Punkt in der Liga unnötig abgegeben. Das wollen wir jetzt besser machen.

Dort hat Dynamo Moskau die Gruppenphase mit sechs Siegen aus sechs Spielen souverän gemeistert. Jetzt geht es in der Zwischenrunde gegen Anderlecht. Wie wichtig ist die Europa League für Sie?
Die Europa League ist keine Champions League, das wissen wir. Dynamo Moskau war noch nie in seiner Vereinsgeschichte in der Gruppenphase dieses Wettbewerbs. Wir wollen in diesem Wettbewerb erfolgreich spielen, wenn möglich gewinnen. Unser Gegner Anderlecht ist stark und im Wettbewerb-Rhythmus.

Ist diese lange Winterpause in Russland ein Nachteil im internationalen Wettbewerb?
Im Prinzip nicht, das wäre ein zu einfaches Alibi. Wichtig ist, mit welcher Motivation die Jungs aus dem Urlaub kommen. Die Spieler haben ein spezielles Fitness-Programm erhalten, so dass wir nicht von Null anfangen müssen. Wir wollen und werden in der Rückrunde gut vorbereitet und selbstbewusst auftreten. Es liegt einzig und allein an uns.

Ein Erfolgsgarant ist der Deutsche Kevin Kuranyi. Welchen Stellenwert besitzt er für Dynamo Moskau?
Er ist immer noch ein sehr guter Fußballer und hat mittlerweile 50 Tore für Dynamo geschossen. Da ich mit ihm deutsch reden kann, haben wir kein Sprachproblem. Ich kann mich gut in ihn hineinfühlen, weil ich die Bundesliga gut kenne. Der Klub und ich sind überzeugt von ihm. Es gibt nicht viele Stürmer auf der Welt mit seinen Qualitäten.   

Sein Vertrag läuft zum Saisonende aus und er hat anklingen lassen, dass es die Familie wieder zurück nach Deutschland zieht.
Wenn die Familie wirklich zurück möchte, dann würde Kevin in Moskau nicht glücklich werden, sollte er trotzdem hierbleiben. Ich habe aber bereits mehrfach mit ihm gesprochen und hoffe, dass er seinen Vertrag bei Dynamo Moskau verlängern wird. Er weiß, dass ich ihn sehr schätze. Auch der Verein kennt meine Meinung.

Wann kann man mit einer Entscheidung im Fall Kuranyi rechnen?
Wir wollen versuchen, noch vor Beginn der Rückrunde seinen Vertrag zu verlängern. Es ist wichtig, dass wir rechtzeitig wissen, ob Kevin bleibt oder nicht. Egal was passiert, er ist hochmotiviert, mit Eifer und Freude beim Training und ich bin überzeugt, dass er seine Leistung bringen wird. Er muss sich anbieten: Ob für Dynamo oder die Bundesliga.

Verfolgen Sie den deutschen Fußball?
Natürlich. Für jeden Trainer, der sich weiterentwickeln möchte, ist es wichtig, die Bundesliga zu schauen. Ich mache mir Notizen und beobachte, was man verbessern und übernehmen kann. Außerdem spielen viele deutsche Teams in europäischen Wettbewerben. Die Bundesliga und die Strukturen in den Vereinen, die Infrastruktur, die Fußballbegeisterung, all das hat sich in den letzten zehn Jahren ganz stark entwickelt. Vielleicht ist die Bundesliga mittlerweile die stärkste Liga Europas. Das sieht man derzeit an Borussia Dortmund. In Europa räumen sie alles ab, in der Bundesliga kommen sie nicht klar. Auch finanziell ist die Bundesliga eine sehr stabile Liga.

Wäre für Sie die Bundesliga als Trainer interessant? Passt Ihre Spielphilosophie überhaupt nach Deutschland?
Im Fußball geht es oft sehr schnell, alles kann passieren. Mein Spielstil passt natürlich zur Bundesliga. Balance, Ordnung und Aufgabenverteilung müssen stimmen, meine Grundidee ist attraktiver und erfolgreicher Offensivfußball. Mein Anspruch war schon als aktiver Sportler, im Klub und in der Nationalmannschaft immer auf höchstem Niveau und um Meisterschaft und Titel zu spielen. Klar, ist die Bundesliga daher interessant. Aber ich bin kein Träumer. Als Trainer muss man mit seinen Mannschaften stabile Leistungen abliefern und sich empfehlen. Ich spreche Deutsch und Englisch, kenne die Bundesliga, habe selbst dort gespielt. Sollte der Tag X kommen, dann bin ich entsprechend gut vorbereitet, nur der Klub muss hohe sportliche Ziele haben.

Im Herbst ihrer aktiven Karriere als Profi-Torwart haben sie beim FC Tirol Innsbruck unter Joachim Löw trainiert. Konnte man damals schon Ansätze eines zukünftigen Weltmeister-Coaches erkennen?
Definitiv. Er kam während der Saison und war dort vom ersten Tag an erfolgreich. Obwohl der Verein seinen Spielern kein Geld bezahlen konnte und am Saisonende insolvent war, führte uns Jogi zur Meisterschaft. So etwas bekommt nicht jeder Trainer hin, denn eine ganze Mannschaft zu motivieren, deren Spieler nicht bezahlt werden, das ist schon ein Kunststück. Aber Jogi ist ein guter Psychologe, er kennt die deutsche Mentalität und hat damals schon gezeigt, dass er eine Mannschaft führen kann. Daher war mir klar, dass er seinen Weg gehen wird.

Haben Sie noch Kontakt zu Löw?   
Gesehen haben wir uns zuletzt in Moskau. Zuletzt hatte ich ihm zum WM-Titel gratuliert. Dieser Pokal ist für jeden Trainer natürlich das Höchste.

Die nächste Weltmeisterschaft findet 2018 in Russland statt. Spürt man im Land eine gewisse Vorfreude auf die WM?
Ja. Die Stadien von Rubin Kasan und Spartak Moskau sind schon fertig. St. Petersburg folgt nächstes Jahr. Ich denke, in dieser Richtung sind wir sehr gut aufgestellt. Die Olympischen Spiele in Sotchi haben gezeigt, dass wir solche Großevents veranstalten können. Wichtig wird natürlich sein, wie sich die Nationalmannschaft präsentiert. Die WM war enttäuschend und auch die letzten Spiele waren wenig berauschend. Wir müssen uns gewaltig steigern, hoffen auf den Heimvorteil. Ein gutes Auftreten bei der EM 2016 in Frankreich und beim Confed-Cup 2017 könnte einen positiven Impuls auslösen und ein erhöhtes Interesse bei der russischen Bevölkerung bewirken.

Sie haben in Russland den Ruf, neue Namen aus dem Hut zu zaubern. Gibt es no-name-Kandidaten auf Ihrer geheimen Liste und wird Russland rechtzeitig eine Mannschaft stellen können, die um den Titel spielt?

Bis zur WM sind es noch dreieinhalb Jahre, es kann vieles passieren. Natürlich war es für Außenstehende überraschend, dass während meiner Tätigkeit als Cheftrainer von Terek Grosny Lebedenko und Ivanov zu alter Stärke zurück fanden und dass bei Amkar Perm die jungen Semionov und Kanonikov für die WM in Brasilien berufen wurden. No name Spieler gibt es nicht, nur einen Trainer mit guten Augen (lacht). Dynamo Moskau wird bei der Spieler-Ausbildung seinen Beitrag fürs Nationalteam leisten und auch in Zukunft den einen oder anderen jungen Spieler für die Nationalmannschaft stellen, aber es wäre vermessen zusagen, dass da ein Weltstar heranwächst. Ich denke Russland wird im Kollektiv eine starke Mannschaft haben. Aber um eine WM zu gewinnen, muss auch der eine oder andere Topstar in der Mannschaft sein.

Sie waren der erste Kapitän in der Geschichte der neuen russischen Nationalmannschaft. Wäre es nicht ein Traum, die russische Elf als Trainer bei der WM im eigenen Land zu coachen?
Was kommen muss, kommt!!!

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