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Krawalle in Kairo: Wie Ägyptens Fußball die Politik widerspiegelt

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Fußball  

Wie Ägyptens Fußball die Politik widerspiegelt

09.02.2015, 15:11 Uhr | dpa

Krawalle in Kairo: Wie Ägyptens Fußball die Politik widerspiegelt. Angehörige von Zamalek-Fans fordern Aufklärung.

Angehörige von Zamalek-Fans fordern Aufklärung. Foto: Hamada Elrasam. (Quelle: dpa)

Kairo (dpa) - Die Weißen Ritter haben ihre Fanseiten im Internet schwarz gefärbt. "White Knights" - so nennen sich die Ultrafans des ägyptischen Fußballclubs Zamalek.

Seit Sonntagabend trauern sie. Mindestens 20 Fans kamen nach offiziellen Angaben bei Ausschreitungen rund um ein Zamalek-Spiel im Osten der Hauptstadt Kairo ums Leben, Medien berichten gar von 30 Toten. Die Ultrafans schreiben auf ihrer Facebook-Seite von "Mord unter Vorsatz" - die Polizei habe das Massaker an den Fans geplant.

Auch Murtada Mansur, Vorsitzender des Zamalek-Vereins, sprach im ägyptischen Fernsehen von einem "geplanten Massaker" - allerdings geplant von den Ultras, um für Unruhe in Ägypten zu sorgen.

Egal, wer die Schuld an den Ausschreitungen trägt, einmal mehr zeigt der ägyptische Fußball, wie eng er mit der Politik des Landes verwoben ist. Die Ultras waren ein wichtiger Teil der Demonstranten, die Anfang 2011 den Langzeitherrscher Husni Mubarak zu Fall brachten. Mögen auch Hunderttausende in Kairo auf die Straße gegangen sein, es waren die Fußballfans, die sich den Schlagstöcken von Mubaraks Polizei mit aller Wut entgegen stellten.

Vor dem geladenen Derby zwischen Zamalek und dem Club ENPPI - beide stehen in der ersten Liga auf Tabellenplatz eins und zwei - hatten nach Angaben des Innenministeriums Tausende Zamalek-Fans versucht, ohne Eintrittskarten das Stadion zu stürmen. Fans berichten im ägyptischen Fernsehen unter Tränen, sie seien direkt bei der Ankunft mit Gummigeschosse und Tränengas begrüßt worden. Von den Behörden heißt es, die Ultras hätten ein Polizeiauto angezündet und versucht, den Bus mit den Zamalek-Spielern an der Fahrt zum Stadion zu hindern.

Auch nach der Revolution kam es immer wieder zu Zusammenstößen zwischen Fans und Sicherheitskräften. Bei den bislang schwersten Krawallen starben im Februar 2012 nach einem Fußballspiel im nordägyptischen Port Said 74 Menschen. Die Behörden hatten danach allen Zuschauern ein Stadionverbot für Erstliga-Spiele erteilt - die Clubs spielten seitdem vor leeren Rängen. 

Seit Juni vergangenen Jahres ist der ehemalige Armeegeneral Abdel Fattah al-Sisi neuer Präsident des Landes. Muslimbrüder werden seitdem als Terroristen verfolgt, Oppositionspolitiker und Aktivisten zu Hunderten weggesperrt. Kritiker befürchten einen neuen Militärstaat, schlimmer als unter Mubarak. Doch im Land freuen sich viele Ägypter über die neu gewonnene Stabilität. Erst vor einem Monat hatten Behörden auch den Fan-Bann für die Fußballstadien aufgehoben.

Prompt kehrt nun die Gewalt zurück. Juan Carlos Garrido, Trainer von Al-Ahly, nannte die Krawalle eine "sehr große Tragödie für Ägypten", Zamalek-Vorstand Mansur sieht sie als Vorbote der für Ende März angesetzten Parlamentswahlen.

Mansur gilt als Mann des neuen Sisi-Staates. Der Fußballmogul war eng mit dem alten Regime Mubaraks verwurzelt, doch ist seit knapp einem Jahr Vorsitzender des Zamalek-Vereins. Den Kampf gegen die "White Knights" seines Clubs erklärte er zur Chefsache - die Fans überschütteten ihn zum Dank mit einem Kübel Urin.

Nun, am Tag eins nach den Krawallen, scheinen die Fronten wieder zu stehen: Ägyptens Fußballverband hat sämtliche Spiele auf unbestimmte Zeit abgesagt, die Staatsmedien schreiben von "Bärtigen" unter den Fans, um sie als Islamisten zu denunzieren. Auf Facebook antworteten die Ultras prompt mit einer Koran-Sure: "Diejenigen, die Unrecht tun, werden spüren, zu welchem Ursprung sie zurückkehren."

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