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Nach Ronaldo-Party: Real Madrid gerät in Aufruhr

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Derbydebakel und Ronaldo-Party  

Verkatertes Real Madrid gerät in Aufruhr

09.02.2015, 16:20 Uhr | t-online.de

Nach Ronaldo-Party: Real Madrid gerät in Aufruhr. Cristiano Ronaldo und Gareth Bale (re.): Bei Real Madrid läuft es überhaupt nicht. (Quelle: dpa)

Cristiano Ronaldo und Gareth Bale (re.): Bei Real Madrid läuft es überhaupt nicht. (Quelle: dpa)

Aus Madrid berichtet Florian Haupt

Nur eines fehlte noch, um die Depression bei den Anhängern von Real Madrid komplett zu machen. Und das geschah am Sonntagabend: der Erzivale aus Barcelona rückte nicht nur auf einen Punkt in der Tabelle heran, er zeigte beim 5:2 in Bilbao auch hinreißenden Fußball. So dominant, variabel und freudvoll, wie Real selbst noch bis Weihnachten aufgetreten war. Eine Ewigkeit scheint es her.

Vor 50 Tagen erklommen die Madrilenen in Marokko den Gipfel des Weltfußballs. Mit dem Gewinn der Klub-WM beschlossen sie in Marrakesch das titelreichste Jahr der Vereinsgeschichte und schraubten ihre Siegesserie auf 22 Spiele in Folge. Die Zeitungen schrieben von einer Ära, die gerade erst am Anfang stehe.

Blamable Derbypleite gegen Atlético

Doch als ob der Jahreswechsel auch eine Zeitenwende mit sich gebracht hätte, steht 2015 eine andere Mannschaft auf dem Platz. Gleich das erste Spiel ging trotz Führung in Valencia verloren (1:2), drei Tage später folgte eine 0:2-Niederlage im Pokal bei einer B-Elf von Stadtrivale Atlético, die das Ausscheiden im Rückspiel (2:2) vorwegnahm.

In der Liga retteten nur glückliche Siege in Córdoba und gegen Sevilla (jeweils 2:1) die Tabellenführung. Am Samstagnachmittag explodierte der Niedergang von Spielkunst, Fitness und Motivation in einem großen Knall: einem blamablen 0:4 bei Atlético, der schlimmsten Derbypleite, an die sich die Lebenden erinnern können.

Was tun nach so einem Debakel? Am besten mit einer schmissigen Party all den Winterfrust vertreiben.

"Die Party der Schande"

Diese Therapieform legen jedenfalls die Fotos und Videos nahe, die in der Nacht zum Sonntag veröffentlicht wurden – direkt aus einem Edellokal im Villenvorort La Finca, wo Cristiano Ronaldo mit rund 150 Gästen seinen 30. Geburtstag feierte. Man sah dort einen lachenden James Rodríguez (am Donnerstag wegen eines Mittelfußbruchs operiert), einen coolen Sami Khedira (wenige Stunden zuvor wegen einer Zerrung ausgewechselt), und man sah auch den Jubilar selbst. Mit seinem Stargast, dem kolumbianischen Reggaeton-Sänger Kevin Roldán, trällerte der Weltfußballer, seit kurzem wieder Single, dessen Hit "Si no te enamoras": "Nimm’s mir nicht übel, ich will nur etwas Sexuelles / Wenn du dich nicht verliebst, können wir ein paar Stunden miteinander verbringen / Das können wir wiederholen, immer wenn du dich allein fühlst."

Die Fans fühlten angesichts der Demütigung durch den Stadtrivalen jedoch andere Dringlichkeiten. Und so lief das meistkommentierte Twitter-Thema am Sonntag in Spanien unter dem Hashtag: #lafiestadeladeshonra, zu deutsch "die Party der Schande".


Jahrelange Arbeit in einer einzigen Nacht zerstört

Feiern nach Niederlagen: ein Kapitalverbrechen im Fußball. Das wussten sie natürlich auch im Verein. Sein Umfeld soll Ronaldo noch nach Spielende nahegelegt haben, die Fiesta besser abzusagen. Doch das war allein schon deshalb nicht möglich, weil das Event seit Wochen geplant und etliche Gäste, wie etwa Barde Roldán, um die halbe Welt geflogen waren. 30 wird man schließlich nur einmal im Leben.

Ronaldo selbst soll nach einem Bericht der Zeitung "As" stocksauer auf Roldán und dessen Umfeld sein, denn die verbreitete das Beweismaterial im Internet - ist ja auch eine stattliche Reklame für den Sänger. Für den Spieler weniger, es gibt Stimmen, die sagen, er habe seine jahrelange Arbeit in einer einzigen Nacht zerstört. War Ronaldo nicht der Musterprofi, der besonders hart trainiert und dem die Kollegen deshalb auch seine gelegentliche Egozentrik auf dem Platz durchgehen ließen?

Ein Teil der Spieler, die dem Gelage fernblieben – darunter alle spanischen Profis, Toni Kroos sowie Ronaldos Sturmkollegen Bale und Benzema – soll Medienberichten zufolge sehr unglücklich über die Durchführung der Veranstaltung gewesen sein. Im unfreundlichsten Fall könnte die Nacht also sogar eine Spaltung ins Team gebracht haben.

Ein Symbol der aktuellen Selbstverliebtheit

Dabei waren eigentlich alle eingeladen, und an einem unverfänglicheren Termin wären sicher auch alle gekommen. Wie der vorab informierte Verein die Party ausgerechnet für den Abend des Atlético-Spiels genehmigen konnte, muss jedoch schleierhaft bleiben. Als ob eine Niederlage dort nicht im Bereich des Kalkulierbaren gelegen hätte. Doch auch Trainer Carlo Ancelotti gab der Mannschaft bis Montagnachmittag frei – aus Rücksicht auf Ronaldo und die Festgäste, zu denen auch einige von Ancelottis Assistenten zählten? Für die enttäuschten Anhänger wirkt das alles etwas abgekartet; und allzu symbolisch für die Selbstverliebtheit, die ihre Spieler zuletzt auf dem Platz zeigten.

UMFRAGE
Große Party bei Real Madrid nach einer historischen Derby-Klatsche: Ist das okay?

Die Siegesserie, die Elogen, die Klub-WM – zu viel Erfolg? Streichelte Ronaldo nicht umsonst provokativ das Wappen des Klubweltmeisters, als er kürzlich in Córdoba vom Platz flog? "Du bist kein intelligenter Journalist", blaffte er am Samstag einen Reporter an, der sich noch einmal nach den Hintergründen der Geste erkundigen wollte. Derweil ein paar Meter weiter Kapitän und Torwart Iker Casillas auf die Frage nach seiner schlechten Figur bei Atléticos Führungstor entgegnete: "Mein Fehler? Warum?"

Ancelotti ist schockiert

"Schluss mit dem Gesang", titelte nun die Sportzeitung "Marca". Noch mag die Alarmsirene nicht auf maximaler Stufe rotieren, davor schützen der Champions-League-Titel des Sommers und die Führung in der Liga. Präsident Florentino Pérez sprach Ancelotti noch an der Kabinentür des Estadio Vicente Calderón das Vertrauen aus. Einige seiner Vizes sollen jedoch schon die Messer wetzen. Und der Trainer selbst zeigte sich auf der Pressekonferenz schockiert über die "anormale Lustlosigkeit" seiner Elf.

Neben Einstellungsfragen geraten jedoch auch einige Aspekte seiner fachlichen Arbeit ins Visier der Kritik. Atlético begegnete er am Samstag trotz zuvor fünf sieglosen Derbys ohne taktische Innovation – und wurde von seinem Gegenüber Diego Simeone erneut ausgecoacht.

Insbesondere seine Grundsatzposition zur "BBC", dem Sturmtrio Bale-Benzema-Cristiano, wird nicht mehr von allen geteilt. "Wenn sie fit sind, spielen sie immer", sagt Ancelotti. Das gefällt seinem spektakelorientierten Präsidenten, reduziert aber die strategischen Varianten auf das immergleiche 4-3-3-System.

Kroos ist nicht fit

Da die drei Stürmer zudem wenig nach hinten arbeiten und im Mittelfeld der verletzte Luka Modric vermisst wird, ist die Aufgabe für gegnerische Trainer gar nicht so schwer: Sie müssen bloß Überzahl im Zentrum schaffen und Spieleröffnungen von Toni Kroos verhindern. Der Deutsche ist physisch nicht in bester Verfassung, er hat diese Saison schon 2909 Spielminuten in den Knochen und damit über 200 mehr als der nächste Teamkollege (Torwart Casillas).

Trotzdem war er bei Atlético noch der engagierteste Real-Profi. Ihm fehlte jedoch ein Schutzschild. Sein Landsmann Khedira, in den letzten Monaten seiner Anstellung beim Klub, war es jedenfalls nicht.

Klar, nicht alle gegnerischen Trainer haben das Spielermaterial, um ihre theoretischen Erkenntnisse über die Verwundbarkeit Reals in der nötigen Qualität und Intensität anwenden zu lassen. Die meisten Spiele gewinnt Madrid so oder so.

Chance für Schalke 04?

Aber womöglich ist in der momentanen Verfassung und angesichts der Verletztenliste (Sergio Ramos, Pepe, Modric, James) der Prozentsatz der Selbstläufer etwas geringer als sonst – und womöglich wird jetzt sogar das vor einem Jahr noch nach allen Regeln der Kunst (6:1, 3:1) demontierte Schalke 04 zum ernsthaften Gegner. Bis zum Achtelfinal-Hinspiel der Champions League nächsten Mittwoch bleibt Real nur noch das Heimspiel am Samstag gegen Deportivo La Coruña, um den Kater vom Wochenende zu vertreiben.

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