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Süper Lig: Mario Gomez wechselt in eine Liga voller Probleme

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Nächster DFB-Stürmer in der Süper Lig  

Gomez wechselt in eine Liga voller Probleme

31.07.2015, 06:24 Uhr | t-online.de

Süper Lig: Mario Gomez wechselt in eine Liga voller Probleme. Mario Gomez genießt seinen Empfang in Istanbul. (Quelle: imago/Seskim Photo)

Mario Gomez genießt seinen Empfang in Istanbul. (Quelle: Seskim Photo/imago)

Von Julia Fischer

Weltmeister Lukas Podolski hat es getan, Hoffenheims Kapitän Beck ebenso - und nun auch noch Mario Gomez. Sie alle wechseln zur kommenden Spielzeit in die erste türkische Liga. Die Süper Lig ist so attraktiv wie nie: für Spieler, aber auch für Bundes- und Zweitligisten, die dort regelmäßig scouten. Die Faszination für den türkischen Fußball scheint zu steigen, dabei steuert die Liga einer handfesten Krise entgegen.

"Ich bin mir sicher, dass Lukas dort ein Stück Heimat finden wird", kommentierte Christoph Daum, der jahrelang als Trainer in der Süper Lig tätig war, den Wechsel von Podolski bei Sport1. Der Stürmer wagte als erster den Schritt wagte in die Türkei zu Galatasaray Istanbul. Dass es den 30-Jährigen in die Süper Lig zieht, wertet Daum keinesfalls als Karriererückschritt. Podolski "habe weiter absolut die Qualitäten, um sich in Istanbul durchzusetzen, aber auch sein Auftreten wird ihm da helfen. Wie er sich mit einem Verein identifiziert und mit den Fans kommuniziert, das wird dort zu seinem Vorteil sein."

Stadtrivalen sorgen für heftige Emotionen

Die Fanszene in der Türkei ist in jeder Hinsicht extrem. Außergewöhnlich emotional, oft aber auch sehr gewaltbereit. Besonders zwischen den Anhängern der "Drei Großen", zu denen auch Gomez neuer Klub Besiktas gehört, kommt es immer wieder zu Ausschreitungen. Die lokale Nähe, auch Fenerbahce und Galatasaray sind in Istanbul beheimatet, führt zu großer Rivalität.

Jubel in der Türkei 
Stürmischer Empfang für Mario Gomez

Der Deutsche wechselt auf Leihbasis vom AC Florenz zu Besiktas Istanbul. Video

Die Situation wird zusätzlich angeheizt, weil die Istanbuler Klubs regelmäßig die Meisterschaft unter sich ausmachen. Von 59 Titeln gingen 52 an einen der "Drei Großen". Die ewigen Kopf-an-Kopf-Rennen sorgen für Spannung, doch nicht selten haben sich die Fans, besonders bei Stadtduellen, einfach nicht im Griff.

Anschlag auf Fenerbahce-Bus

Im April wurde nach dem Spiel bei Caykur Rizespor auf den Mannschaftsbus von Fenerbahce geschossen. Sofort kam es zu Anschuldigungen und Verschwörungstheorien. Fener vermutete Rizespor oder Trabzonspor hinter dem Anschlag. Andere Klubs verdächtigten Fener, die Schüsse selbst abgefeuert zu haben, um Sympathien zu erlangen. In der Folge wurde ein ganzer Spieltag abgesagt.

Passolig: Sicherheit oder Kontrolle?

Dass es auch anders geht, zeigten die Anhänger nach einer Regierungssanktion. Da protestierten sie gemeinsam gegen eine Fankarte, boykottierten die Spiele. Die sogenannte Passolig soll zu mehr Sicherheit führen. Das Problem: Passolig ist eine Kreditkarte, dazu von einer Bank, der starke Regierungsnähe nachgesagt wird. Der Schwiegersohn von Präsident Erdogan ist der Vorstandsvorsitzende. Wer ein Spiel besuchen will, muss sich eine persönliche Karte ausstellen lassen, das gilt für Einheimische ebenso wie für Touristen und sogar Kinder. Die Passolig ist nicht nur mit zusätzlichen Kosten verbunden, sondern kann auch nur für einen Klub genutzt werden. Die Fans fühlen sich eingeschränkt und sehen in der Karte auch eine versteckte Überwachung durch die Regierung.

Die Konsequenz ist, dass viele Fangruppen nicht mehr in die Stadien gehen und die Spieler vor (beinahe) leerer Kulisse kicken. Und das in einer Liga, die mit ihren Zuschauerzahlen lange zur europäischen Spitze gehörte. Inzwischen liegen die Werte unter denen der 2. Bundesliga.

Ausländerbegrenzung neu geregelt

Weil die Regierung sich zunehmend in das sportliche Geschehen einmischt, scheint die Süper Lig in den Abgrund zu trudeln. Und die Fandiskussionen sind nur die Spitze des Eisbergs. Darunter liegen Korruptions- und Manipulationsvorwürfe und ein Haufen Schulden. Wegen der zunehmenden Probleme sprang zuletzt auch noch ein Sponsor der Liga ab und nahm seine Millionen gleich mit.

Dabei sollte die Liga auf europäischer Ebene endlich konkurrenzfähig werden. Dafür wurden Anfang des Jahres Regeländerungen vorgenommen. So wurde die Ausländerbegrenzung angehoben. Lange durften lediglich neun Nicht-Türken im Kader der Erstligisten stehen, nun sind es 14. Das heißt, die Hälfte aller Spieler darf aus dem Ausland kommen.

Mit Altstars richtig durchstarten

Diese Chance nutzte Galatasaray mit Podolski sowie Besiktas mit Gomez und Beck, Torku Konyaspor holte Alban Meha von Paderborn. Fenerbahce verpflichtete gar Superstar Robin van Persie von Manchester United.

Antalyaspor, ein Aufsteiger von der türkischen Riviera, will jetzt so richtig durchstarten. Der Klub wertete seinen Kader kürzlich mit Ronaldinho und Samuel Eto’o auf – "Barca reloaded" sozusagen. Und um dem neuen Image gerecht zu werden, wurden sogleich mehrere Langzeitziele ausgegeben: Meisterschaft, Champions League und Lionel Messi. In fünf Jahren, dann wenn der Argentinier 33 Jahre alt ist, will Antalyaspor ihn verpflichten. Mit den Top-Stars sollen auch die Zuschauerzahlen wieder steigen.

"Immer reizvoll"

Die Fans sind das Kapital. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes – durch die Boykotte seit Einführung der Passolig verlieren die Klubs Millionen. Geld alleine kann die Probleme der Süper Lig aber nicht beseitigen. Da ist die Verpflichtung von Fußballgrößen, auch wenn es in die Jahre gekommene sind, schon eher ein Mittel. Auch dass immer wieder Nachwuchstalente, wie RB Leipzigs Neuzugang Atinc Nukan aus ihr hervorgehen, steigert das Ansehen der Süper Lig. Hinter Enes Ünal, den sich Manchester City letztlich von Bursaspor schnappte, sollen gleich mehrere Top-Vereine unter anderem der FC Bayern her gewesen sein.

Die Süper Lig hat jede Menge Potenzial, bei Spielern, bei Klubs und bei den Fans. "Reizvoll ist die Süper Lig immer", betonte Aykut Civelek von der SpVgg Greuter Fürth im Interview mit "transfermarkt.de". Doch noch ist die Süper Lig davon entfernt mit Bundesliga, Premier League und Co. mithalten zu können. In der Fünfjahreswertung der UEFA belegt sie nur Platz elf. In den letzten 15 Jahren landete nur fünfmal ein türkischer Verein unter den Top acht in einem europäischen Wettbewerb.

Doch zumindest bei den "Drei Großen" tut sich gerade ordentlich was. "Das sind zum Teil schon spektakuläre Transfers, sie werden die Attraktivität der Liga ganz sicher steigern", sagte Leverkusens Roberto Hilbert (spielte drei Jahre bei Besiktas) bei Sport1. Die Süper Lig macht sich trotz aller Schwierigkeiten bereit für den Aufschwung. Gomez, Podolski und Co. möchten ihren Teil dazu beitragen.

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