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Estadio Centenario - Das Feld der Träume

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Estadio Centenario - Das Feld der Träume

26.05.2011, 12:47 Uhr | t-online.de

. Das Estadio Centenario: Spielstädte der ersten WM der Neuzeit. (Foto: imago)

Das Estadio Centenario: Spielstädte der ersten WM der Neuzeit. (Foto: imago)

Von Thomas Tamberg

Nur langsam hat sich Uruguay von seiner dunklen Phase erholt. Wer an einem beliebigen Samstagabend im Sommer die zu dieser Zeit kaum befahrene Hauptstraße Montevideos entlang geht, die Avenida 18 de Julio, der trifft unweigerlich in irgendeinem Park auf diese kleinen spontanen Tanztees. Blechern klingt aus dem Musikrekorder die Milonga, die traurige Unterform des Tangos. Rund ein Dutzend ältere Paare, meist weit in den 70ern, schieben sich Wange an Wange über den Platz. Und in ihren melancholischen Blicken scheinen sich schöne und schmerzhafte Erinnerungen an längst vergangene Tage mit der Dankbarkeit des gemeinsamen Moments zu vermischen.

Teil 1: Uruguay-Porträt: Lebensentscheidung Nacional oder Peñarol?
Teil 2: Uruguay-Porträt: Estadio Centenario - Das Feld der Träume
Teil 3: Uruguay-Porträt: "Schafft ihn fort, er bringt nur Pech"

Man ahnt, dass diesem Land mit seinen lebensfrohen Menschen auch viel Leid widerfahren ist. Diese Sehnsucht nach besseren Zeiten findet vor allem im Tango ihren Ausdruck. Neben Fußball ist dieser wohl leidenschaftlichste aller Paartänze, der seinen Ursprung im ausgehenden 19. Jahrhundert in den Hafenspelunken rund um den Rio de la Plata besitzt, die zweite große Leidenschaft der Uruguayos. Bis heute streitet man sich mit Argentinien, wer ihn nun wirklich erfunden hat.

Tee bei jeder Gelegenheit

Und wer nicht gerade tanzt in dieser beliebigen Nacht zwischen den Palmen, der sitzt auf der Parkbank, füllt sich aus seiner Thermoskanne heißes Wasser in ein Trinkgefäß und trinkt seinen Mate-Tee. Das Nationalgetränk Uruguays. Sein Konsum ist ein ebenso heiliges Ritual wie das Asado, auf Deutsch: Grillen. Beim Asado treffen sich Familie, Freunde und Nachbarn zum gemeinsamen Fleischverzehr und zum Austausch von Tratsch und Klatsch. Ihm kommt eine wichtige gesellschaftliche und soziale Bedeutung zu. Nicht nur in Uruguay, sondern nahezu überall in Südamerika. Für ein Asado nimmt man sich Zeit, so wie man sich in Uruguay für alles Zeit nimmt.

Das ist das Faszinierende und Besondere an diesem kleinen Land. Hier wird noch alles mit Muße erledigt. Stress ist weitestgehend ein Fremdwort. Neidisch blicken viele Einwohner aus der hektischen argentinischen Hauptstadt über den Rio del la Plata und bezeichnen das heutige Montevideo als das "Buenos Aires der 60er-Jahre". Viele prachtvolle, wenn auch stark restaurationsbedürftige Villen aus der Kolonialzeit unterstreichen dies ebenso wie die Autos auf den Straßen, die teilweise aus den Zwanzigern stammen. Hohe Einfuhrzölle machen den Import von PKW quasi unmöglich, so dass auch ein Chevrolet-Truck von 1950 im heutigen Uruguay ein richtig guter Transporter ist. Sogar Pferde und Esel kommen noch im Straßenverkehr zum Einsatz, auch wenn Montevideo natürlich seine modernen und pulsierenden Ecken hat.

Historisches Stadion mit großer Geschichte

In einer dieser Ecken liegt das Estadio Centenario. Wohl kaum ein anderes Stadion der Welt atmet so sehr Fußball-Geschichte wie das für 100.000 Zuschauer erbaute und heute noch 76.000 Zuschauer fassende, mitten in der Stadt gelegene Oval. Hier trägt die Nationalmannschaft ihre Heimspiele aus. Für die FIFA gehört es in die Top 10 der historischen Stadien der Welt. Es symbolisiere, so der Weltverband, "den Übergang von der Vergangenheit zur Gegenwart in der Welt des Fussballs". Das Centenario hat über 80 Jahre auf dem Buckel und wurde 1930 zur ersten offiziellen FIFA-Weltmeisterschaft erbaut. Erster offizieller Weltmeister in der langen Geschichte der FIFA wurde am 30. Juli 1930 Gastgeber Uruguay.

Dieser Tag bezeichnet das gefühlte Datum der wahren, emotionalen Nationwerdung Uruguays. Am 18. Juli 1830 gab sich Uruguay die erste Verfassung. Eine junge Nation war geboren. Das Estadio Centenario, das "Hundertjährige", sollte damals daran erinnern und ist heute das Monument schlechthin in Uruguay. Ehrensache, dass man sich zusammen mit Argentinien für die WM 2030 bewerben möchte. 100 Jahre nach dem ersten Titelgewinn und 200 Jahre nach Gründung des Staates Uruguay.

Eine Leidenschaft verbindet das ganze Land

Nachdem während der Kolonialzeit sämtliche Ureinwohner ausgerottet wurden, bestand Uruguay ausschließlich aus Einwanderern aus der alten Welt. Vor allem Spanier, Portugiesen und Italiener, aber auch Schweizer und Deutsche siedelten sich ab dem 16. Jahrhundert an. Und sie alle sollten sich nach 1830 plötzlich einer neuen Nation zugehörig fühlen, mit ihren eigenen Ritualen, Sitten und Gebräuchen? Das war unmöglich. Auch 100 Jahre später sah sich niemand als echter Uruguayo, sondern vielmehr immer noch dem Land seiner Eltern und Großeltern verpflichtet. Aber sie alle verband eine große Leidenschaft: Die Liebe zum Fußball.

Als bei den Titelkämpfen 1930 die uruguayische Nationalmannschaft, die nichts weiter als ein bunter Mix aus Nachfahren von Italienern, Spaniern und afrikanischen Sklaven und somit Spiegelbild der Gesellschaft war, mit einem 4:2-Sieg gegen Argentinien den WM-Titel gewann, überkam die Uruguayos erstmals in ihrer Geschichte ein großes „Wir-Gefühl“. Wir sind Weltmeister, die Besten der Welt. Seit diesem Tag bestand die Nation Uruguay nicht nur auf dem Papier, sondern auch in den Herzen der Menschen. In keinem anderen Land hat der Fußball eine solch große identitätsstiftende Rolle gespielt wie in Uruguay. Daher erklärt sich auch die bis heute immense Bedeutung des Fußballs in der uruguayischen Gesellschaft. Bei aller südamerikanischen Gelassenheit: Beim Fußball hört in Uruguay der Spaß auf.

Zum 3. Teil: Uruguay-Porträt: "Schafft ihn fort, er bringt nur Pech"

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