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Brasiliens WM-Chef Ricardo Teixeira wegen Krankheit beurlaubt

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Ungewisse Zukunft für WM-Gastgeber Brasilien

09.03.2012, 12:14 Uhr | dapd, sid, dpa

Brasiliens WM-Chef Ricardo Teixeira wegen Krankheit beurlaubt. Ricardo Teixeira, Präsident des brasilianischen Fußballverbandes CBF, bei einer Pressekonferenz in Rio de Janeiro. (Quelle: imago)

Ricardo Teixeira, Präsident des brasilianischen Fußballverbandes CBF, bei einer Pressekonferenz in Rio de Janeiro. (Quelle: imago)

Ist die WM 2014 doch in Gefahr? Ricardo Teixeira, Präsident des brasilianischen Fußballverbandes CBF, hat sich aus gesundheitlichen Gründen auf zunächst unbestimmte Zeit beurlauben lassen. Seit Wochen wird über den Rücktritt des unbeliebten Top-Funktionärs spekuliert, der sich seit Jahren gegen Korruptionsvorwürfe zu Wehr setzen muss. Sein Vize José Maria Marin soll übergangsweise das Amt des nicht gerade zu den großen Sympathie-Figuren des brasilianischen Fußballs zählenden CBF-Chefs übernehmen.

Dabei hat das Land des fünffachen Weltmeisters derzeit mehrere Baustellen zu bearbeiten. Mit Not und viel Diplomatie wurde gerade die größte Krise zwischen dem Gastgeber der WM 2014 und dem Fußball-Weltverband entschärft, die ausgelöst wurde durch unbedachte Worte des FIFA-Generalsekretärs Jerome Valcke. Der Franzose hatte den Organisatoren ob der tatsächlich schleppenden Vorbereitungen für die WM einen "Tritt in den Hintern" empfohlen und damit bei den stolzen Brasilianern ein Sturm der Entrüstung ausgelöst.

Blatter und Valcke entschuldigen sich

Doch die Kuh ist seit Kurzem vom Eis. Denn die Regierung nahm die Entschuldigungen von FIFA-Präsident Joseph Blatter und Valcke gnädig an. "Im Hinblick auf ihre Korrespondenz, ..., teile ich mit, dass ich Ihre Bitte um Entschuldigung im Namen der brasilianischen Regierung akzeptiere", schrieb Sportminister Aldo Rebelo an Blatter. Und auch Valcke würdigte der erst seit einigen Monaten amtierende Minister mit einem Zwei-Zeilen-Brief: "... Ihre Entschuldigungen wurden akzeptiert". Und dann stellte er Blatter noch eine "Audienz" bei Präsidentin Dilma Rousseff in Aussicht. Der Termin ist offen.

Teixeira darf offiziell drei Auszeiten nehmen

Zumindest Teixeira dürfte bei dem Besuch nicht zugegen sein. "Wenn es einem gesundheitlich nicht gut geht, muss man sich um die Gesundheit kümmern. Er hat um Beurlaubung gebeten", sagte derweil der Chef des Fußballverbandes von Sao Paulo, Marco Polo Del Nero, "Er hat keinen Zeitpunkt für seine Rückkehr genannt. Er wird sich einigen Untersuchungen unterziehen und dann zurückkehren", so del Nero weiter.

Teixeira, seit 1989 CBF-Präsident, soll nach Medienberichten an Divertikulitis, einer Erkrankung des Dickdarms, leiden. Die Auszeit darf zunächst maximal 60 Tage dauern. Dreimal kann der CBF-Präsident eine derartige Beurlaubung nehmen. Erst im Dezember und Januar hatte der 64-Jährige davon Gebrauch gemacht.

Medien spekulieren seitdem über seinen bevorstehenden Rücktritt. Teixeira hat wenig Rückhalt bei der Regierung und auch bei FIFA-Präsident Blatter ist er in Ungnade gefallen. Blatter hatte Ende vorigen Jahres angekündigt, möglicherweise Dokumente zu veröffentlichen, die Teixeira belasten könnten. Doch in Brasilien weiß man auch, dass der Zuschlag für die WM 2014 Teixeira zu verdanken ist.

Ex-Star Romario stänkert gegen Teixeira

Ein Abgang des Präsidenten dürfte dennoch für einige willkommen sein. Vor allen der Ex-Fußballstar und heutige Abgeordnete Romario fordert unermüdlich dessen Rücktritt. Unklar ist, ob sich der Fußball-Boss auch von seinen Funktionen als Präsident des WM-Organisationskomitees beurlauben lässt. Dort sitzt er gemeinsam mit den ehemaligen Stars Ronaldo und Bebeto im Aufsichtsrat. Den Großteil der Öffentlichkeitsarbeit für die WM 2014 hatte er vorher bereits an Ronaldo abgegeben.

Havelanges Erbe

Bislang wies Teixeira alle Gerüchte um einen endgültigen Abschied vom CBF-Posten zurück. Nach 23 Jahren und zwei Monaten an der Spitze eines der mächtigsten nationalen Fußballverbände kennt er alle Schliche. Auch dürfte er viel von seinem Ex-Schwiegervater Joao Havelange gelernt haben, der die FIFA 24 Jahre lang als Präsident mit eiserner Hand führte und heute deren Ehrenpräsident ist.

Beide sollen im Zuge des Korruptionsskandals um die 2001 in Insolvenz gegangene Sportvermarktungsagentur ISL Schmiergelder in Millionenhöhe erhalten haben. Beide wiesen die Anschuldigungen stets zurück.

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