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"Die deutschen Fußballtalente reichen auch für die Türkei"

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"Die deutschen Fußballtalente reichen auch für die Türkei"

16.08.2012, 14:28 Uhr

. Engin Firat während seiner Zeit bei LR Ahlen. Er ist einer von zwei Türken, die in der Bundesliga als Cheftrainer gearbeitet haben. (Quelle: dpa)

Engin Firat während seiner Zeit bei LR Ahlen. Er ist einer von zwei Türken, die in der Bundesliga als Cheftrainer gearbeitet haben. (Quelle: dpa)

Das Interview führte Thomas Tamberg

Profitiert die Türkei von der guten Ausbildung, die der DFB mittlerweile im Jugendfußball leistet?
Profitiert ist gar kein Ausdruck. Der türkische Fußball lebt im Moment von der guten deutschen Ausbildung. Im türkischen Fußball wird in der Jugendarbeit vieles falsch gemacht. Es gibt mittlerweile eine extrem hohe Prozentzahl an türkischen Spielern aus Deutschland in den türkischen Profi Ligen.

Interview Teil 1: Firat: "Deutsche Talente reichen auch für die Türkei"

Was genau läuft in der türkischen Nachwuchsarbeit schief? Kann Deutschland ein Vorbild sein?
Weil Jugendarbeit in den Medien nicht besonders präsent ist, legen die Vereine keinen Wert darauf. Da werden in der 1. Liga Millionen Euro für Altstars ausgegeben, aber ein Jugendtrainer bekommt nicht mal 400 Euro Gehalt. Da sehr wenig in die Jugend investiert wird, sind Trainingsbedingungen und das Know-how der Jugendtrainer generell nicht gut genug, um den Talenten eine angemessene Ausbildung zu geben. Die Verantwortlichen leben nur im Heute und die Zukunft ist ihnen egal. Show ist wichtiger als der Sport selbst. Daher kommt der türkische Fußball nicht voran.

Die Türkei bedient sich also in der deutschen Talentschmiede. Ist diese Entwicklung eher förderlich für das Miteinander des deutschen und türkischen Verbandes oder könnte das in naher Zukunft für Ärger sorgen?
Nein, das wird keinen Ärger geben, weil der deutsche Fußball so viele Talente fördert, dass es für beide Verbände reicht. Außerdem bilden ja vor allem die Vereine die Spieler aus und die Klubs profitieren ja immer davon. Manchmal ist es schon komisch, dass türkische Spieler, die in Deutschland nur in den Amateurmannschaften der Bundesligisten spielen, erst den Umweg über die Türkei nehmen müssen, um zu europäischen Top-Teams zu gelangen. Wie z.B. Ümit Davala und viele andere.

In den deutschen Jugend-Nationalteams tauchen immer mehr Spieler mit türkischen Wurzeln auf. Könnte es irgendwann für Joachim Löw zu einem Problem werden, wenn er zu viele Spieler mit Migrationshintergrund nominiert?
Natürlich nicht. Solange der Trainer alle auf ein Ziel hinarbeiten lässt, gibt es nicht mehr Probleme als mit Teams ohne Migranten. Frankreich wurde 1998 Weltmeister mit einem Team, das fast nur aus Migrantenkindern bestand.

Gibt es in der Türkei eine ähnliche Integrationsdebatte wie in Deutschland?
Nein, das liegt aber auch daran, dass die Türkei eher ein Einwanderungsland für deutsche Rentner ist. (lacht)

Die sogenannten Deutsch-Türken stehen zwischen den Stühlen. Sie werden in Deutschland nicht als Deutsche akzeptiert und in der Türkei nicht als Türken. Wie gehen die Jungprofis mit dieser Belastung um?
Die Jungprofis trifft es erst einmal nicht so sehr wie die Jugendlichen im normalem Leben. Als Profi hat man in der Gesellschaft eine Sonderstellung, besonders wenn man sportlich erfolgreich ist, dann lässt dich jeder in Ruhe. Egal wie du redest oder was du anziehst. Aber nach der Karriere fangen für viele Spieler diese Probleme plötzlich an.

Wie äußert sich das konkret?
Zwischen zwei Kulturen zu stehen und selber nicht zu wissen wohin man gehört, ist sehr schlimm für die jungen Menschen. Es ist im Prinzip eine Subkultur entstanden, irgendetwas zwischen den beiden Kulturen. Dazu gehört auch eine bestimmte Sprache, die gerne von den Jugendlichen benutzt wird. Sie befinden sich oft leider in einer immer weitergehenden Suche nach dem ‘Wer bin ich’. Auch ihre Eltern können ihnen nicht helfen, weil sie ein ähnliches Problem haben. Die Türkei hat sich stark verändert und ist nicht die Türkei wie vor 30 oder 40 Jahren. Die Eltern-Generation hat selbst Probleme sich in der modernen Türkei zurecht zu finden.

Werner Lorant, Kalli Feldkamp, Christoph Daum, Michael Skibbe, Joachim Löw um nur einige zu nennen, haben bereits in der Türkei gearbeitet. Welches Ansehen genießen deutsche Trainer am Bosporus?
Deutsche Trainer stehen international für Disziplin und haben dadurch in Ländern, in denen es gerade an dieser Tugend mangelt, hohes Ansehen. Aber der Trend geht eher in Richtung Trainer aus Spanien/Portugal, weil diesen mehr taktisches Können nachgesagt wird. Der Wert deutscher Fußballer ist international weit höher anzusiedeln als der Wert deutscher Trainer. Da muss man am Image arbeiten.

Umgekehrt arbeiten aber keine türkischen Trainer im deutschen Profibereich. Sie waren neben Mustafa Denizli die große Ausnahme. Woran liegt das?
Schwer zu beantworten. Grundlegend sind deutsche Vereine bezüglich Trainern sehr konservativ. Es wird immer auf das Alt-Bewährte zurückgegriffen. Dabei bringen gerade ausländische Trainer neue Gedanken und Ansichten mit, die den deutschen Fußball bereichern könnten. Die englische Premier League ist auch deshalb so gut, weil dort so viele ausländische Trainer aus verschiedenen Fußball-Kulturen arbeiten.

Das erklärt aber noch nicht die Tatsache, dass es bisher nur zwei türkische Trainer im deutschen Profi-Fußball gab.
Bei türkischen Trainern tun sich auch andere Aspekte auf. Ein türkischer Top-Trainer würde insbesondere in den dicht mit Türken besiedelten Gebieten viele Fans in die Stadien ziehen. Dadurch kommen automatisch türkische Sponsoren. Wenn man bedenkt, wie viele große Talente mit türkischen Hintergrund in Deutschland sind, so hätte jeder Verein in Deutschland mit einem türkischen Trainer höhere Chancen, diese Talente zum Verein zu locken. Aber können sie sich z.B. einen Berliner Bundesliga-Verein mit einem türkischen Trainer und ein, zwei türkischen Nationalspielern vorstellen? Die ganze Stadt würde in Bewegung kommen. Im positiven Sinne.

Ist es schwierig für türkische Trainer in Deutschland zu arbeiten?
Ja. Türkische Top-Trainer haben ja auch alle die UEFA Pro Lizenz und können in Deutschland in der Bundesliga arbeiten, aber sie bekommen keine Angebote. Es gibt viele gute türkische Trainer in Deutschland, aber nur in den Amateurligen.

Nach dem Ende Ihres Iran-Abenteuers als Co-Trainer der Nationalmannschaft von Ali Daei  ind sie derzeit ohne Engagement. Könnten Sie sich eine Rückkehr in den deutschen Profi-Fußball noch einmal vorstellen?
Deutschland ist immer reizvoll. Ich hoffe auch bald wieder in Deutschland zu arbeiten. Sowas kann man aber nicht planen. Meistens kommt es überraschend und schnell.

Interview Teil 1: Firat: "Deutsche Talente reichen auch für die Türkei"

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