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WM 2014: Lukas Podolski hält Pfiffe gegen Mario Gomez für unterste Schiene

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WM 2014  

Lahm und Podolski legen sich mit den Fans an

15.08.2013, 14:45 Uhr | sid

WM 2014: Lukas Podolski hält Pfiffe gegen Mario Gomez für unterste Schiene. Wort- und grußlos durch den Seitenausgang des Fritz-Walter-Stadions: Mario Gomez. (Quelle: imago/Team2)

Wort- und grußlos durch den Seitenausgang des Fritz-Walter-Stadions: Mario Gomez. (Quelle: Team2/imago)

Mario Gomez zog seine Baseball-Kappe tief ins Gesicht und suchte nur noch das Weite. Wort- und grußlos verließ der deutsche Nationalstürmer durch einen Seitenausgang das Fritz-Walter-Stadion und war in Gedanken wohl schon wieder bei seinem neuen Arbeitgeber AC Florenz, bei dem er vor vier Wochen wie ein Messias empfangen wurde.

Zeitgleich kritisierten DFB-Kapitän Philipp Lahm und Routinier Lukas Podolski in den Katakomben der Lauterer Arena die Fans der deutschen Nationalmannschaft, die Gomez nicht nur bei dessen Einwechslung gnadenlos ausgepfiffen hatten.

Lahm: "Das macht man nicht"

"Das ist unterste Schiene und hat nichts in einem Stadion zu suchen. Natürlich haben die Fans das gute Recht, sauer zu sein, wenn ihre Mannschaft schlecht spielt. Diese Kritik müssen wir uns auch gefallen lassen. Aber dass ein Mitspieler grundlos so ausgepfiffen wird, macht mich einfach nur traurig", sagte Podolski und legte damit den Finger in die Wunde.

Auch Lahm war nach dem Abpfiff fassungslos angesichts der Reaktionen auf den Rängen. "Die Zuschauer dürfen sich immer äußern. Sie bezahlen viel Geld und dürfen auch kritisch sein. Was ich nicht in Ordnung finde, ist, wenn Spieler der eigenen Mannschaft bei ihrer Einwechslung ausgepfiffen werden. Das gehört sich nicht. Das macht man nicht. Das ist nicht in Ordnung.", echauffierte sich der DFB-Kapitän, während Thomas Müller im Vorbeigehen lautstark beipflichtete: "Genau, Philipp, richtig so!"

"Diese Pfiffe kann ich überhaupt nicht verstehen"

Zuvor war Gomez wieder einmal die Zielscheibe frustrierter Fans gewesen, die sich den ehemaligen Münchner seit Jahren als Feindbild aufgebaut haben. Nachdem der 28-Jährige beim ersten Länderspiel der DFB-Auswahl in der WM-Saison gegen Paraguay (3:3) in der 54. Minute für den einstigen Lauterer Publikumsliebling Miroslav Klose eingewechselt worden war, schlug dem ehemaligen Münchner die blanke Abneigung entgegen. Mit einem ohrenbetäubenden Pfeifkonzert wurde Gomez niedergemacht, noch bevor er die erste Ballberührung hatte.

Lahm, der sich ebenso wie seine Kollegen am Montag beim öffentlichen Training in Mainz noch über die grandiose Unterstützung von rund 22.000 Fans hatte freuen dürfen, konnte sich nach dem Spiel kaum beruhigen: "Dass die Zuschauer mal pfeifen, wenn sie nicht zufrieden sind, das ist eben so. Aber diese Pfiffe gegen einen eigenen Spieler kann ich überhaupt nicht verstehen. Das kann die Mannschaft nicht akzeptieren. Das geht gar nicht. Und es ist mir wichtig, dass das auch gesendet und geschrieben wird."

Immer wieder von den eigenen Fans angefeindet

Für Gomez sind diese Anfeindungen in Deutschland nicht neu. Auch in Kaiserslautern war er schon einmal Zielscheibe der Fans. Im März 2011 setzte es bei einem 4:0 gegen Kasachstan gellende Pfiffe, als die damalige Reizfigur eingewechselt wurde. Das werde sich im August 2013 nicht wiederholen, hatte Gomez am Dienstag noch behauptet: "Jetzt spiele ich ja nicht mehr beim FC Bayern." Doch er irrte. Gomez polarisiert nach wie vor.

Ebenfalls 2011 wurde er in Mönchengladbach beim 1:2 gegen Australien bis zu seiner Auswechslung trotz seines Führungstreffers ausgepfiffen, zuvor wurde er jahrelang nach seinem Fauxpas im EM-Spiel 2008 gegen Österreich als Chancentod verspottet. 2009 bei seiner Einwechslung gegen die Elfenbeinküste (2:2) in Gelsenkirchen muss sich Gomez wie im falschen Film vorgekommen sein, als die Fans bei der Nennung seines Namens anfingen zu pfeifen.

Neuer hat Ähnliches erlebt

"Das ist eine gefährliche Entwicklung", mahnte Manuel Neuer. Der Trowart bekam selbst schon im vergangenen März in Nürnberg die Missgunst der eigenen Anhänger zu spüren, nachdem er beim 4:1 gegen Kasachstan den Gegentreffer verschuldet hatte. Hielt er einen Ball fest, gab es von den Rängen höhnischen Beifall. "Da muss man mit leben, aber sicherlich ist auch irgendwo eine Grenze erreicht. Denn man macht ja nicht absichtlich einen Fehler", sagte der 27-Jährige. Bundestrainer Joachim Löw betonte ebenfalls, dass die Reaktionen der Fans bei aller berechtigter Kritik "nie unter der Gürtellinie" sein dürften.

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