Startseite
Sie sind hier: Home > Sport > Fussball > WM 2014 >

Deutschland - Chile: Holpriger Sieg sorgt für Alarmstimmung

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Pfiffe und ein tobender Bundestrainer  

Holpriger Auftakt gegen Chile sorgt für Alarmstimmung

06.03.2014, 08:06 Uhr | t-online.de

Deutschland - Chile: Holpriger Sieg sorgt für Alarmstimmung. Bundestrainer Joachim Löw kann gegen Chile teilweise nicht hinsehen. (Quelle: dpa)

Bundestrainer Joachim Löw kann gegen Chile teilweise nicht hinsehen. (Quelle: dpa)

Aus Stuttgart berichtet Markus Polak

Mit nach hinten gedrehter Baseball-Kappe schoss Mesut Özil nach dem schmeichelhaften 1:0-Sieg der deutschen Nationalmannschaft gegen Chile wie ein Pfeil an den wartenden Journalisten vorbei. Fragen beantworten wollte der Mittelfeld-Star des FC Arsenal nicht. Kein Wunder. Mit einem gellenden Pfeifkonzert wurde er bei seiner Auswechslung in der 89. Minute von den rund 55.000 Zuschauern in der Stuttgarter Mercedes-Benz-Arena vom Spielfeld verabschiedet.

Doch nicht nur er allein bekam die Unzufriedenheit der Fans zu spüren, auch der Abpfiff der Partie wenige Minuten später wurde von zahlreichen Unmutsäußerungen begleitet. Eine Reaktion, die bei den deutschen Spielern nicht gut ankam. "Das ist eine Frechheit, das geht gar nicht. Man kann nicht immer glänzen", schimpfte beispielsweise Bayern-Profi Jerome Boateng.

Schwache Vorstellung 
Löw nach dem Dusel-Sieg gegen Chile

Der Bundestrainer versucht, die dürftige Leistung seiner Elf zu analysieren. Video

Zuvor hatte Özil maßgeblich zum einzigen deutschen Highlight des Spiels beigetragen. Seinen Querpass in der 16. Minute verwertete Mario Götze mit einem gefühlvollen Heber zum Tor des Tages. Was folgte, sorgte hingegen für Kopfschütteln bei den Fans und Alarmstimmung beim Bundestrainer. Wild gestikulierend verließ Joachim Löw immer wieder seine Coaching-Zone. Der 54-Jährige brüllte und tobte, denn was seine Mannschaft im ersten Länderspiel des WM-Jahres ablieferte, gefiel ihm überhaupt nicht.

Löw: "Müssen deutlich zulegen"

"Wir hatten viel Mühe, den Zugriff zu finden, es war unheimlich schwer. Wir hatten viele, viele Ballverluste und dann bekommt man Probleme. Heute waren wir nicht in der Lage, das Spiel dominant zu gestalten", sagte ein unzufriedener Bundestrainer. "Wir müssen in den nächsten Monaten deutlich zulegen."

Will man in Brasilien wirklich um den Titel mitspielen, ist eine Leistungssteigerung auch bitter nötig. Mit einer Vorstellung wie der gegen Chile dürfte die DFB-Elf kaum über das Achtelfinale hinaus kommen.

UMFRAGE
Wie schneidet Deutschland bei der WM in Brasilien ab?

Chile vergisst das Toreschießen

Dass die Südamerikaner nicht mehr den Ausgleich erzielten oder das Spiel sogar drehten, lag einzig und allein an ihrer fahrlässigen Chancenverwertung. Mit sehenswerten Ballstafetten und schnellem Kurzpassspiel, wie man es sonst nur von den Spaniern gewohnt ist, tauchten Arturo Vidal und Co. immer und immer wieder gefährlich vor dem deutschen Tor auf. Doch statt einfach mal drauf zu halten, verloren sich die Gäste in extravaganten Kabinettstückchen. Man hatte das Gefühl, dass die Chilenen den Zuschauern ein Bonbon der ganz besonderen Art präsentieren wollten – mit Sahne drauf und Schleifchen drum. "Bei 80 Prozent der Bälle haben wir zum Glück noch ein Bein dazwischen bekommen, bei den anderen 20 Prozent haben Manuel (Neuer, d. Red.) oder die Latte gerettet", sagte Per Mertesacker nach dem glücklichen Sieg.

Der vom Mittelfeld im Stich gelassene Innenverteidiger und sein Nebenmann Jerome Boateng wirkten zeitweise, als hätten sie Wurzeln geschlagen, so flink wurden sie vom starken Alexis Sanchez und dessen Mitspielern umdribbelt. "Sie haben kleine und quirlige Spieler. Das ist natürlich eklig", bilanzierte Mertesacker. Schwindelig sei ihm deshalb aber nicht geworden. Man habe aber ganz klar gesehen, "dass es Probleme gibt, wenn nicht ein Rädchen ins andere greift".

Gebrauchter Abend für Jansen

Das gilt auch für die linke Abwehrseite. Der Hamburger Marcell Jansen präsentierte sich bis zu seiner Auswechslung in der 24. Minute alles andere als stark, machte viele Fehler und lief in erster Linie hinterher. Mit einem Außenbandriss im linken Sprunggelenk fällt er nun obendrein erst einmal aus. In dieser Form dürfte er große Schwierigkeiten bekommen, ein WM-Ticket zu ergattern. Nicht viel besser zog sich der für ihn eingewechselte Dortmunder Marcel Schmelzer aus der Affäre. Der Borusse wirkte wie gehemmt und kam kaum in die Zweikämpfe. Die Position des linken Außenverteidigers ist und bleibt eine der großen Problemzonen der deutschen Elf.

"Zu viele Fehler gemacht" 
Selbstkritische Spieler nach dem Chile-Spiel

Nach dem enttäuschenden 1:0-Erfolg stellen sich Klose, Lahm und Löw der Presse. Video

Löws nächste Baustelle wartet im Angriff. Miroslav Klose hatte in seinen 45 Minuten Spielzeit lediglich 16 Ballkontakte und hing vollkommen in der Luft. Der Stürmer von Lazio Rom wirkte nach seinen Verletzungen der letzten Monate nicht richtig fit. Aber auch das kreative Zentrum um Özil lieferte wenig Erfrischendes. Entweder verzettelte sich der 25-Jährige in Dribblings oder spielte Sicherheitsbälle zum Nebenmann. Immerhin hatte er bei der Vorbereitung des 1:0 einen lichten Moment.

Ungewohnte Schwierigkeiten offenbarte auch das sonst so eingespielte Bayern-Trio Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Toni Kroos. Mit dem wuseligen und laufintensiven Spiel der Chilenen kamen sie überhaupt nicht zurecht. Die Folge waren Fehlpässe im Spielaufbau und nur wenige gewonnene Zweikämpfe. "Wenn so eine unorthodoxe Spielweise auf uns trifft, haben wir noch was zu tun. Die Chilenen haben quasi mit vier Stürmern gespielt, da muss man die eigenen Ballgewinne besser nutzen und das haben wir nicht gut gemacht", sagte Mertesacker über seine Vorderleute.

Lahm bleibt optimistisch

Dass es für die gesamte Mannschaft noch viel zu korrigieren gibt, weiß auch Kapitän Lahm, der mit der Leistung ebenfalls nicht zufrieden war. "Es ist aber auch nicht immer so leicht, wenn jeder aus seiner Mannschaft kommt und man nur zwei, drei Mal zusammen trainiert", resümierte er. Sorgen macht er sich im Hinblick auf Brasilien aber nicht: "Die Nationalmannschaft hat die Wochen vor so einem großen Turnier immer sehr gut genutzt." Und auch Mertesacker konnte dem Spiel durchaus Positives abgewinnen: "Das war eine gute Lehrstunde, für die Mentalität nicht schlecht", ergänzte der 29-Jährige.

Nicht vergessen darf man natürlich auch, dass mit Marco Reus, Thomas Müller, Mario Gomez, Mats Hummels, Benedikt Höwedes und Julian Draxler diesmal einige sonst nicht wegzudenkende Spieler nicht im Kader waren, die sich im Vollbesitz ihrer Kräfte durchaus berechtigte Hoffnungen auf einen Platz in der ersten Elf machen dürfen. Dennoch muss sich eine deutsche Mannschaft, wie sie gegen Chile auf dem Platz gestanden hat, deutlich besser verkaufen, als sie es letzten Endes getan hat.

Die heiße Phase ist nun jedenfalls eingeläutet. Die erste Erkenntnis: Auf den Bundestrainer und sein Team wartet noch viel Arbeit. Auf dem Programm stehen die vorläufige Kadernominierung am 8. Mai sowie Testspiele gegen Polen (13.5.), Kamerun (1.6.) und Armenien (6.6.). Am 7. Juni wird der DFB-Tross schließlich nach Brasilien reisen. Das erste Gruppenspiel bestreitet Deutschland dann am 16. Juni gegen Portugal. Und danach wird hoffentlich auch Mesut Özil wieder bereitwillig und mit einem Lächeln im Gesicht Interviews geben. 

Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Neue Kommentare laden
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Wahnsinn 
Cleverer Hund überwindet Gartenzaun mit Trick

Kaum zu glauben, wie der Hund es schafft zu seinen Freunden zu gelangen. Video

Anzeige

Shopping
Shopping
Jetzt EntertainTV Plus bestellen und 1 Jahr sparen!

EntertainTV Plus 1 Jahr statt 14,95 € für 4,95 €* mtl. sichern. www.telekom.de Shopping

tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de
Sport von A bis Z

Anzeige
shopping-portal