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Deutschland - Kamerun: Wenig Lichtblicke in Nationalmannschaft

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Erneut Pfiffe für Özil  

Viele Sorgen und wenig Lichtblicke in der DFB-Elf

02.06.2014, 08:01 Uhr | t-online.de

Deutschland - Kamerun: Wenig Lichtblicke in Nationalmannschaft. Erntete Pfiffe bei seiner Auswechslung: Nationalspieler Mesut Özil. (Quelle: imago/Jan Huebner)

Erntete Pfiffe bei seiner Auswechslung: Nationalspieler Mesut Özil. (Quelle: imago/Jan Huebner)

Aus Mönchengladbach berichtet Johann Schicklinski

Im Borussia-Park in Mönchengladbach herrschte Party-Stimmung. Dass die deutsche Nationalmannschaft beim 2:2 (0:0) gegen Kamerun viele Defizite offenbarte, störte eigentlich keinen der 41.250 Zuschauer. Gelungene Aktionen wurden gefeiert und die zahlreichen Fehler verziehen – schließlich hatte das DFB-Team ja gerade erst das Trainingslager in Südtirol hinter sich und dementsprechend Kredit bei den Fans.

Nur einer hat diesen offensichtlich aufgezehrt: Mesut Özil. Der Arsenal-Profi lieferte erneut eine ganz schwache Vorstellung in der Nationalelf ab. Seinem Auftrag, dem deutschen Spiel Struktur zu verleihen, kam er zu keiner Zeit nach. Und so erntete der 25-Jährige bereits während des Spiels vereinzelte Pfiffe, die sich bei seiner Auswechslung in der 64. Minute zu einem gellenden Pfeifkonzert ausweiteten.

Auch Joachim Löw war nach der Partie mit seinem Zehner alles andere als zufrieden. "Es hat nicht seinen besten Tag erwischt. Mesut hat sich ungewohnt viele Abspielfehler geleistet und seinen Rhythmus nicht gefunden", fand der DFB-Coach deutliche Worte. Der Bundestrainer wirkte angespannt – denn Özil ist nicht das einzige Thema, dass ihm zehn Tage vor Beginn der WM die Sorgenfalten auf die Stirn treibt. In der deutschen Mannschaft gibt es noch einige Baustellen.

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Déjà-vu für Özil

Özil ist eine davon. Der Zehner erlebte gegen Kamerun ein Déjà-vu. Bereits im März war er gegen Chile nach einer enttäuschenden Leistung ausgewechselt und ausgepfiffen worden, was damals für Unmut bei seinen Mannschaftskollegen und bei Nationalelfs-Manager Oliver Bierhoff gesorgt hatte.

In Mönchengladbach lieferte Özil nun erneut allen Grund zur Kritik. Was die Zuschauer zusätzlich auf die Palme brachte, war die Körpersprache des vermeintlichen Kreativspielers. Nach seiner vergebenen Hundertprozent-Chance bereits in der ersten Minute fiel Özil in altbekannte Muster zurück. Mit hängendem Kopf und ohne Körperspannung trabte er meist über den Platz – Verhaltensweisen, die Löw schon seit längerem missfallen und die er dem Deutsch-Türken austreiben will – bislang ohne Erfolg.

Löw: "Klose ist in einem Loch"

Auch die Besetzung im Sturmzentrum bleibt ein Problem. Gegen Kamerun spielte Mario Götze als sogenannte "falsche Neun" und zeigte eine maue Vorstellung. Er ließ sich oft weit zurückfallen und fehlte dann ganz vorne. Zudem entwickelte er – abgesehen von einem Pfostenschuss in der elften Minute – nur wenig Torgefahr. Ein echter Mittelstürmer wäre dagegen Miroslav Klose, doch um dessen Fitness ist es kurz vor dem Turnier in Brasilien anscheinend nicht gut bestellt. "Er ist in einem körperlichen Loch", bestätigte Löw nach dem Match gegen die Afrikaner. "Man hat ihm die Anstrengungen der letzten Wochen zuletzt deutlich angemerkt."

Im Hinblick auf die WM, wo teilweise extreme Temperaturen und eine hohe Luftfeuchtigkeit herrschen werden, sind Kloses Startelfchancen zumindest für den Beginn des Turniers nicht allzu hoch. Auch wenn der Bundestrainer sich auf Nachfrage in Durchhalteparolen flüchtete: "Bis zum ersten Spiel gegen Portugal sind es ja noch ein paar Trainingseinheiten. Ich bin guter Dinge, dass Miro vollständig fit ins Turnier gehen wird."

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Eine Alternative als echter Stürmer wäre nur der unerfahrene Kevin Volland. Das Experiment mit der "falschen Neun" hat in der Nationalelf indes gegen starke Gegner noch nie zu 100 Prozent funktioniert – egal, ob Götze, Özil oder Thomas Müller in die Rolle als Sturmspitze geschlüpft waren. Während es gegen "kleinere Gegner" aufging, stand die deutsche Elf damit gegen stärkere Fußballnationen wie die Niederlande oder Italien auf verlorenem Posten.

Sorgen auf der Sechs

Auch in der Mittelfeldzentrale hat Löw noch keine Stammbesetzung gefunden. Gegen Kamerun bildeten Sami Khedira und Toni Kroos die Doppelsechs, im deutschen 4-2-3-1-System sollten sie als Taktgeber fungieren, die eigenen Angriffe initiieren und die gegnerische Offensive frühzeitig ausbremsen. Eine Aufgabe, der sie gegen die Afrikaner nur teilweise gewachsen waren. Khedira, erst vor wenigen Wochen nach seinem im letzten November gegen Italien erlittenen Kreuzbandriss auf den Platz zurückgekehrt, mangelt es sichtbar an Spielpraxis und auch an Spritzigkeit.

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"Sami ist noch nicht bei einhundert Prozent"

"Es ist normal, dass Sami noch nicht bei einhundert Prozent ist", sagte der Bundestrainer. "Das kann man auch nicht erwarten." Bei allem Einsatzwillen: Ob Khedira bis zum WM-Start zumindest annähernd topfit sein wird, darf zumindest bezweifelt werden. Sein Partner Kroos zeigte indes gegen Kamerun eine lethargische Vorstellung und leistete sich ungewohnte Fehlpässe. Ein Bewerbungsschreiben war seine Vorstellung nicht, doch auf der Sechs fehlen Löw die Alternativen.

Bastian Schweinsteiger laboriert weiterhin an seinen Knieproblemen und ist von der Bestform wohl noch weiter entfernt als Khedira. Ilkay Gündogan fehlt seit letzten August und musste die WM bereits frühzeitig abschreiben. Lars Bender hat sich im Trainingslager in Südtirol verletzt und muss passen. Für den Gladbacher Christoph Kramer kommt das Turnier wohl noch zu früh. Bleibt die Option mit Philipp Lahm, der Kapitän ist allerdings eher als rechter Verteidiger eingeplant.

Probleme mit Kameruns Taktik

Auch die Abstimmung zwischen den Mannschaftsteilen stimmte gegen Kamerun nicht. Die Afrikaner verteidigten bei Ballbesitz für Deutschland neben der Vierer-Abwehrkette mit einer zusätzlichen Fünferkette noch in der eigenen Hälfte. Lediglich Superstar Samuel Eto’o war von der Abwehrarbeit befreit. So hatte die DFB-Elf zwar mehr Ballbesitz, konnte aber kaum Raumgewinn verzeichnen und fand die Lücke zu selten. Oft wurde es in der Nähe des gegnerischen Strafraums zu eng und es kam zu einem Ballverlust. Bedingt durch die eigenen Fehlpässe taten sich immer wieder große Lücken auf, was die Afrikaner für ihre gefährlichen Angriffe zu nutzen wussten.

"Ein so unseriöses Passspiel dürfen wir uns nicht erlauben, denn uns hat die Kompaktheit gefehlt", monierte Löw. "So sind wir immer wieder in Konter gelaufen." Abwehrchef Per Mertesacker pflichtete seinem Trainer bei: "Über weite Strecken haben wir es nicht gut gemacht. Sobald wir die Bälle schnell verlieren, kriegen wir gegen jede Mannschaft der Welt Probleme."

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Sonderlob für Durm

Doch es gab auch Lichtblicke im DFB-Team. So zeigten mit Jerome Boateng und dem Debütanten Erik Durm beide Außenverteidiger eine gute Leistung. Während Boateng den Treffer von Müller zum zwischenzeitlichen 1:1 (66. Minute) vorbereitete, sammelte Durm als 72. Neuling der Löw-Ära durchaus Argumente für ein Brasilien-Ticket. Mit einer unaufgeregten und gewissenhaften Vorstellung erfüllte der Dortmunder als Linksverteidiger den Auftrag seines Trainers. "Er hat seine Sache gut gemacht", lobte ihn Löw nach dem Spiel.

Auch die eingewechselten Lukas Podolski und Andre Schürrle zeigten, dass sie Alternativen für die Anfangself sind und den Spielern vor ihnen Druck machen. Zudem bestätigte Marco Reus seine starke Form aus den vergangenen Monaten.

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Am Ende schwankte die Stimmung nach Abpfiff in Mönchengladbach zwischen Hoffen und Bangen. Trotz aller Fehler waren die Protagonisten bemüht, das Positive aus dem 2:2 mitzunehmen. "Wir haben uns schlechter verkauft, als wir sind und uns das Leben selber schwer gemacht. In Brasilien werden wir unsere Leistung abrufen", prophezeite Müller, während Schürrle die Stimmung in der Mannschaft beschwor: "Ich bin sicher, wir werden bei der WM anders zu Werke gehen als heute. Der Teamgeist stimmt, wir haben uns im Trainingslager zusammengeschweißt."

Der Bundestrainer setzt indes weiterhin auf den Faktor Zeit: "Ich bin überzeugt, dass wir bald in einer viel besseren Verfassung sind." Und auch für den ausgepfiffenen Özil hat Löw Hoffnung: "Er braucht noch zwei Wochen, dann werden wir bei der WM einen starken Mesut sehen."


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