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England ist mit seinen Ansprüchen vor der WM 2014 bescheiden geworden

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Umbruch bei den Three Lions  

England gibt sich vor der WM bescheiden

03.06.2014, 06:45 Uhr | t-online.de

England ist mit seinen Ansprüchen vor der WM 2014 bescheiden geworden. Muss Wayne Rooney seinen Platz im Team der Three Lions für Daniel Sturridge räumen? (Quelle: imago/BPI)

Muss Wayne Rooney seinen Platz im Team der Three Lions für Daniel Sturridge räumen? (Quelle: imago/BPI)

Aus England berichtet Marc L. Merten

Ein Schneeball in der Hitze Brasiliens, der allen äußeren Einflüssen trotzt und immer weiter wächst: Das will England bei der WM 2014 sein. Die vielleicht schwerste Vorrunden-Gruppe überwinden, den Unkenrufen aus der Heimat trotzen, die Nation wieder stolz machen: Auch das will England bei der WM an der Copacabana. Es müsste noch nicht einmal der Titel herausspringen. Nicht ansatzweise. Denn das Mutterland des Fußballs ist bescheiden geworden.

Dabei ist die Rechnung eigentlich ganz einfach. Ich weiß nicht, wie häufig sie mir in den letzten Wochen von wildfremden Menschen in irgendwelchen Pubs vorgerechnet worden ist: Im Jahre 1966 gewann Real Madrid den Pokal der Landesmeister, Stadtrivale Atletico die spanische Meisterschaft, in England stieg der FC Fulham ab, im FA-Cup-Finale drehte ein Team einen 0:2-Rückstand in einen Sieg und Österreich gewann den Eurovision Song Contest. Im Jahre 2014 hat sich all dies wiederholt. Fußball-Weltmeister 1966 wurde, klar, England. Wer braucht da noch Krake Paul, wenn sich Historie ganz offensichtlich zu wiederholen scheint?

"Niemand glaubt, dass wir den Titel holen"

Und wenn dann auch noch Genie Stephen Hawking berechnet, dass es eigentlich nur rote Trikots, ein 4-3-3 als Spielsystem, einen europäischen Schiedsrichter und blonde Elfmeterschützen braucht, um den Titel zu holen, hat Englands Coach Roy Hodgson eigentlich alle Zutaten für den Coup in Brasilien zusammen. Zumal England selbst Elfmeterschießen nicht mehr fürchten muss, seit die heimische U17 erst kürzlich in eben jenem Shoot-out den EM-Titel holte.

Doch statt über Chancen auf den Titel zu sprechen, lautet einer der meistgenutzten Begriffe dieser Tage, um den Zustand der englischen Nationalmannschaft zu beschreiben: Transition. Es ist beinahe kaum zu glauben, aber man scheint sich eingestanden zu haben, dass die Three Lions nicht mehr das sind, was sie glaubten, einst gewesen zu sein: einer der Großen im Fußball. "Im Ernst, niemand glaubt wirklich, dass wir den Titel holen können", sagte Greg Dyke. Viel mehr, so der Verbandspräsident, habe man erkannt, dass es eines Übergangs bedürfe, eines Generationswechsels.

Diese Spieler rücken in den Fokus

Den hat Hodgson nun eingeleitet. Spieler wie John Terry, Ashley Cole, Michael Carrick und Jermain Defoe sind nicht mehr dabei. Frank Lampard darf nur noch einmal mit, weil der Führungsspieler als wichtiges Bindeglied zwischen Trainer und Mannschaft gilt. Sportlich wird ihm kaum noch Bedeutung beigemessen. Anders sieht das bei den jungen Wilden aus. Acht Spieler sind 23 Jahre oder jünger, neun Spieler haben zehn oder weniger Länderspiele absolviert. Besonders gespannt ist man in England auf Luke Shaw (18), Ross Barkley (20) und vor allem Raheem Sterling (19). Der pfeilschnelle Angreifer des FC Liverpool, von Hodgson in den höchsten Tönen gelobt, darf sich berechtigte Hoffnungen auf einen Startelf-Einsatz im ersten WM-Spiel gegen Italien machen.

Es erinnert alles ein wenig an den Umbruch, der in Deutschland am Ende der Völler-Ära und am Anfang der Klinsmann/Löw-Ära eingesetzt hatte. Langsam aber sicher entfernt man die Relikte alter Zeiten, um jüngere, talentiertere Spieler heranzuführen, selbst wenn sie eigentlich noch nicht so weit sind oder sich auf der internationalen Bühne bewiesen haben – so wie Adam Lallana, Jordan Henderson, Leighton Baines und Daniel Sturridge. Besonders Letztgenannter glänzte in dieser Saison mit 22 Toren für den FC Liverpool und gilt als das größte Versprechen im englischen Kader für das bevorstehende Turnier.

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Rooney und Özil haben das gleiche Problem

Ganz im Gegensatz zu Wayne Rooney: Der Superstar zeigte zuletzt beim Test gegen Peru (3:0), warum sich an ihm in England die Geister scheiden wie in Deutschland an Mesut Özil. Hochbegabt, ja, aber zu häufig lustlos, uninspiriert, lethargisch. Seit seinen vier Toren als 18-Jähriger bei der EM 2004 setzt die englische Öffentlichkeit alle zwei Jahre (außer 2008 bei der verpassten EM natürlich) alle Hoffnungen in den Stürmer – und wird enttäuscht. "Dieses Land ist von Rooney besessen", kritisierte Hodgson. Doch auf die Bank setzen wird er ihn trotzdem nicht. Denn auch Hodgson hofft, dass ihm sein Stürmer das Vertrauen irgendwann zurückzahlt.

Während es lange Zeit allerdings kaum eine ernsthafte Alternative zu Rooney gab, tun sich im jetzigen Kader endlich neue Möglichkeiten auf. Gegen Peru krankte es am Tempo, was vor allem an Rooney lag. Wagt sich Hodgson nun also an das Idol heran? Er ließ bereits anklingen, dass die Plätze in der Offensive noch nicht vergeben sind. In der Defensive "haben wir eindeutige Vorstellungen", sagte Hodgson. "Aber wenn wir an Steven Gerrard vorbei nach vorne schauen, haben wir fünf weitere Plätze zu vergeben und viele Optionen." Gegen Italien wird Rooney auflaufen. Das gilt als sicher. Doch sollte er erneut enttäuschen, droht ihm gegen Uruguay und Costa Rica die Bank. "Die Zeit des Unantastbaren ist vorbei", titelte bereits der "Mirror".

Wann erwacht England aus der Lethargie?

Hodgson hat Rooney immer unterstützt. Doch es scheint die Zeit – und der Mentalitätswechsel – gekommen, dass selbst an den größten Institutionen in der englischen Nationalmannschaft gerüttelt wird. Die WM mag nicht mit dem Titel enden, doch die Fans hoffen auf ein neues Gesicht der Three Lions. Die Mannschaft soll endlich aus ihrer jahrelangen Lethargie erwachen. Dafür hat Hodgson so viele junge, frische Spieler mitgenommen. Ihnen würde die Öffentlichkeit sogar verzeihen, früh, ja gar in der Vorrunde zu scheitern. Es würde den Übergang wohl sogar noch beschleunigen.

Sollte England jedoch die Gruppenphase gegen die starke Konkurrenz überstehen, dann könnte eine andere Beschleunigung einsetzen. Kapitän Steven Gerrard nannte es den "Schneeballeffekt": mit Erfolg, Begeisterung, jungen Spielern und dem nötigen Quäntchen Glück doch noch weit kommen bei der WM. Das Hoffen auf einen Schneeball im brasilianischen Sommer – ab dem 15. Juni soll er Form annehmen.

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