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Interview mit Bundestrainer Joachim Löw: "Habe noch nicht vom Pokal geträumt"

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Der Bundestrainer spricht  

Löw: "Habe noch nicht vom Pokal geträumt"

04.06.2014, 11:33 Uhr | sid

Interview mit Bundestrainer Joachim Löw: "Habe noch nicht vom Pokal geträumt". Bundestrainer Joachim Löw fiebert der WM entgegen. (Quelle: imago/Schwörer Pressefoto)

Bundestrainer Joachim Löw fiebert der WM entgegen. (Quelle: Schwörer Pressefoto/imago)

Nur noch acht Tage, dann startet die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Auch bei Joachim Löw steigen Vorfreude und Anspannung, doch bei seinem vierten Turnier als Bundestrainer steht der 54-Jährige auch unter Druck: Fast ganz Fußball-Deutschland erwartet den vierten Titel von der Nationalmannschaft.

Vor dem letzten Testspiel der Deutschen gegen Armenien (Freitag ab 20.30 Uhr im Liveticker von t-online.de) hat Löw mit dem SID über seine Ziele und Wünsche für die WM gesprochen, über die Konkurrenten beim Kampf um den Pokal und über sein vermeintliches Sorgenkind Mesut Özil.

Wie muss das Turnier verlaufen, damit Sie am Ende zufrieden sind?

UMFRAGE
Wie weit kommt die deutsche Nationalmannschaft bei der WM in Brasilien?

Löw: "2010 sind wir nicht Weltmeister geworden, aber die Art und Weise, wie die Mannschaft dort aufgetreten ist, hat in Deutschland viele Menschen begeistert. Wenn ich nur an die Bilder denke, welche Wahnsinns-Stimmung nach den Spielen gegen England oder Argentinien herrschte. Wenn wir es schaffen, dieses Gefühl wieder aus der Ferne nach Hause zu schicken, dann werden wir uns alle freuen."

Wie oft haben Sie dieses Turnier schon durchgespielt? Und haben Sie vielleicht sogar schon mal vom Pokal geträumt?

"Ich beschäftige mich nachts auch manchmal mit Aufstellungen, Verletzungen oder Spielen. Aber so richtig vom Pokal geträumt habe ich noch nicht."

Die Spanier haben lange auf einen Titel gewartet, dem ersten folgten dann direkt zwei weitere. Glauben Sie, dass sich für Ihr Team mit dem Turniersieg auch solch ein Knoten lösen könnte?

"Das muss nicht die Regel sein. Es ist bei jedem Turnier wieder aufs Neue schwierig, sich zu behaupten. Die Spanier haben derzeit eine überragende Generation. Sie haben lange auf den Titel gewartet, aber sie hatten auch noch nie eine so gute Mannschaft wie seit 2008. Dass man drei Titel in Folge gewinnt, ist sehr ungewöhnlich, zumal es auch meist Veränderungen im Gefüge einer Mannschaft gibt. Die Spanier konnten bei allen Turnieren mit nahezu derselben Mannschaft antreten. Daran, dass das anderen Mannschaften gelingt, darf man deshalb berechtigte Zweifel haben."

Viele Leistungsträger Ihrer Mannschaft sind schon um die 30. Wie wichtig wäre es für die Generation Lahm/Schweinsteiger/Podolski oder gar für den bald 36-Jährigen Miroslav Klose, einen Titel mit der Nationalelf zu holen?

"Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm haben die Champions League und viele nationale Titel gewonnen. Sie haben schon über 100 Länderspiele und so viel Positives für den deutschen Fußball getan. Miroslav Klose spielt bereits sein viertes Turnier, das schaffen nur ganz wenige. Sie alle haben jetzt schon phänomenale, großartige Karrieren hingelegt. Aber ein Weltmeistertitel wäre natürlich die Krönung, sozusagen das i-Tüpfelchen."

Sie haben schon oft auf die besonderen Bedingungen in Brasilien hingewiesen. Die kann man aber nicht simulieren. Wie gut vorbereitet sind die Spieler auf das, was Sie vor Ort erwartet?

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"Wir haben ihnen viele Informationen an die Hand gegeben. Aber sie müssen es erst einmal vor Ort spüren. Wir müssen Brasilien auch erleben, deshalb fliegen wir frühzeitig hin. Vor Ort werden wir die Wettkampfsituation simulieren, indem wir mal in der Mittagshitze trainieren oder zu den Anstoßzeiten der Spiele. So können wir uns Stück für Stück an die Besonderheiten gewöhnen."

Sie haben insgesamt zwölf Spieler von Bayern München und Borussia Dortmund im Kader. Welchen Vorteil könnte die Blockbildung haben - auch vor dem Hintergrund, dass Spanien seine drei Titel vor allem mit Spielern von Real Madrid und des FC Barcelona geholt hat?

"Wenn man Blockbildung hat, ist das kein Nachteil für uns, sondern kann und wird gut sein. Aber es ist keine zwingende Voraussetzung. Für mich stehen die Qualitäten der einzelnen Spieler und das Anforderungsspiel für die jeweilige Position über der Blockbildung."

Gibt es einen deutschen Spieler, dem Sie zutrauen, der große Star dieser WM zu werden?

"Da gibt es nicht nur einen. Ich kann mir bei mehreren vorstellen, dass sie eine Hauptrolle spielen. Zuerst denkt man natürlich immer an offensive Spieler, aber es kann auch ein Defensivspieler zur ganz großen Entdeckung werden."

Sehen Sie Marco Reus nach seinen überragenden Leistungen zuletzt in Dortmund auch in der Nationalelf für die Zentrale vor - oder doch eher für seine ursprüngliche Position links offensiv?

"Er kann beides. Bei uns hat er zumeist links gespielt, da waren wir immer sehr zufrieden. Ein Spieler mit seinen Fähigkeiten kann aber immer auch zentral spielen. Nur in allervorderster Front kommt er meiner Einschätzung nach nicht so gut zur Geltung. Für ihn ist es besser, wenn er etwas aus der Tiefe kommen kann. Zentral ja, aber nicht als alleinige vorderste Spitze, sondern dahinter.

Ist Mesut Özil nach seiner durchwachsenen Saison eines Ihrer Sorgenkinder?

"Sorgen habe ich mir gemacht, als er verletzt war. Aber nicht um seine Leistung, weil ich weiß, dass er Unglaubliches leisten kann. Das müssen wir rauskitzeln, dann ist er ein Spieler, der den Unterschied ausmachen und Spiele entscheiden kann."

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