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WM 2014: Die WM-Moderatoren im Check

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WM-Moderatoren auf dem schmalen Grat zwischen Besserwisserei, Klamauk und Analyse

12.06.2014, 11:06 Uhr | Maria M. Held, t-online.de

WM 2014: Die WM-Moderatoren im Check. Wer nervt, wer begeistert? ZDF-Experte Oliver Kahn, ARD-Experte Mehmet Scholl, ARD-Moderator Reinhold Beckmann, ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein, ARD-Moderator Gerhard Delling, WDR-Hörfunkreporterin Sabine Töpperwien, ZDF-Kommentator Bela Rethy, ARD-Moderator Matthias Opdenhövel (von links nach rechts) (Quelle: imago)

Wer nervt, wer begeistert? ZDF-Experte Oliver Kahn, ARD-Experte Mehmet Scholl, ARD-Moderator Reinhold Beckmann, ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein, ARD-Moderator Gerhard Delling, WDR-Hörfunkreporterin Sabine Töpperwien, ZDF-Kommentator Bela Rethy, ARD-Moderator Matthias Opdenhövel (von links nach rechts) (Quelle: imago)

"Manche Spieler sollte man vor so ein Mikrofon gar nicht erst lassen". Warum auch für die Sportexperten der Fernsehsender die WM 2014 in Brasilien ein Wagnis ist und solch ein Ereignis immer wieder ein neues Experiment mit ganz spezieller Dynamik ist, weiß der Medienexperte Professor Michael Schaffrath: Hardcorefans und Eventgucker, Experten und Ahnungslose, Junge und Alte - sie alle wollen informiert und unterhalten werden: Analyse, Einschätzung, Unterhaltung. Dieser Mix ist ein wahres Minenfeld. Denn jeder Zuschauer wird zum Bundestrainer und jeder weiß es besser. Was nervt Sie am meisten? Welchen Moderator können Sie gar nicht leiden, welchen mögen Sie am meisten? Stimmen Sie ab!

Professor Michael Schaffrath hat für uns das sichere Feld der empirischen Studien verlassen und wagt ein bisschen "Kaffeesatzlesen".

Der Kommunikationswissenschaftler weiß, warum manche TV-Sportprofis nerven und manche genau den richtigen Ton finden. Und warum es Frauen in dieser Männerwelt so schwer haben. Alles mit der Einschränkung: "Fragen Sie mich nach der WM noch mal." Im ersten Teil unseres Telefon-Interviews erklärt Schaffrath, was in der WM-Berichterstattung am meisten nervt, im zweiten Teil, warum Fußball-Kommentatorinnen wenig Chancen haben, kompetent zu wirken, obwohl sie es definitiv sind.

t-online.de: Die Sender bieten im Studio immer ein Gespann aus Journalist und Experten - bewährt sich dieses Konzept?
Professor Michael Schaffrath: Das Modell, mit Co-Kommentator oder Experten zu arbeiten gibt es seit der WM 1990. Da war es Karl-Heinz Rummenigge an der Seite von Heribert Faßbender oder Gerd Rubenbauer in Rom, als Deutschland Weltmeister wurde. Günter Netzer war einer der ersten, der 1998 mit Gerhard Delling bei der WM in Frankreich dieses System des Co-Moderators erst salonfähig gemacht hat. Vor 16 Jahren war das eine ganz neue Farbe, das war etwas Innovatives. Das Zusammenspiel der Beiden war so gut, dass sie den Grimme-Preis dafür erhalten haben. Das hat sich dann aber irgendwann in dieser Personalkonstellation wieder überlebt. Es war eine richtige Entscheidung der ARD, nach über zehn Jahren die Protagonisten auszutauschen.

Was suchte man danach?
Sowohl auf der Seite der Moderatoren als auch der Experten, also Beckmann oder Opdenhövel oder Delling mit Mehmet Scholl  - jüngere Leute, die noch näher dran sind. Ich denke, es ist ein Stilelement, das sich über die letzten Jahre ein Stück weit bewährt hat. Spontan fällt mir noch die Zusammenarbeit beim ZDF mit Kerner und Klopp ein, die als Gegenstück zu Delling und Netzer sehr, sehr frisch und jung daherkamen.

UMFRAGE
Was nervt Sie bei den WM-Moderatoren und Reportern am meisten?

Kann man denn benennen, was der wichtigste Part ist: Analyse, Unterhaltung oder Information?
Das ist abhängig von der Sicht des Publikums. Bei solchen Großsportereignissen haben wir auch viele Zuschauer, die sich sonst für Fußball wenig interessieren, besonders viele Frauen, darauf muss man sich natürlich einstellen. Wir werden ja alle vor dem Fernsehgerät zu kleinen Bundestrainern und glauben, vieles genauer zu sehen als die Verantwortlichen vor Ort. Die TV-Journalisten werden es nie 100 Prozent der Zuschauer Recht machen können. Deshalb müssen die ihre Authentizität, ihre Kompetenz einbringen, glaubwürdig bleiben, und dann werden die auch ihr Publikum erreichen.

Deshalb hört man wohl auch oft, die reden zu viel oder da ist zu viel Video-Analyse?
Ich glaube, dass man ein normales Länderspiel anders moderieren muss als ein Spiel der WM, weil wir eine andere Publikumszusammensetzung haben. Natürlich soll das Analytische auch einen Raum haben, aber die Frage ist ja, wie viel an Raum ist produktiv und wie viel ist kontraproduktiv? Wenn die Analyse eben sehr fachorientiert ist, dann muss man damit rechnen, dass dann ein bestimmter Teil des Publikums aussteigt, wenn über Doppelsechs oder die falsche Neun diskutiert wird. Darüber muss sich eine Redaktion im Vorfeld einer WM Gedanken machen: Wie gehen wir damit um? Kann man bestimmte Dinge als bekannt voraussetzen oder hat man ein Publikum, bei dem man sagt, dies müssen wir sehr präzise erklären.

Gibt es denn Dinge, von denen man sagen kann, die nerven den Zuschauer am allermeisten?
Dazu gibt es kaum empirische Studien, da müsste ich mich jetzt als Wissenschaftler auf Spekulationen einlassen. Ein hartnäckiger Vorwurf lautet ja, es werde zu viel geredet in der Kommentierung. Die Plastizität des Bildes ist unschlagbar, da muss der Kommentator eben wissen, wann er seine Stimme erheben muss, wann der Zuschauer die Führung und Einordnung durch ihn braucht. Aber der TV-Zuschauer braucht sicherlich nicht das klassische Meier auf Müller, Müller auf Schulze, Schulze schießt Tor. Das sieht der Zuschauer doch selbst.

Das Zweite, was das Publikum nicht besonders mag, ist, wenn der Eindruck vermittelt wird, dass nur Kommentatoren oder Moderatoren gesehen haben, was auf dem Spielfeld passiert. Das ist eine bessere Form von Besserwisserei, die nicht besonders gut ankommt.

UMFRAGE: WM-MODERATOREN
Welchen der Moderatoren, Kommentatoren und Experten der WM finden Sie am besten?

Und der dritte Punkt ist der Umgang mit den Studiogästen. Wie geht man mit dem Bundestrainer um, der nach einem Spiel interviewt wird? Je nachdem wie so ein Spiel verlaufen ist, hängt für den Trainer - egal welcher Nationalmannschaft - persönlich relativ viel davon ab. Und wenn man dann besserwisserisch wirkt, dann kann man so Situationen erleben, wie zuletzt, als Jürgen Klopp Jochen Dreier vom ZDF doch relativ stark attackiert hat oder kurz zuvor Oliver Kahn attackiert hat. Dann polarisiert man natürlich das Publikum, die einen sagen, der Dreier oder der Kahn hatte doch völlig Recht mit der Nachfrage, der andere sagt, du kannst doch jetzt einen Trainer in der Situation nicht mit so einer Frage konfrontieren, der kommt doch gerade aus dem Spiel, das unglücklich gelaufen ist.

Man unterstellt gerade Sport-Reportern oft, dass die ein Buddy-Business betreiben, dass sich alle kennen und sich nicht weh tun. Kann man sich durch die Experten die Distanz eher bewahren?
Das ist ein Evergreen des deutschen Sportjournalismus. Die Frage nach Nähe und Distanz. Habe ich zu viel Distanz zu den Protagonisten, bekomme ich nicht die Information, die ich brauche, um dem Zuschauer bestimmte Dinge zu erklären. Habe ich aber eine zu große Nähe zu den Protagonisten, habe ich vielleicht die Schere im Kopf und stelle manch kritische Frage nicht. Die Balance für diesen Drahtseilakt muss man finden. Ich habe den Eindruck, dass das in den letzten Jahren ganz gut gelungen ist. Da gab es schon größere Nähen und Verbrüderungsszenen in den 90er Jahren oder Anfang der 2000er Jahre. Auch das Duzen On Air - was ja eine Zeit lang einige im deutschen Fernsehen kultiviert haben, das ist mittlerweile verschwunden. Das kann der Experte machen, der mit dem Gast gespielt hat, das wäre auch albern, wenn die jetzt anfangen würden, sich zu siezen. Aber der Moderator hat niemanden zu duzen. Stellen Sie sich vor, in der politischen Berichterstattung würde Ulrich Deppendorf die Bundeskanzlerin in einer Nachrichtensendung duzen, um das mal in einen anderen Bereich zu übertragen. Wie das auf uns wirken würde!

Weg von den Moderatoren und Experten im Studio hin zu den Reportern am Spielfeld, die die Spieler-Interviews führen. Die sind ja meist recht banal. Warum werden die dennoch immer wieder gemacht?
Sie haben völlig Recht, es wird immer das Gleiche gefragt und immer das Gleiche geantwortet. Da gibt es den Evergreen der Fragen: 'Wie fühlen Sie sich jetzt?' Perspektivisch wird dann nachgefragt, 'wie ist jetzt die Vorbereitung auf das nächste Spiel?', wenn die Leute gerade aus dem einen Spiel kommen, das sie verloren oder gewonnen haben. Da kann man aufgrund unserer wissenschaftlichen Studien sagen, dass der Einfallsreichtum so mancher deutscher Sportjournalisten begrenzt ist. Warum macht man das? Das dokumentiert oder suggeriert natürlich eine gewisse Unmittelbarkeit, eine Zeitnähe zum Gegenstandsbereich des Spiels, man will dann aus erster Hand die Information haben.

Aber das Ergebnis ist ja nicht immer gut?
Je nachdem, welcher Spieler das macht, fallen die Interviews auch aus. Es gibt unter den Spielern Profis, die relativ cool und gelassen die Standardantworten abrufen, die sie auf die redundant gestellten Fragen parat haben, ob sie sich die selbst bereitgelegt haben oder eingetrichtert bekommen haben, das weiß ich gar nicht. Dann gibt es aber auch eine bestimmte Gruppe von Spielern in der Bundesliga, in der Nationalmannschaft vielleicht weniger, die sollte man vor so ein Mikrofon gar nicht erst lassen. Weil sie entweder zu aufgeregt sind oder in der Emotionalität Dinge sagen, die man nicht sagen sollte.

UMFRAGE: WM-MODERATOREN
Welcher der Moderatoren, Kommentatoren und Experten der WM nervt Sie am meisten?

Wer ist denn eigentlich in Ihrem Lieblingsteam der Berichterstattung - auch außerhalb der WM?
Als Kommentator Wolff-Christoph Fuss von Sky, direkt dahinter Tom Bartels von der ARD, dann als Experte Oliver Kahn vom ZDF und als Moderator Matthias Opdenhövel von der ARD.

Zuletzt noch Ihr WM-Tipp. Wie weit kommt die deutsche Nationalmannschaft und wer wird Weltmeister 2014?
Weltmeister wird Brasilien, das ist nicht sehr originell, ich weiß. Die deutsche Mannschaft kommt bis ins Viertelfinale und scheidet dann aus. Ich werde die Spiele der deutschen Mannschaft alleine oder mit der Familie sehen. Weitere Partien dann mit Freunden, aber immer zuhause. Natürlich wünsche ich mir, dass die deutsche Mannschaft ins Endspiel kommt und den Titel holt, das ist völlig klar. Nur so richtig daran glauben kann ich nicht!

>> Experte, Kommentator, Moderator - wer macht was? Und wie?

Das Interview führte t-online.de-Redakteurin Maria M. Held

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