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Streit um Spaniens WM-Prämie: "Doppelt so reich wie Deutsche?"

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Wirbel um Spaniens WM-Prämien  

"Sind wir etwa doppelt so reich wie die Deutschen?"

09.06.2014, 14:34 Uhr | sid, t-online.de

Streit um Spaniens WM-Prämie: "Doppelt so reich wie Deutsche?". Mehr als Weltmeister kann kein Fußballer werden, und die Chance besteht nur alle vier Jahre - dieser Titel ist den Verbänden viel Geld wert (Quelle: Reuters)

Mehr als Weltmeister kann kein Fußballer werden, und die Chance besteht nur alle vier Jahre - dieser Titel ist den Verbänden viel Geld wert (Quelle: Reuters)

Horrende Spielergehälter, Transfersummen und Sonderzahlungen lösen immer wieder Empörung und gesellschaftliche Debatten aus: zuletzt besonders intensiv bei "100-Millionen-Mann" Gareth Bale, dem Real Madrid diesen Beinamen einbrachte. Enorme Dimensionen, die jene der Bundesliga noch weit übersteigen, sind im spanischen Vereinsfußball weithin akzeptiert. Was jeder spanische Nationalspieler vom Verband als Prämie erhält, falls die WM-Titelverteidigung gelingen sollte, lässt jedoch die Volksseele hochkochen. Und Politiker nehmen das in der Euro-Krise oft ungeliebte Deutschland als Maßstab.

Der 36,8 Zentimeter große FIFA-WM-Pokal besteht zu großen Teilen aus 18-karätigem Gold. Sein ideeller Wert ist in Geld nicht aufzuwiegen, das Glücksgefühl, die Trophäe am 13. Juli in den Nachthimmel über Rio de Janeiro recken zu dürfen unbezahlbar. Warum versucht also ausgerechnet der amtierende Weltmeister Spanien, seine Mannschaft mit einer Rekordprämie zu motivieren?

720.000 Euro sollen Xavi, Iniesta und Co. für den Turniersieg bekommen. Das beschloss der spanische Fußballverband RFEF kurz vor der Abreise nach Brasilien und löste damit in dem von der Finanz- und Wirtschaftskrise gebeutelten Land prompt eine öffentliche Debatte über den Wert der Titelmission aus.

Schon 2010 Prämienkönige

"Unverhältnismäßig", hieß es, "maßlos" sei die ausgelobte Zahlung. "Sind wir etwa doppelt so reich wie die Deutschen?", fragte Josep Antoni Duran i Lleida, ein Abgeordneter des Europäischen Parlaments, via Twitter. Schließlich zahlt der DFB den deutschen Nationalspielern, die sich mit Neid-Debatten weit besser auskennen, jeweils 300.000 Euro, wenn sie nach 1990 endlich wieder den Titel holen.

2010 waren 250.000 Euro als Maximum pro Kadermitglied ausgelobt worden. Für Platz drei gab es schließlich 100.000 Euro - plus 260.000 Euro als prozentuale Beteiligung an Werbeeinnahmen. Das hatte der DFB nach dem sportlich wie wirtschaftlich erfolgreichen Turnier entschieden. Die Spanier, die 2010 erstmals Weltmeister und so ihrer Favoritenstellung gerecht wurden, waren damals schon Prämienkönige: 600.000 Euro pro Spieler nannte der linke Politiker Joan Ridao "überzogen, beschämend und obszön".

Die Kritik ging in der Euphorie unter, während Spaniens Volkswirtschaft mit noch massiveren Problemen als heute zu kämpfen hatte. Noch immer liegt die Arbeitslosenrate in dem krisengeschüttelten Land jedoch bei über 25 Prozent. Bei den Spaniern unter 25 ist sogar mehr als jeder Zweite job- und perspektivlos. Das gigantische Ungleichgewicht wird nicht mehr einfach hingenommen - trotz des WM-Fiebers und trotz der Gelder, die der Fußballmarkt und das Interesse daran abwerfen.

Spanischer Verband spricht von Investition

Spaniens Fußballverband fühlte sich immerhin bemüßigt, Stellung zu beziehen. "Wir betrachten das als eine Investition", zitierte die spanische Zeitung "El Pais" Verbandskreise: "Wir teilen mit den Spielern das Geld, das wir vom Weltverband FIFA erhalten." Die FIFA hat die Prämien für die WM 2014 um 37 Prozent erhöht. Der Titelträger kassiert etwa 26,5 Millionen Euro.

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Wie weit kommt die deutsche Nationalmannschaft bei der WM in Brasilien?

Selbst wenn das gesamte Trainerteam der "Roten Furie" um Vicente del Bosque ebenfalls eine saftige Belohnung einstreicht, bleibt beim Verband also eine schöne Stange Geld hängen. Über Geld spricht man meist aber nicht - oder zumindest nicht gerne.

Italiener sparen ein wenig

Während zum Unmut einiger Landsleute in Spanien also geklotzt wird, kleckert eine andere krisengeplagte Nation aus Südeuropa. Laut der römischen Tageszeitung "La Repubblica" bekommen die italienischen Nationalspieler 200.000 Euro für den Titelgewinn - halb soviel wie die Portugiesen um Weltfußballer Cristiano Ronaldo.

Zurückzuführen sei der vergleichsweise geringe Betrag auf die hohen Reisekosten, die mit 4,7 Millionen Euro beziffert werden. Jüngere Spieler haben gar in der Holzklasse nach Brasilien fliegen müssen. Ein schreckliches Schicksal - oder doch eher der Versuch, das Land hinter der Squadra Azzurra zu versammeln?

Kameruner drohten mit Boykott

Wie weit die Diskussion über den schnöden Mammon gehen kann, und wie klug die DFB-Entscheidung war, frühzeitig eine Einigung zu erzielen, zeigt ein anderes Beispiel: Da sich Spieler und Verband in Kamerun nicht über die WM-Prämie einigen konnten, drohte die Mannschaft des deutschen Trainers Volker Finke vor dem Test gegen Deutschland sogar mit Boykott.

Die Vorbereitung war empfindlich gestört, sogar der Abflug Richtung Brasilien verzögerte sich wegen des Geschachers. In den Augen vieler Fußball-Fans verließ ein Haufen Verlierer die Heimat: geldgierige Fußballer und machtgeile Funktionäre. Solche Streitereien traten bei afrikanischen Verbänden in der Vergangenheit regelmäßig auf und überschatteten teils sogar noch das Turnier selbst.

Auch Brasilien greift tief in die Tasche

In Brasilien wird vom Gastgeber der sechste Titel verlangt - er wäre unendlich viel und dem Verband pro Spieler ähnlich wie Spanien über 700.000 Euro wert. Und das, während nach wie vor gewaltige und teils gewalttätige Proteste an der Tagesordnung stehen. Um höhere Gehälter, etwa im Verkehrswesen, zu erzielen, und aus Wut darüber, dass Milliarden für die Austragung der WM ausgegeben wurden, während die Infrastruktur ansonsten vielerorts schwer zu wünschen übrig lässt.

Bei einem vorzeitigen Aus in der Vorrunde oder im Achtelfinale würde das Team von Bundestrainer Joachim Löw völlig leer ausgehen. "Die Spieler bekennen sich mit dieser stark erfolgsabhängigen Regelung wieder ganz klar zum Leistungsprinzip", sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, nachdem die Verhandlungen bereits sechs Monate vor Turnierbeginn abgeschlossen waren. Kein Aufschrei, keine Diskussion - alles richtig gemacht, zumindest in dieser Hinsicht.  

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