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Löw: Die Dramatik steigt ins Unermessliche

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Fußball  

Löw: Die Dramatik steigt ins Unermessliche

10.06.2014, 10:05 Uhr | dpa

Löw: Die Dramatik steigt ins Unermessliche. Joachim Löw sucht seine Idealformation hat aber kein Patentrezept parat.

Joachim Löw sucht seine Idealformation hat aber kein Patentrezept parat. Foto: Marcus Brandt. (Quelle: dpa)

Santo André (dpa) - Joachim Löw fiebert seinem vierten Turnier als Fußball-Bundestrainer entgegen. Bei einer WM steige "die Dramatik ins Unermessliche", sagte der 54-Jährige im Interview der Nachrichtenagentur dpa.

Nach dem EM-Finale 2008, dem dritten Platz bei der WM 2010 und dem Halbfinale bei der EM 2012 strebt Löw in Brasilien den großen Wurf an, auch wenn er kurz vor dem Start betont: "Es gibt kein Patentrezept für einen Titelgewinn."

Sie bezeichnen sich selbst als Turniertrainer. Die großen Spiele gäben Ihnen den Kick. Was muss passieren, damit Ihnen nach zwei Halbfinal-Teilnahmen und einem verlorenen Endspiel beim vierten Turnier der letzte Schritt, der große Wurf gelingt?

Joachim Löw: Eine WM ist etwas ganz anderes als ein normales Länderspiel. Da steigt die Dramatik ins Unermessliche. In jedem Turnierspiel weißt du als Trainer, dass in 90 oder 120 Minuten alles zu Ende sein kann. Ich überlege immer, wie ich Dinge optimieren kann. Der Spielverlauf ist nicht völlig planbar, es gibt Unbekannte in einem Turnier. Die letzten vier Mannschaften in einem Turnier bewegen sich auf einem Niveau, das kaum zu unterscheiden ist. Da zählen Tagesform, Glück, verletzte Spieler, das ist nicht zu kalkulieren. Es gibt kein Patentrezept für einen Titelgewinn. 2010 in Südafrika haben wir ein gutes Turnier gespielt und ein Spiel verloren gegen Spanien, das in den letzten Jahren überragend gut war.

Welche Baustellen müssen Sie im Team noch schließen bis zum Auftakt gegen Portugal?

Löw: Wir Trainer müssen uns ständig damit beschäftigen, Baustellen zu schließen und Dinge zu optimieren. Da ist nie ein Ende in Sicht, es ist ein laufender Prozess. Für einen Trainer gibt es immer Schrauben, an denen er drehen muss. Das wird auch nach dem ersten Spiel gegen Portugal so sein. Auch dann werden wir uns überlegen müssen, was sind Ansatzpunkte, um in einigen Bereichen noch etwas besser zu werden? Wie können wir stabiler werden, wie können wir uns steigern? Das wird uns über das gesamte Turnier in Brasilien begleiten. Jetzt hat sich Marco Reus im letzten Testspiel verletzt. Da müssen wir wieder diese Lücke schließen. Die Frage ist: Welche Spieler machen bis zum Spiel gegen Portugal noch Fortschritte, technisch, taktisch, körperlich.

Heißt das, Sie haben Ihre WM-Elf noch nicht im Kopf?

Löw: Für mich sind auch die letzten Trainingseindrücke wichtig. Dann reift die Entscheidung. Natürlich gibt es Planspiele, natürlich weiß ich in etwa, wer spielen wird. Aber letzte Entscheidungen treffe ich nach den Trainingseinheiten, auch danach, wer sich gut anpasst an Brasilien. Es hängt auch ab von verletzten oder angeschlagenen Spielern. Jetzt schon über die endgültige Aufstellung zu reden, ist völlig verfrüht.

Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira waren bei der WM 2010 und der EM 2012 das defensive Mittelfeld-Duo. Wer ist aktuell weiter?

Löw: Beide sind auf einem guten Weg. Sie haben gegen Armenien auch noch einmal gespielt. Beide sind nicht am Maximum. Wir werden weiter intensiv mit ihnen arbeiten in den nächsten Tagen. Gerade bei einem Spieler wie Sami Khedira, der eine längere Pause hinter sich hat, müssen wir sehen, wie das Turnier insgesamt verläuft, welche Belastungen er verträgt. Meine Einschätzung ist, dass beide extrem wertvoll für uns sind und es auch bei diesem Turnier sein werden.

Könnte ein Bastian Schweinsteiger, der bei Turnieren immer gespielt hat, auch mal von der Bank aus hilfreich und wichtig sein?

Löw: Alle Spieler können auch wichtig sein, wenn sie ins Spiel kommen, jedem Spieler kommt eine Hauptrolle zu. Gegen Kamerun und Armenien haben wir gesehen, dass wir von der Bank neue Energie und neue Impulse bringen konnten. Bei einer WM kommt ein Trainer nicht mit elf Spielern durch das Turnier. Man braucht 16, 17, 18 Spieler, die ihre Aufgabe erfüllen müssen. In Brasilien darf niemand erwarten, dass er immer über 90 Minuten spielen kann. Wer das glaubt, macht einen Fehler. Bei diesen Bedingungen, diesen Temperaturen um 13.00 Uhr Ortszeit, wird es Wechsel geben müssen im Spiel. Es wird bei dieser WM kein Team geben, das immer in gleicher Besetzung aufläuft.

Per Mertesacker musste die schwere Reservistenrolle bei der EM 2012 bewältigen. Werden wir in Brasilien dafür den besten Mertesacker überhaupt erleben?

Löw: Per Mertesacker war bei den WM-Turnieren immer eine starke Persönlichkeit. 2006 und 2010 hat er eine sehr wichtige Rolle gespielt. Vor der EM 2012 war er ein halbes Jahr verletzt, da ist meine Entscheidung anders ausgefallen. Ich glaube aber, dass ihn die EM und diese Erfahrung sogar noch mal gestärkt hat in seiner Persönlichkeit. Bei den WM-Turnieren war Per immer wichtig. Und er hat einen großen, unglaublich positiven Einfluss auf andere Spieler.

Schon Berti Vogts sagte, dass ein Bundestrainer als Held oder Vaterlandsverräter von einem Turnier zurückkehrt. Wie kommen Sie mit diesen Extremen klar?

Löw: Wenn eine Fußball-Nation wie Brasilien, Argentinien, Spanien, Italien oder Deutschland in der Vorrunde ausscheidet, dann ist doch klar, dass dann sich die ganze Kritik auf den Trainer fokussiert. Ich kann das alles realistisch einschätzen. Es ist aber kein Thema in meinen Gedanken. Ich weiß: Wir haben eine gute Mannschaft, ich habe Vertrauen in meine Spieler, in jeden einzelnen, wir haben uns in den letzten Jahren immer wieder entwickelt, wir sind in der Weltrangliste konstant mit Spanien weit oben angesiedelt. Das gibt mir ein gutes Gefühl. Ich bin sicher, wir werden uns in einer guten Verfassung präsentieren.

Ab Donnerstag rollt der Ball in Brasilien. Wie groß ist Ihre Hoffnung, dass ein guter Start des Gastgebers im Eröffnungsspiel gegen Kroatien die Unruhen im Land, die Proteste und Diskussionen über Stadien und Korruption in den Hintergrund drängen könnte?

Löw: In Brasilien gibt es - nicht zu Unrecht - Demonstrationen für sehr, sehr wichtige Dinge in der Gesellschaft wie Gesundheit oder Bildung. Aber wenn der Startschuss fällt, werden ein Großteil dieses Landes und die ganze Welt elektrisiert sein und in den Bann der WM gezogen. In allen Ländern gibt es dann Public Viewing, die Leute fiebern mit ihrer Mannschaft und die WM steht im Mittelpunkt. Die Euphorie, die Spannung und die Freude werden auch in Brasilien überschwappen. Wenn angepfiffen wird, dann wird ganz Brasilien hinter der eigenen Mannschaft stehen.

Auch die Fans in Deutschland hoffen wieder auf große Public-Viewing-Abende, möglichst bis zum Finale am 13. Juli. Was können Sie ihnen versprechen?

Löw: Das hat sich in Deutschland wirklich unglaublich entwickelt. Man feiert zusammen, man schaut die Spiele zusammen, es ist bei den Turnieren ein Nationalgefühl entstanden. Das ist großartig und spornt uns zusätzlich an. Diese Bilder aus der Heimat begleiten uns bei den Turnieren. Wir verfolgen, was zu Hause in Deutschland passiert, wir schauen uns das mit Freude an. Unser Ziel ist, dass wir den Fans in der Heimat gute Gründe liefern, dass sie in diesem Sommer viel feiern können.

ZUR PERSON: Joachim Löw (54) arbeitet seit 2004 beim Deutschen Fußball-Bund. Bis zur WM 2006 in Deutschland war er Assistent von Jürgen Klinsmann. Nach dem Turnier löste er diesen als Bundestrainer ab. Die WM in Brasilien ist sein viertes Turnier als Chefcoach der deutschen Nationalmannschaft.

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