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Wirtschaft in Brasilien: WM 2014 lädt zur Samba aufs Börsenparkett

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Brasilien-Wirtschaft  

Die WM lädt zur Samba auf das Börsenparkett

11.06.2014, 14:19 Uhr | Von Jörg Horneber für t-online.de

Wirtschaft in Brasilien: WM 2014 lädt zur Samba aufs Börsenparkett. Mitarbeiter des brasilianischen Konzerns Petrobras bei der Eröffnung eines weiteren Öl-Fördergebiets (Quelle: Reuters)

Mitarbeiter des brasilianischen Konzerns Petrobras bei der Eröffnung eines weiteren Öl-Fördergebiets (Quelle: Reuters)

Ein Traum wird wahr für die Fußballnation Brasilien: die Fußball-Weltmeisterschaft. Vor Millionen, vielleicht Milliarden multimedial verbundenen Fans steht das Land mit der siebtgrößten Volkswirtschaft der Welt für 32 Tage im Mittelpunkt des globalen Medieninteresses. Die Auswirkungen der WM auf die Wirtschaft des Landes sind jedoch nicht groß. Auch die Entwicklung des Aktienmarktes lässt zu wünschen übrig.

Ein solches Großereignis wie die Fußballweltmeisterschaft sollte dem Land Brasilien doch wirtschaftliche Chancen bieten sowie die Möglichkeit eines deutlichen Image-Gewinns. Um sich international gut präsentieren zu können, wurden dazu im Vorfeld gigantische Anstrengungen unternommen.

Staat und Privatwirtschaft haben Schätzungen zufolge umgerechnet knapp 30 Milliarden Euro investiert. Für die Olympischen Spiele 2016 sollen nochmals bis zu zehn Milliarden Euro hinzukommen. Davon profitieren in- und ausländische Firmen.

In zwölf Stadien wird gespielt, von denen sieben bereits vorhanden waren, aber ausgebaut oder saniert werden mussten. Fünf Spielstätten wurden eigens für die WM gebaut. Allein das neue Stadion in São Paulo kostete etwa 320 Millionen Euro.

Milliarden für die Infrastruktur

Daneben wurde zur WM auch eine deutliche Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur angestoßen. Flughäfen, Autobahnen und Schienenstrecken stehen auf dem Programm, vor allem aber wird der öffentliche Nahverkehr in den Austragungsorten ausgebaut. 

Rund 5,5 Milliarden Euro flossen in die Verbesserung der Kommunikationsnetze und in die Sanierung der maroden Stromleitungen. Für die Sicherheit während der WM sorgen etwa 157.000 Polizisten und Soldaten sowie 20.000 private Sicherheitskräfte. 120 Polizisten aus 40 Staaten arbeiten mit den brasilianischen Kollegen zusammen, etwa um Hooligans zu identifizieren. Kostenpunkt insgesamt: rund 630 Millionen Euro.

Gut 600.000 ausländische Besucher werden aufgrund der Fußballweltmeisterschaft zusätzlich erwartet. Allein Rio de Janeiro benötigte deshalb 10.000 bis 12.000 Hotelzimmer mehr als üblich. In den Austragungsorten wurden die historischen Zentren restauriert und neue touristische Attraktionen geschaffen.

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Die Beschäftigtenzahl in dem aufstrebenden Land steigt, und durch die angestoßenen langfristigen Projekte sollte auch eine gewisse Nachhaltigkeit gegeben sein. Der Tourismus wird wachsen - auch längerfristig. Auch der zuletzt schwächelnde Binnenkonsum dürfte wieder Fahrt aufnehmen.

WM nur ein Tropfen auf den heißen Stein?

Brasiliens Sportminister Aldo Rebelo setzt auf den "Copa"-Langzeiteffekt. Noch bis 2019 werde allein aufgrund der WM mit einem jährlichen Zuwachs von 0,4 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) gerechnet, sagte der Spitzenpolitiker. Insgesamt würden 3,6 Millionen Arbeitsplätze geschaffen.

Schon der Confederations Cup 2013 habe nach einer Studie dem BIP 9,7 Milliarden Real (rund 3,2 Milliarden Euro) gebracht und über 300.000 Arbeitsplätze geschaffen. Doch nach Einschätzung von Experten dürfte die WM für die Gesamtwirtschaft eher ein Tropfen auf den heißen Stein sein. Schließlich machten die WM-Ausgaben nur 0,7 Prozent von Brasiliens Gesamtinvestitionen von 2010 bis 2014 aus, und die Auswirkungen seien zum größten Teil auch schon verbucht, analysierte die Ratingagentur Moody's.

Auch das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) und die Privatbank Berenberg kommen in einer gemeinsamen Analyse zu den wirtschaftlichen Effekten des Großereignisses zu einem ernüchternden Ergebnis: Der makroökonomische Effekt einer WM ist im Regelfall vernachlässigbar gering. Eine Chance für Brasilien, sich von seinem Status als Schwellenland zu entledigen, bestehe vor allem in einer reibungslosen Organisation der WM.

Soziale Spannungen wachsen

Doch viele negative Aspekte verhindern den Aufschwung: Bei einem Großteil der Bevölkerung Brasiliens ist die WM ein Symbol für Korruption und Misswirtschaft. In Bildung und Gesundheit wird zu wenig investiert, bei den ärmeren Bevölkerungsgruppen kommt fast nichts an. Zudem steigen die Mieten ebenso wie die Kosten des täglichen Bedarfs.

Das verstärkt die sozialen Spannungen und lässt die Sorge um die Sicherheit der Touristen während der Fußball-WM wachsen. Auch die zu erwartenden Folgekosten der WM dämpfen die Hoffnungen auf einen baldigen Aufstieg Brasiliens in die wirtschaftliche Champions-League. Oder - wie es das HWWI resumierte: Angesichts der aktuell schwierigen Situation stehen Brasiliens Chancen auf den Gewinn des WM-Titels wohl deutlich besser, als sich schon bald wirtschaftlich unter den führenden Volkswirtschaften etablieren zu können.

Börsenkurse stabil

Die wirtschaftlichen Rahmendaten ex WM sehen nicht besonders gut aus. Die Wachstumsprognose lautet auf nur zwei Prozent für dieses Jahr, S&P senkte die Bonität des Landes auf gerade noch Investmentgrade BBB- und das Leistungsbilanzdefizit liegt bei 3,7 Prozent. Der brasilianische Aktienindex Bovespa stieg dieses Jahr unter heftigen Schwankungen dennoch um gut fünf Prozent. Gerade in den vergangenen Tagen gab es nochmal einen kleinen Kursschub.

Die internationale Aufmerksamkeit, die nun auf die Fußballnation Brasilien gerichtet ist, sollte mit vielen hoffentlich positiven Eindrücken gegeben sein. Börse besteht zu einem Großteil aus Psychologie! Und zumindest tanzten in fünf der sechs vergangenen Weltmeisterschafts-Jahre im jeweiligen Gastgeber-Land die Börsen-Bullen Samba auf dem Börsenparkett.


Der Autor, Jörg Horneber, ist seit 2012 als Portfoliomanager bei der KSW Vermögensverwaltung AG in Nürnberg tätig und mit der individuellen Betreuung von Vermögensverwaltungs-Mandaten betraut.

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