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Schande von Gijon: Als ein "Stück Fußball-Porno" Geschichte schrieb

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Die "Schande von Gijon"  

Als ein "schmutziges Stück Fußball-Porno" Geschichte schrieb

24.06.2014, 07:44 Uhr | sid

Schande von Gijon: Als ein "Stück Fußball-Porno" Geschichte schrieb. Absprachen beim Skandalspiel? Karl-Heinz Rummenigge (Mitte) im Gespräch mit seinen eigentlichen österreichischen Kontrahenten Heribert Weber (li.) und Bruno Pezzey in Gijon bei der WM 1982. (Quelle: imago/Frinke)

Absprachen beim Skandalspiel? Karl-Heinz Rummenigge (Mitte) im Gespräch mit seinen eigentlichen österreichischen Kontrahenten Heribert Weber (li.) und Bruno Pezzey in Gijon bei der WM 1982. (Quelle: Frinke/imago)

Es geht um ein Spiel, das "Jahrzehnte zurückliegt", wie Jürgen Klinsmann betont. Er sagt es mit einem Unterton, der deutlich macht: Damit will ich nichts zu tun haben. Wer will das schon? Deutschland gegen Österreich bei der WM 1982 - es ist eines der dunkelsten Kapitel in der deutschen Fußball-Geschichte. Das damalige 1:0 der von Jupp Derwall betreuten Nationalmannschaft geht als die "Schande von Gijon" in die Annalen ein.

US-Coach Klinsmann, damals 17 Jahre alt, schließt aus, dass sich die Geschichte beim Aufeinandertreffen seines Teams mit Deutschland (Donnerstag, ab 17.30 Uhr im t-online.de Live-Ticker) wiederholt. Fakt ist aber, dass beiden Mannschaften jeweils ein Unentschieden reicht, um ins Achtelfinale der WM 2014 einzuziehen.

Toni Schumacher: "Das Geschrei war groß"

Das 1:0 an jenem 16. Juni vor 32 Jahren reichte beiden Teams zum Weiterkommen. Deutschland und Österreich verständigen sich im letzten Gruppenspiel über weite Strecken der zweiten Hälfte auf einen unwürdigen "Nichtangriffspakt". Und jeder konnte es sehen. Algerien, das die deutsche Auswahl im ersten Gruppenspiel mit einem 2:1-Sieg noch bis auf die Knochen blamiert hatte, schied tatenlos aus und fühlt sich wohl zurecht noch heute betrogen.

"Das Geschrei ist damals groß gewesen", sagt der damalige deutsche Toni Schumacher im "Express", "das Spiel war ja auch nicht zum Hinsehen." Und er ergänzt: "Ich würde mich nicht wundern, wenn es am Donnerstag ein Ergebnis gibt, das letztendlich beiden hilft. Die Ausgangslage ist klar - und das bekommst du aus den Köpfen nicht heraus."

Algerier halten Geldscheine in die TV-Kameras

Damals war vorher klar: Nur ein 1:0 bringt beiden etwas, Deutschland und Österreich. Horst Hrubesch erzielte den entscheidenden Treffer in der 16. Minute. Danach geriet das Spiel zur Farce. Das spanische Publikum pfiff sich die Seele aus dem Leib und wedelte mit Taschentüchern, die algerischen Zuschauer hielten Geldscheine in die Kameras. ARD-Kommentator Eberhard Stanjek sprach von einer Schande, sein österreichischer Kollege Robert Seeger forderte die Zuschauer zum Abschalten auf.

Die deutsche Mannschaft um Paul Breitner und Karl-Heinz Rummenigge verlor trotz des späteren Finaleinzugs endgültig ihr Gesicht. Die trotzigen Aussagen mancher Beteiligter machten die Peinlichkeit nicht besser. Die Pfiffe seien demotivierend gewesen, meinte etwa Uli Stielike, er gab dem Publikum eine Mitschuld. Uwe Reinders erklärte tatsächlich, es interessiere ihn nicht, "wenn Tante Frieda zu Hause Zirkus macht".

Große Medienschelte: "Ein mutmaßlicher Betrugsfall"

Österreichs Delegationsleiter Hans Tschak fand wohl die dummdreistesten Worte aller Beteiligten. "Wenn jetzt 10.000 Wüstensöhne einen Skandal entfachen wollen, zeigt das doch nur, dass die zu wenig Schulen haben", sagt er. "Da kommt so ein Scheich aus einer Oase, darf nach 300 Jahren mal WM-Luft schnuppern und glaubt, jetzt die Klappe aufreißen zu können."

Die Kritik kam nun aus aller Welt. Der "Telegraaf" hat "ein schmutziges Stück Fußball-Porno" gesehen, die französische "Liberation" schreibt: "Wenn die Algerier Rassismus rufen, haben sie nicht Unrecht". Das spanische Blatt "El Comercio" veröffentlichte den Spielbericht bei den Polizeimeldungen unter "mutmaßlicher Betrugsfall".

Spieler geben Absprachen erst nach Jahren zu

Deutschlands Ex-Nationalspieler Willi Schulz sprach von einer "stillen Übereinkunft von 22 sportlichen Ganoven". Jahre später behauptete der Österreicher Walter Schachner, dass es sehr wohl Absprachen gegeben habe. Diesmal soll es sie nicht geben. "Das ist ein Teil der deutschen Länderspiel-Geschichte, aber nicht der amerikanischen Geschichte", sagt Klinsmann.


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