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Van Gaal grantelt: Taktikfrage überlagert Gruppensieg bei WM 2014

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WM 2014  

Van Gaal grantelt: Taktikfrage überlagert Gruppensieg

25.06.2014, 07:37 Uhr | dpa

Van Gaal grantelt: Taktikfrage überlagert Gruppensieg bei WM 2014. Trotz der Erfolge wird Louis van Gaal für sein Spielsystem kritisiert.

Trotz der Erfolge wird Louis van Gaal für sein Spielsystem kritisiert. Foto: Sebastiao Moreira. (Quelle: dpa)

Sao Paulo (dpa) - Louis van Gaal hatte gerade zum ersten Mal in seiner nicht gerade erfolglosen Karriere die K.o.-Runde einer Fußball-Weltmeisterschaft erreicht, aber seiner Laune merkte man das nicht an.

Im Gegenteil, der Bondscoach der niederländischen Nationalmannschaft machte nach dem 2:0 (0:0) gegen Chile das gleiche, was seine Spieler zuvor schon auf dem Rasen getan hatten: Er verteidigte sich mit Verve und fuhr seine Krallen aus.

"Können Sie mir eine Definition von Angriffsfußball geben? Sie stellen mir eine Frage, jetzt stelle ich Ihnen eine", blaffte van Gaal einen niederländischen Journalisten an. Oder nur zwei Antworten später, die gleiche Empörung im Ton: "Mich interessiert nicht, was der Nationaltrainer von Chile sagt."

Jorge Sampaoli, ebenjener Nationaltrainer von Chile, hatte sich zuvor über die unholländische Taktik der Holländer mokiert. Dabei fielen Aussagen wie: "Wir wollten spielen, sie nicht." Oder: "Wir wollten diese Mauer einreißen, die sich vor uns aufgebaut hat."

Es ist das Irritierende an diesem niederländischen Team, dass es gerade mit drei Siegen in drei Spielen die WM-Gruppe B dominiert hat, dass es mittlerweile als ernstzunehmender Titelkandidat gilt und in Bayern-Star Arjen Robben "den besten Spieler der gesamten Vorrunde" in seinen Reihen hat, wie der frühere englische Weltklassestürmer Gary Lineker meint. Und trotzdem wird um dieses Team herum nichts so leidenschaftlich und kontrovers diskutiert wie van Gaals zugegeben sehr sicherheitsorientiertes 5-3-2-System. Als würde man den WM-Titel in den Niederlanden am Ende nicht annehmen wollen, wenn er auf diese Weise zustande käme.

"Eine Beleidigung der alt-holländischen Schule", kritisierte die Tageszeitung "Algemeen Dagblad". Das Blatt "De Volkskrant" wurde noch deutlicher und schrieb von "Poldercatenaccio mit perfektem Ergebnis". Und: "Oranje spielt wie eine Investorengesellschaft: Wenn das Resultat gut ist, kommen die Boni von selbst....Es ist noch ein bisschen schlimmer als vor vier Jahren mit Bert van Marwijk als Bondscoach."

Auch Willem van Hanegem, Vize-Weltmeister von 1974 und heute als Experte tätig, hat bislang wenig Freude am Spiel des Oranje-Teams. "Seien wir ehrlich. Wenn einer unserer Gegner bei einer WM, im Europapokal oder selbst in der Ehrendivision so spielen würde wie Oranje jetzt, würden wir uns heftig darüber beklagen", sagte van Hanegem dem "Algemeen Dagblad". Fußball-Legende Johan Cruyff hatte schon vor dem Chile-Spiel im "De Telegraaf" gemäkelt, die Spielweise sei "dürftig".

Van Gaal schien die Minuten nach dem 2:0-Sieg gegen Chile durch Tore von Leroy Fer (77.) und Memphis Depay (90.+2) für den richtigen Moment zu halten, sich noch einmal öffentlich zu rechtfertigen. Der nächste Achtelfinal-Gegner heißt Mexiko, im Viertelfinale wären dann Costa Rica, Japan oder die Elfenbeinküste vorstellbar: Die Chance, "in diesem Turnier so weit wie möglich zu kommen" (Robben), scheint auch dank oder gerade wegen der Taktik des Trainers zum Greifen nah.

"Die Sache ist: Man muss eine Mannschaft genauso spielen lassen, wie es ihren Qualitäten entspricht", meinte van Gaal. "Ich will gewinnen. Also wähle ich das System aus, von dem ich mir am meisten verspreche."

Van Gaal ist in Brasilien auf einer Mission, von der er sich durch Nichts und niemanden abbringen lassen will. Am Dienstag stand der 62-Jährige in Rio de Janeiro schon wieder auf dem Trainingsplatz. Die Sonne strahlte, die Spieler waren nach der erfolgreichsten Vorrunde der niederländischen WM-Geschichte locker drauf. Nur van Gaal war schon wieder unter Strom. Als beim Torschusstraining bei einigen Akteuren die nötige Konsequenz fehlte, brüllte der Bondscoach über das Gelände von Flamengo. Bis zur berühmten Cristo Redentor, die auf einem Felsen über der Anlage thront, dürften die Worte van Gaals zu hören gewesen sein.

Van Gaal will es allen zeigen, und die Mannschaft folgt ihm dabei. "Wir glauben an dieses System. Und zwar nicht nur die Stammspieler, sondern alle 23 Mann im Kader", sagte Routinier Dirk Kuyt. "Wir haben den Weltmeister Spanien geschlagen, in Chile eines der bislang besten Teams des Turniers und zehn Tore geschossen. Ich denke, wir brauchen niemanden mehr zu überzeugen." Keeper Jasper Cilessen träumte bereits von mehr: "Unser Ziel ist einzig und allein das Maracanã. Wir wollen die WM mit dem Pokal in der Hand beenden."

Robbens Brillanz und van Gaals Taktik - dieser Mix könnte die Niederländer bei dieser Weltmeisterschaft weit bringen. "Neun Punkte in drei Spielen sind ein fantastisches Ergebnis - aber wir wollen an diesem Punkt nicht stoppen", sagte Robben, der am Dienstag nur leichtes Lauftraining absolvierte. Schonung für Mexiko war für den Star angesagt, denn Oranje wittert jetzt die große Chance. "Der Trainer wird schon die richtige Taktik finden", sagte Kuyt. Von der Kritik aus der Heimat wird er sich dabei nicht beirren lassen.

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