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Ottmar Hitzfeld: Gentleman bis zum bitteren Abschied

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WM 2014  

Ottmar Hitzfeld: Gentleman bis zum bitteren Abschied

02.07.2014, 18:46 Uhr | dpa

Ottmar Hitzfeld: Gentleman bis zum bitteren Abschied. Ottmar Hitzfeld applaudiert nach dem WM-Aus seinen Spielern.

Ottmar Hitzfeld applaudiert nach dem WM-Aus seinen Spielern. Foto: Peter Klaunzer. (Quelle: dpa)

São Paulo (dpa) - Der Gentleman unter den Fußball-Lehrern blieb sich auch am letzten und vielleicht härtesten Tag seiner Karriere treu.

Niemand weiß, wie andere Trainer reagiert hätten, wenn am Morgen des ersten K.o.-Spiels bei einer WM der Tod des eigenen Bruders öffentlich wird und dieses wichtige Spiel gegen Argentinien dann auch noch durch ein Tor in der vorletzten Minute der Verlängerung verloren geht. Ottmar Hitzfeld richtete sich die Krawatte und ging auf den Rasen, um jedem einzelnen seiner niedergeschlagenen Spielern die Hand zu reichen. Er kämpfte kurz selbst mit den Tränen. Dann gratulierte er dem Gegner.

"Heute war schon ein gewaltiger Moment. So kann man sich erhobenen Hauptes von der Fußball-Bühne verabschieden", sagte er. Denn das 0:1 gegen Argentinien war Hitzfelds letztes Spiel als Trainer. Der frühere Coach von Bayern München und Borussia Dortmund hatte bereits im Dezember angekündigt, nach dem Ausscheiden der Schweizer "Nati" bei dieser WM aufzuhören.

Einen Tag später saß der 65-Jährige in einem Nobelhotel in São Paulo und gab seine Abschieds-Pressekonferenz. Hitzfeld war immer noch anzumerken, wie ihn das Ende seiner Laufbahn und das fast schon epische WM-Aus berühren. "Man sagt so schön: Man fällt in ein Loch nach dem letzten Schlusspfiff. Aber am Montag war das eher ein Schock", erklärte er. "Aber ich bin es gewohnt, ich habe schon einige Schocks erlebt. 1999 im Champions-League-Finale gegen Manchester United, danach ein verlorenes Elfmeterschießen im DFB-Pokal. Das sind Momente, die gehören zum Sport. Ich danke meiner Mannschaft, dass sie mir diesen Moment noch einmal geschenkt hat."

Hitzfeld hat mit Bayern München und Borussia Dortmund die Champions League gewonnen, er ist siebenmal deutscher und zweimal Schweizer Meister geworden mit seinen Clubs. Aber wenn sich das kollektive Fußball-Gedächtnis irgendwann an diese titelgesäumte Karriere erinnern des gebürtigen Lörrachers wird, dürfte einem als erstes nicht etwa eine besonders innovative Spielidee einfallen oder ein ganz spezieller Erfolg. Sondern genau diese Selbstdisziplin, dieser Respekt vor dem Gegner und ganz besonders vor dem eigenen Team.

"In der Menschenführung war Ottmar Hitzfeld herausragend", sagte Stefan Effenberg einmal. Die Reaktionen in der Schweiz standen dem in nichts nach. "Danke, GOTTmar Hitzfeld", schrieb die Boulevard-Zeitung "Blick", mit deren Verlag der Trainer allerdings auch vertraglich verbandelt ist. Der "Tages-Anzeiger" meinte: "So gut, gegen einen solchen Gegner, war vielleicht noch nie eine Schweizer Nationalmannschaft." Auch die Spieler waren gerührt. "Die Mannschaft hat sich in den letzten Jahren unter diesem Trainer sehr entwickelt. Wir sind nicht mehr die kleine Schweiz. Wir müssen vor niemandem mehr Angst haben", sagte Kapitän Gökhan Inler, der am Mittwoch neben Hitzfeld saß.

Noch wenige Tage zuvor hatte der Verbands-Präsident Peter Gilliéron erklärt, Hitzfeld noch nie so konzentriert erlebt zu haben wie bei dieser WM. In seinem letzten Spiel als Trainer entwarf der 65-Jährige noch einmal eine Strategie, die Argentiniens Superstar Lionel Messi für fast 120 Minuten aus dem Spiel nahm. Innerhalb von nur zehn Tagen gab er einer Mannschaft, die beim 2:5 gegen Frankreich noch sorglos und naiv agiert hatte, eine neue Struktur.

"Es ist das letzte Bild, das bleibt", sagte der ewig nüchterne Ergebnis-Coach vor dem Turnier. Er wollte nach dem Vorrunden-Aus bei der WM 2010 und dem Verpassen der EM 2012 noch etwas Zählbares erreichen neben dem Aufbau einer neuen, um Talente wie Xherdan Shaqiri, Ricardo Rodriguez oder Granit Xhaka geformten Elf.

Das letzte Bild bei dieser WM sah so aus: In der 119. Minute schießt Angel di Maria das 1:0 für Argentinien. In der 120. Minute trifft Blerim Dzemaili zunächst den Pfosten, von seinem Knie aus prallt der Ball danach aus zwei Metern neben das Tor. Eine Trainerkarriere, die 1983 im kleinen Stadion Herti Allmend des SC Zug begann, endete vor mehr als 63 000 fassungslosen Zuschauern in der WM-Arena von São Paulo. "In den letzten drei Minuten hat man noch einmal alles erlebt, was in einem Trainerleben möglich ist", sagte Hitzfeld. Er sei stolz auf seine Laufbahn. Dann stand er auf und ging.

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