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Belgiens "heldenhafter Triumph"

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Fußball  

Belgiens "heldenhafter Triumph"

02.07.2014, 15:55 Uhr | dpa

Belgiens "heldenhafter Triumph". Axel Witsel lässt sich von den belgischen Fans feiern.

Axel Witsel lässt sich von den belgischen Fans feiern. Foto: Guillaume Horcajuelo. (Quelle: dpa)

Salvador (dpa) - Der Puls von Marc Wilmots hatte sich nach dem Happy End im Achtelfinal-Thriller gegen die USA gerade erst wieder beruhigt, da schickte Belgiens Trainer schon eine Kampfansage an Lionel Messi & Co.

"Jetzt wollen wir auch ins Halbfinale. Wir sind auf jeden Fall bereit für Argentinien. Das kann ich versprechen", kündigte der ehemalige Schalker nach dem 2:1-Sieg in der Verlängerung gegen die tapferen US-Boys von Jürgen Klinsmann vollmundig an.

Wie seine total erschöpften Profis, die sich nach dem enormen Kraftakt mit Krämpfen auf dem Boden wanden, hatte Wilmots bei dem Drama über 120 Minuten an der Seitenlinie mitgelitten. "Für mein Herz war das nicht gut. Das möchte ich nicht unbedingt noch einmal erleben", sagte der 45-jährige. Wenig später bastelte der Coach gedanklich schon an einem Erfolgsrezept für das Spiel gegen die Südamerikaner. "Ich werde mir ein paar DVDs anschauen. Ich bin sicher, wir werden eine gute Taktik haben gegen Argentinien und wieder alles geben", sagte Wilmots.

Superstar Messi soll keinen Sonderbewacher erhalten, sondern "im Kollektiv bekämpft" werden, kündigte er an. Auch die körperlichen Strapazen sollen sein Team nicht stoppen: "Wir haben noch vier Tage Pause. Das muss reichen." Basta.

Mit einem Psycho-Trick hatte Wilmots seine Roten Teufel vor dem Spiel gegen die USA heiß gemacht. "Ich habe ihnen gesagt: Morgen gibt es zwei Flüge. Einen nach Hause und einen nach Brasilia. Welchen wollt ihr nehmen? Sie wollten den nach Brasilia", beschrieb der Coach ohne Anflug von Überheblichkeit seine Motivationskünste.

Es ist schon äußerst erstaunlich, wie selbstbewusst und zielstrebig Wilmots die Ansammlung hoch veranlagter Spieler aus dem kleinen Land führt und zu einer Einheit zusammenschweißt. Dabei hatte das von vielen Experten als "Geheimfavorit" auserkorene Team in der Vorrunde trotz der drei Siege wenig spielerischen Glanz verbreitet. Doch im Achtelfinale liefen die Belgier zu großer Form auf, zelebrierten phasenweise tollen Kombinationsfußball und überzeugten bis zur letzten Sekunde mit beeindruckender Fitness gegen die körperlich starken Amerikaner.

Nur beim Ausnutzen der Torchancen hat die Mannschaft um den Wolfsburger Kevin de Bruyne und Chelsea-Star Eden Hazard noch reichlich Luft nach oben. 38 Mal schossen die Belgier, 27 Versuche davon gingen auf das Tor des überragenden US-Keepers Tim Howard, der mit 16 gehaltenen Schüssen zum WM-Rekordmann avancierte.

Die Beharrlichkeit zahlte sich erst in der Verlängerung aus, als de Bruyne (93.) und der eingewechselte Stürmer Romelu Lukaku (105.) trafen. "Ich habe vor dem Spiel zu Romelu gesagt: Deine Zeit kommt in der K.o.-Runde. Und ich habe gefühlt, das wird Romelus Moment. Er hat es dann exzellent gemacht, als er reinkam. Ich bin stolz auf ihn", erklärte Wilmots, der bei der WM meist nach einer Stunde frische Kräfte ins Spiel bringt. Wohl dem, der solche Joker hat.

Lukaku war noch lange nach dem Abpfiff aufgewühlt und voller Adrenalin. "Nach meinem Tor hätte ich weinen können", gestand der England-Legionär vom FC Everton mit feuchten Augen. "Das war der schönste Moment in meinem Leben. Mit 21 Jahren Torschütze bei einer WM - für dieses Gefühl habe ich jahrelang trainiert." Das letzte Wort an diesem denkwürdigen WM-Abend gebührte jedoch Kapitän Vincent Kompany, der den Fans in der Heimat eine Fortsetzung der WM-Reise in Aussicht stellte: "Wenn Argentinien auch so nach vorn spielt, haben wir im Viertelfinale durchaus gute Karten."

An eine große Zukunft glauben auch die Amerikaner. "Ich bin stolz auf meine Spieler. Sie haben bis zur letzten Minute alles gegeben und ihr Land stolz gemacht. Wir werden unseren Weg weitergehen und zurückkommen", versprach Trainer Jürgen Klinsmann. Schließlich soll die riesige WM-Euphorie genutzt und dem Fußball in den USA endgültig zum Durchbruch verholfen werden.

Präsident Barack Obama glaubt jedenfalls daran. "Sehr stolz auf @USSoccer. Wir werden das alles schneller gewinnen als die Welt denkt", hieß es am Dienstag (Ortszeit) in einem Tweet des Weißen Hauses, der mit Obamas persönlichem Kürzel "bo" und dem Hashtag #BelieveIt (Glaub es) gekennzeichnet war.

Das WM-Aus, das auch Bayern-Profi Julian Green (107.) mit seinem Anschlusstor nicht mehr verhindern konnte, hinterließ bei Trainer und Spielern keinen bitteren Beigeschmack. "Es war ein Krimi, ein Drama, ein Thriller", analysierte Klinsmann. "Wir haben uns wieder super verkauft und können erhobenen Hauptes nach Hause fahren", meinte der Ex-Schalker Jermaine Jones völlig verausgabt.

In der Heimat wurden die Verlierer wie Helden gefeiert. "Tapferkeit statt Sieg", titelte die "New York Times". Die "Washington Post" kommentierte: "Die WM-Hoffnungen sind geplatzt, aber Stolz und Optimismus bleiben." Und der "Miami Herald" erwartet noch weit bessere Soccer-Zeiten: "Rosige Zukunft trotz Niederlage. Der US-Fußball ist der große Sieger", schrieb das Blatt.

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