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Wichtigstes Länderspiel für Löw? - "Oh nein"

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Fußball  

Wichtigstes Länderspiel für Löw? - "Oh nein"

03.07.2014, 10:13 Uhr | dpa

Wichtigstes Länderspiel für Löw? - "Oh nein". Das Länderspiel gegen Frankreich ist für Bundestrainer Joachim Löw wichtig, aber lange nicht das wichtigste in seiner Karriere.

Das Länderspiel gegen Frankreich ist für Bundestrainer Joachim Löw wichtig, aber lange nicht das wichtigste in seiner Karriere. Foto: Andreas Gebert. (Quelle: dpa)

Rio de Janeiro (dpa) - Erstes oder letztes Endspiel für Joachim Löw im Maracanã: Jetzt muss der Bundestrainer mit der Nationalmannschaft liefern. Sieg oder Niederlage gegen Frankreich im Finalstadion von Rio de Janeiro werden die Debatten um Löw, Kapitän Lahm und das Spielsystem prägen.

Von Löws wichtigstem Spiel ist die Rede, viele Fragen stellen sich vor dem WM-Viertelfinale.

Muss Deutschland vor Frankreich zittern?

Nein, auch wenn nach den bisherigen Auftritten beider Nationen in Brasilien sogar Teammanager Oliver Bierhoff die Franzosen "in der Favoritenrolle" sieht. Für Manuel Neuer ist der Weltmeister von 1998 die "stabilste Mannschaft" im Turnier. "Man merkt, dass das ganze Team auf einer Erfolgswelle schwebt", sagte der Torwart. Gerade die Offensive um Karim Benzema von Real Madrid wusste auch ohne den verletzten Bayern-Star Franck Ribéry zu überzeugen: 10:2 Tore in vier Spielen sind eine deutliche Ansage. "Wir dürfen uns nicht auf einen offenen Schlagabtausch einlassen", mahnte André Schürrle. Im WM-Halbfinale 1982 und 1986 siegte Deutschland - das macht Mut.

Ist das 110. Länderspiel das wichtigste in der Karriere von Joachim Löw als Bundestrainer?

"Oh nein, um Gottes Willen", antwortete der Bundestrainer im ARD-Hörfunk: "Da gab es schon Spiele, die genauso wichtig waren." Das trifft zu. Trotzdem dürfte ein negativer Ausgang in Rio auch für Löw Konsequenzen haben. Sein vom DFB vorzeitig verlängerter Vertrag bis Mitte 2016 wäre dann kaum eine Jobgarantie. Ein Viertelfinal-K.o. wäre nach dem EM-Finale 2008 und zwei Halbfinal-Teilnahmen (WM 2010, EM 2012) das schlechteste Ergebnis des 54-Jährigen als Chefcoach.

Hat Löw wirklich das Zeug zum Titel-Trainer?

Der Freiburger ist ein guter Fußballlehrer. Plan A geht oft auf. Wenn nicht, wie zum Beispiel beim 1:2 gegen Italien im EM-Halbfinale 2012, bekommt Löw Probleme. Schnell und konsequent zu reagieren, also das Coaching im Spiel, war bislang noch keine Stärke. Trainer seien nicht vollkommen, sagte er vor dem K.o.-Spiel gegen Frankreich.

Warum hat Löw das über Jahre bewährte 4-2-3-1-System kurz vor der WM umgestellt und lässt in Brasilien plötzlich im 4-3-3 spielen?

Das hat mehrere Gründe. Der Bundestrainer reagierte einerseits auf die Fitness- und Form-Probleme von Mittelstürmer Klose sowie der Mittelfeldkräfte Khedira und Schweinsteiger. Philipp Lahm versetzte er ins Mittelfeld, der Kapitän drängte auch dorthin. Löw möchte nicht auf den "über die Saison starken" Toni Kroos verzichten. Der Leidtragende der Systemumstellung ist vor allem Mesut Özil, dessen geliebte Zehner-Position weggefallen ist. Özil sei im Gegensatz zu Kroos "eher noch der Spieler, der ein bisschen auf den Halbpositionen weiter vorne oder auf der Seite spielen kann", sagte Löw. Trotz des Tores gegen Algerien - Özil fremdelt in der ungeliebten Rolle. Zurück zum 4-2-3-1? Mit so viel Mut könnte Löw die Franzosen überraschen.

Wo ist Lahm wertvoller, im Mittelfeld oder doch rechts hinten?

Diese Frage beschäftigt die Nation seit WM-Beginn - und auch im Trainerstab und Spielerkreis wird sie intensiv diskutiert. Löws Antwort lautet Mittelfeld. Gegen Algerien trat jedoch der von Löw beschriebene "Notfall" ein, als der Kapitän nach der Verletzung von Shkodran Mustafi doch wieder rechts aushelfen musste. "Im Spiel nach vorne bin ich froh, wenn Philipp rechts spielt", bekannte Torwart Neuer. Womöglich schwenkt auch Löw gegen Frankreich um.

Hat sich die Abwehrreihe mit vier Innenverteidigern bewährt?

Löw sagt ja. Der Bundestrainer glaubte nicht, dass bei den extremen klimatischen Bedingungen in Brasilien Außenverteidiger angesagt sein würden, die 90 Minuten die Linie rauf und runter rennen. Die Realität ist: Man sieht sie bei anderen Nationen. Neuer erkennt mit Boateng und Höwedes außen in der Defensive Vorteile durch zusätzliche Stabilität und Kopfballstärke. Aber der Torwart verhehlt nicht den Nachteil: "Man sieht, dass wir nicht ganz so viel Druck erzeugen." Die Antwort könnte also lauten: Lahm gegen Frankreich nach rechts!

Warum spielt WM-Rekordschütze Klose so wenig?

Gegen Ghana kam der 36 Jahre alte Torjäger rein und bewahrte das DFB-Team mit seinem 15. WM-Treffer zum 2:2-Endstand vor einer drohenden Niederlage. Klose meldete sich fit auch für 90 Minuten. Der Bundestrainer sah ihn bislang nur als Joker. Mit Klose vorne könnte der vierfache Torschütze Thomas Müller mehr von hinten kommen, so wie nach Kloses Einwechslung bei seinem 1:0-Siegtor gegen die USA. "Miro ist ein Spieler, der gerade in den großen Spielen auf den Punkt hin fit ist", sagte Löw nach Kloses Rekordtor. Das Viertelfinale gegen Frankreich ist ein großes Spiel.

Wird Manuel Neuer in seinem 50. Länderspiel wieder in erster Linie als Libero gefordert sein?

Nein, meint Andreas Köpke. "Da ist normales Torwartspiel gefragt", sagt der Bundestorwarttrainer voraus: "Gegen Frankreich wird Manu nicht sieben- oder achtmal außerhalb des Strafraums eingreifen müssen." Im Gegensatz zu Algerien wird erwartet, dass die Franzosen nicht auf Konter und weite, hohe Bälle hinter die Abwehr setzen.

Wer könnten Deutschlands größte WM-Trümpfe sein?

Hinten Neuer und vorne Müller. Die Bayern-Profis könnten zum Erfolgsduo werden wie Oliver Kahn und Michael Ballack bei der WM 2002. "Titan" Kahn hielt in Japan und Südkorea bis zu seinem Patzer im verlorenen Endspiel gegen Brasilien überirdisch. Und Ballack war im Viertelfinale gegen die USA (1:0) und im Halbfinale gegen Südkorea (1:0) als Torschütze jeweils der Matchwinner. Müller hat in Brasilien schon viermal getroffen. Und mit Neuer im Tor verlor Deutschland von bislang 49 Länderspielen nur drei. Im 50. soll die Null stehen.

Wie stünden die Chancen in einem Elfmeterschießen?

Bestens. Deutschland ist Weltmeister im Elfmeterschießen, hat die meisten bei WM-Endrunden gewonnen, vier von vier - Quote 100 Prozent. "Es hängt auch mit unserer Nervenstärke zusammen", sagt Löws Assistent Köpke: "Wir haben mental starke Schützen und Torhüter, die Elfmeter halten können." Psychologischer Vorteil: Im legendären WM-Halbfinale 1982, dem "Thriller von Sevilla", triumphierte Deutschland im Duell vom Punkt mit 5:4. Uli Stielike verschoss beim Stand von 2:3, aber Torwart Harald Schumacher hielt die Schüsse von Didier Six und Maxime Bossis, Horst Hrubesch traf zum Sieg.

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