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Deutsch-französisches Grenzgebiet: Wem Daumen drücken?

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Deutsch-französisches Grenzgebiet: Wem Daumen drücken?

03.07.2014, 12:09 Uhr | dpa

Deutsch-französisches Grenzgebiet: Wem Daumen drücken?. Schüler und Schülerinnen des deutsch-französischen Gymnasiums in Freiburg fiebern gemeinsam dem WM-Duell Deutschland gegen Frankreich entgegen.

Schüler und Schülerinnen des deutsch-französischen Gymnasiums in Freiburg fiebern gemeinsam dem WM-Duell Deutschland gegen Frankreich entgegen. Foto: Rolf Haid. (Quelle: dpa)

Breisach (dpa) - Geschaut wird gemeinsam, die Fähnchen der Fans wehen Seite an Seite: In Grenzgebieten sitzen Deutsche und Franzosen während der WM gemeinsam vor dem Fernseher - am Freitag drücken sie dabei allerdings unterschiedlichen Mannschaften die Daumen.

Dann stehen sich Deutschland und Frankreich im Viertelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft gegenüber - ein Belastungstest deutsch-französische Freundschaft.

Zumindest in der Grenzregion am Oberrhein im südlichen Baden-Württemberg nehmen es beide Seiten aber gelassen. In einem Restaurant direkt am Rhein treffen sich die Fußballfans zum Public Viewing. Dort, wo sich Deutsche und Franzosen einst als Erzfeinde gegenüberstanden, prägt heute das Miteinander den Alltag. Der Gang über die Grenze ist, spätestes seit dem Abbau der Zollschranken, selbstverständlich geworden. Im jeweils anderen Land wird eingekauft, gearbeitet, gelebt und eben auch gefeiert.

Die meisten Franzosen in Deutschland wohnen in Baden-Württemberg. Viele der Fußballbegeisterten haben an ihren Autos die französische und zusätzlich auch die deutsche Fahne installiert, einige auch an ihren Häusern - und sie benutzen Fanschminke beider Nationen. Doch am Freitag, wenn sich die zwei Nationalteams gegenüberstehen, werden aus Freuden Gegner - zumindest für ein Spiel.

"Das ist natürlich eine besondere Konstellation, gerade für uns hier direkt an der Grenze", sagt Oliver Rein. Der 41-Jährige ist Bürgermeister von Breisach am Rhein, einer Kleinstadt südlich von Freiburg. Nur einen Steinwurf entfernt, auf der anderen Seite des Flusses, ist Neuf-Brisach, die französische Zwillingsstadt. Rein hat mit seinem dortigen Bürgermeisterkollegen bereits gesprochen.

"Das ist keine Sache, die unsere Freundschaft trübt", sagt Rein. Beide Rathauschefs schauen das Spiel. Und wollen das Ergebnis sportlich nehmen. "Wenn Deutschland und Frankreich gemeinsam auf einem Rasen stehen, dann ist das immer auch ein Freundschaftsspiel", sagt Reins französischer Amtskollege Richard Alvarez. "Dieses Fußballspiel wird uns nicht auseinanderbringen."

In Breisach und anderen Orten entlang der Grenze kommen Franzosen über den Rhein zum Public Viewing. "Das ist ein grenzüberschreitendes Volksfest", sagt der Breisacher Wirt Wilhelm Kläsle, der gemeinsames Fußballgucken organisiert. Nur die Gesänge unterscheiden sich: "Deutschland vor, noch ein Tor", rufen die Deutschen, "Allez les bleus" die Franzosen. "Bei den Spielen der Deutschen haben wir bislang immer ihnen die Daumen gedrückt", sagt einer aus dem Nachbarland. "Diesmal wird dies aber nicht der Fall sein."

Im 30 Kilometer entfernten Freiburg ist das anstehende Fußballmatch zum Thema im Schulunterricht geworden. "Wir sind zwiegespalten", gesteht der Leiter des deutsch-französischen Gymnasiums, Martin Wedel. Die Schule ist streng binational aufgebaut, alles wird aus deutscher und gleichzeitig aus französischer Sicht betrachtet.

"Das ist diesmal schwierig", räumt der Schulleiter ein. "Ich gehe davon aus, dass Lehrer, Eltern und Schüler dieses Spiel im Geiste der deutsch-französischen Freundschaft verfolgen. Aber dass ihr Herz für das jeweils eigene Land schlägt."

Im Foyer der Schule haben Lehrer und Schüler eine WM-Wand aufgestellt. Trennendes und Verbindendes zwischen den zwei Ländern wird thematisiert - auch im Unterricht. Und es wird, im Gegensatz zu den bisherigen Spielen, auch ein schulinternes Public Viewing geben. "Bei einem deutsch-französischen Spiel ist eine deutsch-französische Schule natürlich als gemeinsamer Zuschauer mit dabei", sagt Wedel.

Das gilt auch für die Soldaten der deutsch-französischen Brigade, die in der Region stationiert sind. "Die WM-Spiele werden in der Regel binational geschaut", sagt eine Sprecherin der Brigadeführung. Debattiert wird viel über das anstehende Spiel. Wobei die Fronten klar sind: Die Franzosen wollen ihre Nation vorne sehen, die Deutschen setzen auf die Jungs von Bundestrainer Joachim Löw.

Der Fernseher bleibt diesmal aus in der Kaserne: Freitagabend sind die Soldaten schon im dienstfreien Wochenende. Und verfolgen in privater Umgebung das Spiel. Binational debattiert zwischen den Militärs beider Länder wird dann am Montag wieder.

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