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Dummkopf und Gänsehautentzündung: WM der TV-Experten

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Fußball  

Dummkopf und Gänsehautentzündung: WM der TV-Experten

03.07.2014, 12:39 Uhr | dpa

Dummkopf und Gänsehautentzündung: WM der TV-Experten. Argentiniens Fußball-Idol Diego Maradona nimmt bei der WM kein Blatt vor den Mund.

Argentiniens Fußball-Idol Diego Maradona nimmt bei der WM kein Blatt vor den Mund. Foto: Ballesteros. (Quelle: dpa)

Brasília (dpa) - Diego Maradona ist einzigartig, auch als Fernsehmann. Bei der WM gibt es fast mehr Fußball-Stars auf dem Bildschirm als auf dem Rasen - aber keiner füllt seine Rolle als TV-Experte so intensiv aus wie der kleine Argentinier mit seinen Beschimpfungen und Hasstiraden.

Auch wenn in Deutschland kaum einer den venezolanischen TV-Sender Telesur empfangen kann, hat es Maradona mit der Sendung "De Zurda" auch hierzulande zu einiger Berühmtheit gebracht. Der ehemalige Weltklasse-Spieler gibt sich kräftig Mühe, mit skandalträchtigem Verhalten Aufsehen zu erregen. Dem argentinischen Verbandschef Julio Grondona zeigte Maradona vor laufender Kamera den Stinkefinger und verunglimpfte ihn als "armen Dummkopf".

Noch schlimmer watschte Maradona die früheren Weltmeister Pelé und Franz Beckenbauer ab. "Diese beiden kommen aus dem Museum, um zu sprechen, und sagen dumme Dinge, weil sie zwei Idioten sind." Dass der argentinische Champion von 1986 für einen Sender in Venezuela arbeitet und nicht in seinem Heimat- oder einem anderen großen Fußball-Land, erinnert ein bisschen an Lothar Matthäus. Der war vor vier Jahren bei Al Jazeera im Einsatz.

Auch Michael Ballack wandelt auf den Spuren von Matthäus. Der frühere Capitano erhält für seine klaren WM-Analysen beim US-Sender ESPN gute Kritiken. Ex-Nationalspieler Arne Friedrich begleitet die DFB-Auswahl für das chinesische Fernsehen. Und die englischen Zuschauer werden schon seit Jahren von BBC-Kommentator Gary Lineker bestens unterhalten. "Der schlechteste Freistoß in der WM-Geschichte", ätzte der WM-Torschützenkönig von 1986 über die Slapstick-Einlage vom Thomas Müller im Algerien-Spiel.

Pöbeleien wie bei Maradona sind im öffentlich-rechtlichen TV kaum vorstellbar. Wenngleich ARD-Experte Mehmet Scholl vor zwei Jahren bei der EM für ein Skandälchen sorgte, als er über Mario Gomez lästerte: "Ich hatte zwischendrin Angst, dass er sich wund gelegen hat, dass man ihn wenden muss." Mein lieber Scholli, war das eine Aufregung!

Diesmal überzeugt Scholl an der Seite von Moderator Matthias Opdenhövel das TV-Publikum, die Netz-Gemeinde und die Medienkritiker mit Wortschöpfungen wie "Gänsehautentzündung" - und mit Fachwissen. "Sollten die Griechen nicht Theofanis Gekas einwechseln", fragte Opdenhövdel in der Pause. "Nein, auf keinen Fall", antwortete Scholl, scheinbar in weiser Voraussicht. Denn ausgerechnet Gekas scheiterte im Elfmeterschießen gegen Costa Rica als einziger Grieche.

Kein Wunder, dass Opdenhövel seinen pfiffigen Partner lobte: "Er ist ein genialer Experte", meinte der ARD-Mann. Allerdings würde das Duo nicht die ganze Zeit nur Witze erzählen. "In erster Linie analysieren wir Spiele und legen Finger in die Wunde, wenn es eine gibt", erklärte Opdenhövel.

ZDF-Experte Oliver Kahn fühlt sich an der Seite von Oliver Welke in Brasilien sichtlich wohler als vor zwei Jahren mit Katrin Müller-Hohenstein auf Usedom. "Ich bin froh, dass wir am Meer stehen und nicht im Meer", sagte Kahn ungewohnt flapsig über den Vergleich der Dach-Terrasse von Rio mit der vieldiskutierten EM-Bühne in der Ostsee.

Der frühere Bayern-Keeper, der gerne über die Psychologie des Fußballs und den Druck redet, schwimmt manchmal auch gegen den Strom. "Das ist Harakiri", urteilte Kahn über die deutsche Taktik, den viel gelobten Torwart Manuel Neuer als eine Art Libero spielen zu lassen. Er weiß aus eigener Erfahrung von der WM 2002, wie schnell ein Fehler aus einem umjubelten Spieler einen Sündenbock machen kann.

Ob Matthäus, Ballack, Scholl, Kahn, Stefan Effenberg (Sky), Thomas Berthold (Eurosport), Hasan Salihamidžić (ZDF) oder Giovane Elber (ARD) - als Ex-Profi des FC Bayern München scheint man für die Arbeit als TV-Experte besonders geeignet zu sein. Das merkt man manchmal auch an der fachmännischen Beurteilung der aktuellen Bayern-Kicker.

Andere Experten wie Brasilien-Reporterin Fernanda Brandao (ARD) oder die Fechterin Britta Heidemann haben gar keinen Fußball-Hintergrund. Das macht aber nichts. Die Olympiasiegerin von 2008, eigentlich als China-Expertin bekannt, erhält für ihr frisch-fröhliches Auftreten im Morgenmagazin viel Lob. Auch Thomas Hitzlsperger, vom ZDF kurz vor WM-Beginn engagiert, analysiert das Turnier zum Frühstück. Sein viel beachtetes Outing als Homosexueller im Januar spielt dabei keine Rolle. Hitzlsperger passt aber in das Anforderungsprofil für TV-Experten. Er spielte zumindest in der Jugend für den FC Bayern.

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