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Nach Neymar-Aus: Mit dieser Taktik kann die DFB-Elf gewinnen

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Taktik-Analyse  

Deshalb ist Lahm hinten rechts so stark

06.07.2014, 16:09 Uhr | t-online.de

Nach Neymar-Aus: Mit dieser Taktik kann die DFB-Elf gewinnen. DFB-Kapitän Philipp Lahm ist sowohl in der Defensive als auch in der Offensive ein Gewinn. (Quelle: imago/Gribaudi/Image Photo)

DFB-Kapitän Philipp Lahm ist sowohl in der Defensive als auch in der Offensive ein Gewinn. (Quelle: Gribaudi/Image Photo/imago)

Alle Jahre wieder. Die deutsche Nationalmannschaft steht zum vierten Mal in Folge im WM-Halbfinale. Für einen Titel hat es bei den letzten drei Versuchen nicht gereicht – doch das soll sich in diesem Sommer endlich ändern. Dafür muss allerdings erst einmal Gastgeber und Topfavorit Brasilien aus dem Weg geräumt werden (Dienstag, ab 21.30 Uhr im t-online.de Live-Ticker).

Wie das funktionieren kann, weiß Taktik-Experte Christian Titz, der sich die brasilianische Elf genau angesehen hat. Der 43-jährige Fußballlehrer warnt vor ein paar Besonderheiten im Spiel der Selecao, verrät aber auch, was Philipp Lahm als rechten Verteidiger so wichtig macht und wo genau sich das DFB-Team von den anderen Mannschaften unterscheidet.

t-online.de: Herr Titz, die DFB-Elf steht im Halbfinale. Dort stand sie bei den vergangenen drei WM-Turnieren allerdings auch immer – und fuhr am Ende dennoch stets mit leeren Händen nach Hause. Was spricht dafür, dass es dieses Mal anders läuft?

Christian Titz: Die deutsche Nationalmannschaft hat im Vergleich zu den letzten Titelkämpfen noch einmal einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht. Sie ist reifer geworden und hat sich vor allem taktisch enorm entwickelt. Das hat das Viertelfinale gegen Frankreich erneut bewiesen.

UMFRAGE
Wer setzt sich im WM-Halbfinale durch?

Wo genau war diese Entwicklung zu sehen?

Zum einen hat die Mannschaft gegen Frankreich das gezeigt, was sie von den anderem Teams in diesem Turnier am deutlichsten abhebt: Sie hat die mit Abstand klarste und strukturierteste Spieleröffnung. Die Spieler sind mittlerweile alle ballsicher, sind auch mit dem Rücken zum Gegner stark und bauen das Spiel von hinten über das Mittelfeld sauber auf. Zum anderen ist die Defensive einfach sehr schwer zu bezwingen. Der Plan, den Joachim Löw gegen die Franzosen hatte, wurde nahezu perfekt umgesetzt und ist letztlich aufgegangen.

Wie genau sah denn dieser Plan aus?

Dieser Plan hatte zwei Ausrichtungen und basierte auf einer 4-3-3-Grundformation, die sich spielsituativ in ein 4-2-3-1 oder 4-1-4-1 verschoben hat. In den ersten 30 Minuten hat die deutsche Elf das Heft in die Hand genommen, die französische Defensive unter Druck gesetzt und den Gegner so nicht ins Spiel kommen lassen. Sami Khedira hat Blaise Matuidi komplett aus dem Spiel genommen, Toni Kroos hat sich um Paul Pogba gekümmert und der etwas defensivere Bastian Schweinsteiger konnte die Tiefenlaufwege zustellen und das Spiel ordnen. Frankreichs einziges Mittel waren somit lange Bälle in den Rücken Abwehr, gleichzeitig konnte sich die DFB-Elf immer wieder Chancen durch vertikale Bälle in die Spitze erspielen.

Und was war der zweite Teil des Plans?

Nach etwa 35 Minuten hat sich das DFB-Team dann zunehmend zurückgezogen und aus einer stabilen Defensive agiert. Das frühe Führungstor durch Mats Hummels (13.) hat die Taktik von Löw natürlich begünstigt, aber auch die Umsetzung war gut. Vor allem die Konter über die rechte Seite, wo Thomas Müller immer wieder Patrice Evra überlaufen hat, sahen geplant aus und haben gut funktioniert.

Trotzdem war es bis zum Abpfiff ganz schön knapp...

Knapp, ja – und die Franzosen hätten durchaus zum Ausgleich kommen können. Aber insgesamt hatte die Defensive um Hummels und den guten Jerome Boateng die Sache im Griff. Das ist eine besondere Qualität, denn in den K.o.-Spielen ist das Wichtigste, keine Gegentore zu bekommen.

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Hat Löw nun die Taktik und Aufstellung gefunden, mit der er den Rest des Turniers - und somit auch das Halbfinale gegen Brasilien – bestreiten wird?

Der Bundestrainer wird das auch weiterhin von Spiel zu Spiel entscheiden. Gegen Brasilien sind wieder andere Dinge gefragt als gegen Frankreich.

Was genau? Wie sollte Löw dieses Spiel angehen, was könnte er verändern?

Er könnte vor allem in der Offensive ansetzen. Gegen die beiden Kanten David Luiz und Dante in der Innenverteidigung wären Mario Götze oder Thomas Müller eine Alternative zu Miroslav Klose. Müller aufgrund seiner Läufe in die Tiefe, mit denen die Brasilianer Probleme haben. Götze aufgrund seiner Technik und seiner Fähigkeiten, mit schnellen Doppelpässen in den Rücken der Abwehr zu kommen. Sollte Müller vorne reingehen, wäre sicherlich André Schürrle die erste Option für die rechte Außenbahn.

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Gibt es denn besondere Schwachstellen im brasilianischen Team?

Ganz klar die rechte Seite mit Oscar und Maicon oder Dani Alves, das hat auch das Spiel gegen Kolumbien offenbart. Hier kann die deutsche Elf, allen voran Mesut Özil, ansetzen.

Ist Özil wirklich der richtige Mann gegen diese körperbetont spielenden Brasilianer?

Grundsätzlich ist das schwierig. Özil ist aufgrund seiner Laufwege in die Mitte aber beinahe unersetzlich. Er bringt immer wieder Unruhe in die Viererkette, bindet Gegenspieler aus dem defensiven Mittelfeld an sich, schafft Räume und zieht viele Fouls. Er ist trotz seiner schwankenden Leistungen wichtig für das Team.

Auf was muss die DFB-Elf aufpassen?

Die Selecao ist hart, gnadenlos und unberechenbar. Diese Mannschaft spielt als Gastgeber vor den eigenen Fans, ist extrem fokussiert und pusht sich in jedem Spiel bis an das körperliche Maximum. Die Spielfreude vergangener Tage, das berühmte "Jogo Bonito", gibt es in dieser Form nicht mehr, dafür sind alle Spieler enorm lauf- und zweikampfstark. Sie spielen mit Herz, Leidenschaft und vollem Einsatz.

Man könnte auch sagen, dass die Brasilianer dreckig spielen.

Ich würde eher sagen: clever. Die brasilianische Elf unterbindet Angriffe der Gegner sehr oft und sehr früh durch taktische Fouls. Es ist extrem schwierig, gegen sie zu kontern. Zudem sind ihre Standards eine echte Waffe. Egal, ob Eckbälle, Freistoßflanken aus dem Halbfeld oder direkte Versuche. Das beherrschen sie sehr gut.

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Gibt es auch spielerische Stärken oder ist die kreative Komponente nach dem Ausfall von Neymar komplett dahin?

Neymar war natürlich das Herzstück dieser Mannschaft. Er hat das Spiel in der Offensive gelenkt und konnte den Unterschied ausmachen. Seine Verletzung ist eine erhebliche Schwächung, genau wie die Sperre gegen Thiago Silva, der für Ruhe und Stabilität gesorgt hat. Dennoch ist vor allem die linke Seite in der Offensive sehr stark. Marcelo und Hulk verstehen sich fast blind und kommen immer besser in Form.

Was ist das beste Mittel gegen diese beiden Spieler?

Prädestiniert für diese Aufgabe ist natürlich Philipp Lahm. Er weiß, wie er hinten stehen muss und hat aufgrund seiner Spritzigkeit und Wendigkeit Vorteile gegenüber Hulk oder Marcelo.

Hatten die 80 Millionen Bundestrainer in Deutschland also Recht, dass Lahm hinten rechts besser aufgehoben ist als auf der Sechs?

Das würde ich so pauschal nicht sagen. Aber er ist sowohl in der Defensive als auch in der Offensive ein Gewinn. Er sorgt für zusätzliche Stabilität und kurbelt zudem das Spiel über die Außen an. Wenn er nach vorne geht, kann der rechte offensive Spieler in die Mitte ziehen und zusätzlichen Druck im torgefährlichen Raum aufbauen. Auch das ist eine Möglichkeit gegen Brasilien. Die DFB-Elf hat also durchaus Chancen, dieses Halbfinale erfolgreich zu gestalten. Und dann ist alles möglich.

Das Interview führte Mark Weidenfeller

Mehr Informationen zu Christian Titz, der schon bei großen Vereinen wie Bayer Leverkusen, Schalke 04 oder Ajax Amsterdam hospitierte und den FC Homburg als Chefcoach 2012 in die Regionalliga Südwest führte, finden Sie bei Facebook (www.coaching-zone-portal.de) und seinem YouTube-Channel (https://www.youtube.com/watch?v=unV1795mTkA).

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