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WM 2014: Deutschland ist reif für den Titel

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DFB-Team ist reif für den Titel  

Der große Schulterschluss mit Löw

07.07.2014, 07:32 Uhr | t-online.de

WM 2014: Deutschland ist reif für den Titel. Bundestrainer Joachim Löw (li.) peilt in Brasilien den WM-Titel an. (Quelle: dpa)

Bundestrainer Joachim Löw (li.) peilt in Brasilien den WM-Titel an. (Quelle: dpa)

Aus Santo André berichtet Thomas Tamberg

Als die Mannschaftsaufstellung vor dem Frankreich-Spiel im Maracana über die Anzeigetafel flimmerte und Bastian Schweinsteiger auftauchte, war der Jubel bei den deutschen Fans am größten. Und dass nicht nur weil Schweini so beliebt ist. Zuvor wurde bereits Sami Khedira vom Stadionsprecher vorgestellt. Als dann aber auch noch der Name des Bayern-Spielers fiel, war allen im Stadion klar, dass sich Bundestrainer Joachim Löw einen Ruck gegeben hatte und bereit war, im Sinne des Erfolgs fundamentale Änderungen im Team vorzunehmen.

Wäre es allein nach dem 54-Jährigen gegangen, die DFB-Elf wäre wohl mit der nahezu gleichen Aufstellung und der gleichen Taktik ins Spiel gegen Frankreich gegangen wie zuvor gegen Algerien. Der entscheidende Impuls zum Systemwechsel mit Khedira und Schweinsteiger und der Versetzung von Philipp Lahm auf die rechte Außenverteidigerposition kam aus der Mannschaft. Die letzte Entscheidung indes musste der Trainer fällen und der war früher immer gerne für einen Alleingang gut.

Richtige Lehren aus Algerien-Spiel gezogen

Das Algerien-Spiel könnte im Nachhinein die wichtigste Partie des Turniers gewesen sein. Die Zitterpartie hat allen Beteiligten noch einmal deutlich vor Augen geführt, wie sehr doch alles an einem seidenen Faden hängt und das letztlich alle in einem Boot sitzen. Man scheitert gemeinsam oder alle werden in den Heldenstand befördert. Dazwischen gibt es nichts. Der Weckruf dürfte zweierlei bewirkt haben: Die Mannschaft trat entschlossener gegenüber dem Trainer für ihre Ideen ein, der Coach wiederum war empfänglicher für deren Meinung.

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In diesen Tagen wird viel darüber geredet, dass die deutsche Mannschaft eine Entwicklung genommen habe vom ungestümen Hurra-Stil bei der WM 2010 bis zum eiskalten Ergebnisfußball bei der WM 2014 in Brasilien. Doch nicht nur das Team hat sich entwickelt, offensichtlich auch der Bundestrainer. Noch einmal wollte sich Löw offenbar nicht den Vorwurf gefallen lassen, dass Deutschland keinen Titel geholt hat, weil er ein Spiel vercoacht hat, so wie bei der EM 2012 im Halbfinale gegen Italien.

Plötzlich sind Standardsituationen wichtig

Das beste Beispiel, dass auch bei ihm eine Entwicklung stattgefunden hat, zeigt das Thema Standardsituationen. Vor vier Jahren in Südafrika verzichtete er nahezu gänzlich auf das Einstudieren von Ecken und Freistößen. Es war ihm schlichtweg nicht wichtig. Hansi Flick hatte damals schon so gewaltige Magenschmerzen, dass er öffentlich anmahnte, dass nach seinem Geschmack ruhig etwas mehr Wert darauf gelegt werden könnte. In der heilen rosaroten Wattebausch-Welt rund um die Nationalmannschaft fast schon ein Kündigungsgrund.

Heute sagt Löw Sätze wie folgt: "Standards sind eine gute Waffe für eine Mannschaft. Damit werden Spiele entschieden." Exakt die Hälfte der zehn Treffer, die das deutsche Team auf ihrem Weg ins Halbfinale bisher erzielt hat, entsprangen Standardsituationen. Ohne diese Mittel, wäre man vermutlich gar nicht mehr im Turnier. Auch hier kam der Impuls vom Trainerteam und aus der Mannschaft heraus. Der Erfolg spricht für sich.

Rolle rückwärts ohne Gesichtsverlust

Was Löw auszeichnet, ist der Fakt, dass er nicht mehr stur seinen Weg verfolgt, sondern Strömungen aufnimmt und bereit ist, diese in die richtigen Bahnen zu lenken. Bis zum Frankreich-Spiel war man sich dessen nicht wirklich sicher. Allzu endgültig kamen seine Aussagen zur Lahm-Rolle rüber ("Ich ziehe das durch bis zum Schluss") oder dass er Khedira und Schweinsteiger nicht zusammenspielen lassen würde. Er wirkte dabei wie ein schwacher Trainer, der Angst vor Autoritätsverlust hat. Jetzt steht er plötzlich wie ein starker Trainer da, der andere Sichtweisen zulässt und sie für den Erfolg nutzt.

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Ist nach der WM Schluss?

Gut möglich, dass Löw für sich schon beschlossen hat, nach der WM trotz laufenden Vertrags bis 2016 eine neue Herausforderung anzunehmen. Und dass ihn dies so locker macht, wie er zuletzt immer wieder betonte. Ebenso möglich ist aber auch, dass seine Lockerheit daher kommt, weil er das Vertrauen seiner Führungsspieler spürt. "Die WM gewinnt ein intelligenter Trainer", sagte Schweinsteiger auf der letzten Pressekonferenz. Es klang ein wenig wie ein nachgeschobenes Kompliment für Löw, weil er sich auf die Mannschaft zubewegt hat.

Jerome Boateng hat eine schöne Formulierung für den gerade stattfindenden Prozess gefunden, der ohne großes Säbelrasseln und vor allem intern voranschreitet. "Wir haben charakterlich zugelegt", sagte der 25-Jährige. Aus dieser Quelle schöpft sich auch der außergewöhnliche Teamgeist. Es ist nun einmal ein riesiger Unterschied ihn zu beschwören oder auch zu leben. Die aktuelle Truppe lebt ihn tatsächlich. Auch das ist übrigens eine große Leistung des Trainers, aber auch der Führungsspieler.

Erfahrung kann den Unterschied ausmachen

Was das fußballerisch bedeutet erklärte Sami Khedira in der "Welt". "Ich glaube, unser Fußball ist seriöser, erwachsener geworden." Eine nette Umschreibung für die geballte Erfahrung von 708 Länderspielen, die gegen Frankreich in der Startformation vorhanden stand.

Und eben diese Reife, im Kopf und in den Beinen, ist ein ganz großes Pfund bei dieser WM. "Die Mannschaft ist noch einmal einen Schritt weiter", sagte Schweinsteiger. Das gilt offenbar auch für Löw. Dass die Spieler die Rückkehr zum altbewährten System prima finden, daraus machen sie nämlich keinen Hehl. "In dieser Formation fühlen wir uns am wohlsten, weil wir die seit Jahren so spielen", sagte Boateng.

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