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WM 2014  

Ticket-Skandal auf der WM-Zielgeraden

08.07.2014, 18:05 Uhr | dpa

Ticket-Skandal auf der WM-Zielgeraden. Ein Wagen der brasilianischen Polizei ist am Luxushotel Copacabana Palace vorgefahren.

Ein Wagen der brasilianischen Polizei ist am Luxushotel Copacabana Palace vorgefahren. Foto: Antonio Lacerda. (Quelle: dpa)

Rio de Janeiro (dpa) - Die Fußball-WM in Brasilien wird auf der Zielgeraden von einem handfesten Skandal um illegale Ticket-Verkäufe überschattet. Das Umfeld der FIFA gerät dabei immer mehr ins Zwielicht, doch der Weltverband reagiert weiterhin abwartend.

Die Polizei nahm einen Top-Funktionär des FIFA-Vertragspartners Match Services fest. Der 64 Jahre alte Brite Raymond "Ray" Whelan wurde fast die ganze Nacht verhört und erst am frühen Morgen des Dienstags auf Antrag seiner Anwälte wieder auf freien Fuß gesetzt. Seinen Reisepass musste er abgeben. Er soll ein Drahtzieher eines Ticket-Schiebersystems sein, bei dem pro Spiel sechsstellige Euro-Beträge für massiv überteuerte Tickets kassiert wurden.

Die Match AG teilte mit, dass Whelan nach seiner Freilassung weiter in die WM-Geschäfte des Unternehmens eingebunden sei, trotz der schwerwiegenden Vorwürfe. Von der FIFA wurden gegen diese Entscheidung keine Schritte angekündigt, sie obliege der Match AG. Auch seine WM-Akkreditierung - die ihm Zugang in das FIFA-Hauptquartier Copacabana Palace gewährt - darf Whelan vorerst behalten. Über die künftige Zusammenarbeit mit dem Unternehmen, das auch Vermarktungsrechte für die WM-Turniere 2018 und 2022 besitzt, könne man keine Aussagen treffen, hieß es am Dienstag von der FIFA.

Bereits in den Tagen zuvor hatte die Polizei im Rahmen der Operation "Jules Rimet" elf Personen festgenommen, darunter den mutmaßlichen Kopf der Bande, den Algerier Lamine Fofana. Er telefonierte mehrmals mit Whelan, wie aus einer gerichtlich genehmigten Abhöraktion hervorgeht. Seit WM-Beginn sind auf Whelans Handy 900 Anrufe Fofanas eingegangen, hieß es auch von der FIFA. Bei dem Mobiltelefon handele es sich aber nicht um ein FIFA-, sondern um ein Event-Telefon, das von einem Sponsor allen WM-Mitarbeitern mit FIFA-Bezug zur Verfügung gestellt werde, vom Chauffeur bis hin zum Topmanager.

Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, drohen den Beschuldigten Haftstrafen von bis zu vier Jahren. Grundlage ist Artikel 41-G der brasilianischen Fan-Statuten. Dieser ahndet den Weiterverkauf von WM-Tickets zu einem höheren Preis als dem aufgedruckten.

Die Match AG teilte am Dienstag in einer Stellungnahme mit, dass Whelan weiter die Ermittlungen der Polizei unterstützen werde. "Match vertraut völlig darauf, dass die Tatsachen ergeben, dass er (Whelan) gegen kein Gesetz verstoßen hat." Zur Match AG gehören Match Services und der Vertriebspartner Match Hospitality, die im FIFA-Auftrag Ticket-Pakete mit Exklusiv-Leistungen verkaufte, die - je nach Preis und Angebot - Catering, Unterkunft, Parkplätze und Privatlogen beinhalten. Hinter der Match AG steht die "Byrom plc" mit Sitz in Manchester (Großbritannien).

Eine Verwicklung des Neffen von FIFA-Präsident Joseph Blatter in den Fall wurde vom Weltverband am Dienstag dementiert. "Philippe Blatter ist nicht in das operative Geschäft von Match Hospitality eingebunden. Er ist Geschäftsführer von Infront & Sports Media, die ein kleiner Anteilseigner an Match Hospitality ist", sagte FIFA-Sprecherin Delia Fischer.

Whelan war am Montag in einer Suite im Luxus-Hotel Copacabana Palace festgenommen worden. In dem Hotel sind Top-Funktionäre, darunter auch FIFA-Chef Blatter, untergebracht. Auch Match Services arbeitet im Auftrag der FIFA.

In Whelans Zimmer wurden den Polizei-Angaben zufolge 82 Tickets für WM-Spiele sowie ein Computer, ein Handy und Dokumente beschlagnahmt. Whelan hielt sich nach Medienangaben schon seit 2011 für Match Services in Brasilien auf und war unter anderem für die Suche und Auswahl von Hotels zuständig, die dann im Rahmen der Ticket-Pakete mitangeboten wurden.

Als eines seiner Hauptziele beschreibt Match Services auf seiner Homepage eine "effiziente und service-orientierte" Organisation zur "Umsetzung eines transparenten, fairen und gleichberechtigten Ticket-Verkaufsprozesses". Nach Polizeiangaben sollen durch das illegale Ticket-Schiebersystem pro Spiel bis zu zwei Millionen Reais (666 000 Euro) umgesetzt worden sein.

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