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Ticket-Skandal bei der WM 2014: Ray Whelan entzieht sich seiner erneuten Verhaftung

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Ticket-Skandal  

Whelan entzieht sich seiner erneuten Verhaftung

10.07.2014, 23:50 Uhr | sid, dpa

Ticket-Skandal bei der WM 2014: Ray Whelan entzieht sich seiner erneuten Verhaftung. Auch bei der WM 2014  läuft das Geschäft mit illegalen Ticketverkäufen. (Quelle: imago/Fotoarena)

Auch bei der WM 2014 läuft das Geschäft mit illegalen Ticketverkäufen. (Quelle: Fotoarena/imago)

Dramatische Zuspitzung im Skandal um illegal verkaufte WM-Tickets: Nach Verhängung einer Untersuchungshaft ist Ray Whelan, leitender Angestellter beim FIFA-Ticketing-Vertragspartner Match Services AG, auf der Flucht. Dies wurde von der Staatsanwaltschaft bestätigt.

Als Polizeibeamte zur Festnahme im Copacabana Palaca eintrafen, verließ der Brite das Luxushotel in Rio de Janeiro durch den Hinterausgang. Kameras des internen Überwachungssystems hatten den Vorfall registriert. Whelan sollte wie zehn weitere Verdächtige im Skandal um illegal verkaufte Tickets in Untersuchungs-Haft.

Er war wie ein zweiter Verdächtiger nach seinem Verhör zwei Tage zuvor auf Kaution wieder freigelassen worden. Gegen die übrigen Verhafteten, darunter Bandenkopf Lamine Fofana, lief die vorläufige Haftzeit ab, wurde durch den Beschluss der Richterin aber verlängert. Lediglich Jose Massih, der bei den polizeilichen Ermittlungen als Kronzeuge wichtige Informationen beigetragen hatte, darf die weitere Untersuchung auf freiem Fuß verfolgen.

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Anklageerhebung innerhalb von fünf Tagen

Der die Ermittlung leitende Kommissar Fabio Barucke vom 18. Polizeirevier in Rio de Janeiro hatte Staatsanwalt Marcos Kac tags zuvor seinen Bericht übergeben und aufgrund der Beweislage die Anklage aller Verdächtigen gefordert. Kac erwirkte umgehend die Untersuchungshaft und hat nun fünf Tage Zeit, um offiziell Anklage zu erheben.

Die "Operation Jules Rimet" hatte am 1. Juli mit der Verhaftung von Banden-Kopf Lamine Fofana und zehn weiteren Personen den Schwarzmarkthändler-Ring auffliegen lassen. Die Gruppe soll Ticketpakete aus Hospitality- und VIP-Kontingenten für überhöhte Preise verkauft und Millionen dabei umgesetzt haben. Die Eintrittskarten stammen angeblich von Whelan, der im FIFA-Hotel Copacabana Palace in Rio Zugriff auf die Kontingente hatte.

"Willkürliche und illegale Festnahme"

Unterdessen hat Match den Umgang der Polizei von Rio de Janeiro mit Whelan scharf kritisiert. Die vorläufige Festnahme des Briten vor zwei Tagen wurde in einer Pressemitteilung als "willkürlich und illegal" bezeichnet.

Fast schon ehrabschneidend für die Ermittlungsbehörden war die weitere Match-Behauptung: "Der 18. Polizeibezirk von Rio macht Annahmen ohne eine saubere Untersuchung und mit einem minimalen Verständnis, wie das System zum Verkauf von Ticket- und Hospitality-Paketen wirklich funktioniert."

Sportminister verteidigt Brasiliens Justiz

Sportminister Aldo Rebelo wies die Anschuldigungen umgehend zurück und betonte die Rechtsstaatlichkeit und Gewaltenteilung in Brasilien. "Es wurde kein Beweis präsentiert, dass die Ermittlungen über oder unter der legalen Grenze waren. Die Gerichte haben die Aufgabe, die Dinge zu bewerten. Ich weiß nicht, warum diese Firma sagt, die Polizei habe illegal gehandelt", erklärte Rebelo bei einer FIFA-Pressekonferenz im Maracana-Stadion.

Wenige Stunden später legte Match Services mit einer merkwürdig anmutenden Pressemitteilung von Co-Firmenchef Jamie Byrom nach. In dieser wiederholte er einerseits den Vorwurf, die Polizei in Rio habe das Ticket-Verkaufsprinzip nicht verstanden. Der Mexikaner empfahl den Beamten die Lektüre der Informationen hierzu auf der FIFA-Homepage.

Andererseits wurden die Kooperation im Kampf gegen Schwarzmarkthandel mit anderen Polizeieinheiten hervorgehoben und namentlich ein Dutzend Beamte aus mehreren WM-Spielorten fast schon überschwänglich gelobt.

FIFA auf Tauchstation

Und die FIFA? Bislang hat sich der Weltverband aus den Ermittlungen so gut es eben ging herausgehalten, Kommentare mit Verweis auf laufende Ermittlungen abgelehnt. Diese Strategie wurde fortgesetzt. Doch nun droht ein dauerhafter Schatten auf die WM zu fallen - nicht auf den sportlichen Wettbewerb, der von den Machenschaften um die VIP-Pakete unberührt bleibt, aber auf die FIFA als Turnierveranstalter allemal.

Wie sensibel die brasilianischen Gastgeber auf eine Bevormundung durch die in Brasilien keinesfalls wohlwollend verfolgte FIFA reagieren, war deutlich geworden, als Generalsekretär Jérôme Valcke im Laufe der schleppenden Stadion-Bauphase den Brasilianern in einem unüberlegten Moment einen Tritt in den Allerwertesten verpassen wollte. Nun wird von Geschäftsfreunden von FIFA-Chef Joseph Blatter die staatliche Autorität attackiert. Das dürfte vielen am Zuckerhut kurz vor dem großen Finale kaum gefallen - wie die Reaktion des brasilianischen Sportministers schon zeigte.

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Imageschaden bleibt

Ob die FIFA für die Zukunft lernt, ist fraglich. Verträge mit Match sind bis 2022 unterzeichnet. Wieder einmal ist es nach dem Debakel mit der Pleite- und Bestechungsfirma ISL zum Jahrtausendwechsel der Vertriebspartner für die Exklusivpakete, der den Weltverband mit in Verruf bringt. Durch die Ermittlungen, egal welchen Ausgang sie nehmen werden, wird ein System offenbar, das auf maximalen Gewinn ausgerichtet und weit entfernt ist von der fröhlichen Party der zigtausenden Fans aus den WM-Ländern in und außerhalb der Stadien.

Für den einfachen Fan bleibt hängen, dass die FIFA sich mit einer Firma eingelassen hat, die im Dunstkreis der Fußball-Mächtigen Geschäfte treibt - auch mit dubiosen Figuren wie dem Algerier Lamine Fofana, der in einem Luxushotel WM-Pakete für mehrere Tausend Dollar bar veräußert hat.

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