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Kapitän Lahm auf Matthäus' Spuren

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Fußball  

Kapitän Lahm auf Matthäus' Spuren

11.07.2014, 16:15 Uhr | dpa

Kapitän Lahm auf Matthäus' Spuren. Als Sechsjähriger hatte Philipp Lahm verfolgt, wie Lothar Matthäus Weltmeister wurde.

Als Sechsjähriger hatte Philipp Lahm verfolgt, wie Lothar Matthäus Weltmeister wurde. Jetzt eifert er ihm nach. Foto: Thomas Eisenhuth. (Quelle: dpa)

Santo André (dpa) - An diese Szene erinnert sich Philipp Lahm ganz genau: Nach dem gewonnenen Finale 1990 in Rom gegen Argentinien stemmte Lothar Matthäus mit einem lauten Schrei den goldenen Weltpokal in die Luft.

Gerade einmal sechs Jahre alt war der damals schon fußballverrückte TV-Zuschauer Lahm im Jahr des letzten deutschen WM-Triumphes. "Ich habe es mir hundertmal in der Wiederholung angeschaut", hat der aktuelle DFB-Kapitän verraten: "Das ist was Besonderes."

24 Jahre danach steht Lahm selbst gegen Argentinien in einem WM-Endspiel und will es Rekordnationalspieler Matthäus nachmachen. "Es hat alles so funktioniert, wie wir uns das vorgestellt haben", bemerkte der Münchner vor seinem 113. Länderspiel am Sonntag im Fußballtempel Maracanã zum bisherigen WM-Verlauf. "Jetzt sind wir einen Schritt davon entfernt, den großen Traum wahr zu machen", sagte Lahm schon voller Vorfreude.

Das Turnier in Brasilien hatte er im defensiven Mittelfeld begonnen. Auch weil Bundestrainer Joachim Löw nicht sicher war, dass die lange verletzten Sami Khedira und Bastian Schweinsteiger im Turnier rechtzeitig in Topform kommen. "Es war uns von Anfang an klar, dass wir Sami und Bastian erst nach und nach an die Spielweise und das Niveau in Brasilien heranführen müssen. Mit Philipp Lahm im Mittelfeld haben wir eine weitere Alternative erarbeitet. Er hat diese Position übrigens auch beim FC Bayern auf einem überragenden Niveau gespielt", erklärte der Bundestrainer.

Im Achtelfinale gegen Algerien verschob Löw seinen Kapitän wieder zurück nach rechts hinten, nachdem Aushilfskraft Shkodran Mustafi einen Muskelbündelriss erlitten hatte und für den Rest der WM ausfiel. "Wir halten nicht starr an etwas fest", erklärte Löw-Assistent Hansi Flick danach. Als rechter Verteidiger brachte Lahm in den K.o.-Spielen mehr defensive Ordnung und mehr offensive Ausrichtung ins deutsche Spiel.

"Philipp ist ein absoluter Weltklassespieler, zu dessen großen Stärken seine Variabilität und Flexibilität gehören", meinte der DFB-Chefcoach. "Es ist doch klar, dass wir diese Stärken im Sinne der Mannschaft einsetzen." Lahm selbst betonte auch in Brasilien immer, er spiele klaglos auf jeder Position. Ein bisschen lieber war ihm aber schon die Mittelfeldrolle. Doch der Erfolg rückt das in den Hintergrund.

"Für uns alle kann es losgehen. Die Anspannung ist da, vor allem die Vorfreude", erklärte Lahm am Freitag mit Blick auf das große Endspiel: "Wir wollen den Weltmeistertitel nach Deutschland bringen."

Champions-League-Sieger, Club-Weltmeister, deutscher Meister, Pokalsieger, Supercupgewinner - auf Vereinsebene hat Lahm mit den Bayern alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Nach zwei dritten Plätze bei den WM-Turnieren 2006 und 2010 will er nun den ganz großen Coup mit der DFB-Elf. "Klar bin ich mir bewusst, dass es meine letzte WM sein kann", bemerkte Lahm zur zusätzlichen Motivation.

"Die Mannschaft ist bereit, die Mannschaft hat eine gute Basis in der Defensive und hat Qualität", betonte der Bayern-Profi. "Man muss einfach unsere letzten Jahre sehen. Sie ist gereift. Dann hat sich die Mannschaft das einfach auch erarbeitet, wieder im Finale zu stehen", ergänzte der 30-Jährige.

Der könnte nun mit einem Erfolg in Rio de Janeiro in die Reihe der deutschen Weltmeister-Kapitäne aufrücken. Jüngster deutscher Spielführer bei einem Titelgewinn war 1974 Franz Beckenbauer mit 28 Jahren. 1990 war Lothar Matthäus 29. Als Fritz Walter 1954 geehrt wurde, war er schon 33 Jahre alt.

Lahm sieht seine Finalchance auch als Ausdruck der Kontinuität - bei sich selbst und dem DFB-Team: "Wie die Mannschaft in den letzten Jahren aufgetreten ist, war das immer positiv. Das wird auch im Ausland honoriert." Ein WM-Titel erst recht.

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