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Tiger Woods nach der Unfall-Affäre - ein gefallener Star

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Golf  

Der Tiger landet in der Besenkammer

12.02.2010, 23:00 Uhr | dpa

Tiger Woods. (Foto: ddp)Tiger Woods. (Foto: ddp) Ein Star ist gefallen. Tiger Woods, seit Jahren Inbegriff der aussterbenden Gattung Gentleman-Sportler, ist nach privaten Turbulenzen plötzlich Freiwild in den Niederungen des Boulevards. Ein Mann, dem die Privatsphäre alles gilt, soll nun Details seines Ehelebens öffentlich machen.

Einzig Meredith Baxter droht, Tiger Woods diese Woche den Rang abzulaufen. Die Fernsehschauspielerin ist so etwas wie die Mutter Beimer Amerikas und outete sich nun, im Alter von 62 Jahren, als lesbisch. Tolle Geschichte. Fast so gut wie die von Tiger Woods, seiner Ehefrau, dem Golfschläger und der Cocktailkellnerin. Aber eben nur fast.

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Woods' Privatleben sorgt erstmals für Schlagzeilen

Der Ausnahmesportler Eldrick Tont "Tiger" Woods, 33, tut dieser Tage etwas, was er noch nie tat und sicher auch nie zu tun beabsichtigte. Er macht Schlagzeilen - nicht mit unglaublichen Rekorden auf dem Golfplatz wie in den vergangenen 14 Jahren, sondern aufgrund privater Turbulenzen. Weil Woods, so tönt es hämisch im Blog- und Blätterwald, seine Frau, die Schwedin Elin Nordegren, mit silikonverstärkten Nachtclub-Schönheiten und Kellnerinnen betrogen habe, habe die ihn mittels Golfschläger vom Hof gejagt. Ausgerechnet mit dem Handwerkszeug ihres Gatten, einem 3er Eisen, soll Nordegren die Heckscheibe seines Cadillacs zertrümmert haben.

Video: Sponsoren bleiben Woods treu

Der Held stürzt vom Podest

Tiger Woods, der einzige Superstar des Sports, der sich immer und grundsätzlich wie ein Gentleman aufführte, stürzt unversehens vom Podest der Heldenverehrung in die Niederungen des Boulevard. Tiger Woods, der Erhabene, Makellose, ist in der Besenkammer aufgeschlagen.

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Golf Woods ist erster Sportmilliardär

Ganz Amerika ist verblüfft

Hätte man Barack Obama im Oval Office mit einer Praktikantin erwischt - die Verblüffung der Amerikaner wäre nicht größer gewesen angesichts der Enthüllungen über das Privatleben eines Sportlers, dem der Schutz seiner Privatsphäre alles gilt. Ausgerechnet Woods, der bislang nie, nicht mal einen Millimeter, vom Wege abkam, steht nun im Mittelpunkt von Schlafzimmer-Spekulationen.

"Fleischgewordener Traum aller Marketingstrategen"

Dass man über ihn und seine Frau Elin Nordegren nie etwas in Klatschblättern lese, so schrieb Woods unlängst in einen "Facebook"-Fragebogen, liege daran, dass sie beide so langweilig seien. Ein gewisser Stolz war aus der Anmerkung herauszuhören. Seine Yacht taufte er auf den Namen "Privacy". Seine Liebe zum Tauchsport begründete er einst damit, dass es den Fischen da unten im Meer egal sei, wer Tiger Woods ist.

Der Golf-Milliardär eckt nie an

In der Werbewirtschaft gilt Woods als ideales Testimonial, weil er nie irgendwo aneckt. Was die breite Öffentlichkeit über ihn weiß, ist schnell auf den Punkt gebracht: Woods spielt genial Golf und ist steinreich. "Er ist der fleischgewordene Traum aller Marketingstrategen", schrieb die "Financial Times", "weil seine Sponsoren absolut sicher sein können, dass er nie etwas Kontroverses sagen oder tun wird."

Vergleich zwischen Obama und Woods

Im Kakophonie-Konzert unserer hyperkommunikativen Welt gibt der Tiger die Auster. So ist es typisch, dass er sich in Sachen Barack Obama, mit dem er aus naheliegenden Gründen oft verglichen wurde, lediglich den dürren Kommentar abringen ließ: "Ich habe ihn bei einer seiner Reden gesehen, er weiß sich extrem gut zu artikulieren."

Nie auf der Suche nach Ausreden

Wenn seine Karriere von Handicaps beeinträchtigt zu werden drohte, behandelte Woods selbst das als Privatsache. Seinen 14. großen Titel gewann Woods bei den US Open 2008 trotz eines lädierten Knies. Nicht, dass einer wie Woods viel Aufhebens davon gemacht hätte. Das Ausmaß seiner Verletzung gab er nicht etwa vor oder während des Turniers bekannt, oder als er die Trophäe in der Hand hielt, sondern wenige Tage später, ganz diskret, auf seiner Website.

Hochgelobt von der Presse

"Woods siegt auf einem Bein", jubelte die Presse. "Was der Kerl da macht, kann man beim besten Willen nicht mehr als normal bezeichnen", kommentierte Woods' Kontrahent Rocco Mediate.

Wo Woods nicht ist, kann Golf nicht sein

Für Woods geht Kontrolle über alles. Schon sein Nimbus verschafft ihm auf dem Platz einen kapitalen Vorteil. Allein die zivil im Zaum gehaltene Aggressivität seiner Präsenz vermag die Konkurrenz ins Schwitzen zu bringen.

Der Tiger hat Golf in neue Dimensionen getrieben

Tiger Woods hat nicht nur das Spiel selbst, er hat auch dessen wirtschaftliche Rahmenbedingungen verändert, die Preisgelder in astronomische Höhen getrieben. Wenn Woods nicht spielt, ist das für den Golfsport und seine Sponsoren nicht nur bedauerlich - es ist eine Katastrophe. Als Woods im Alter von nur 21 Jahren als erster nicht-weißer Spieler das Masters gewann, verzeichneten die Veranstalter die höchste TV-Einschaltquote aller Zeiten.

Ohne Woods keine gute TV-Quote

Als Woods sich 2008 jedoch aufgrund seiner Knieverletzung vorzeitig aus der Saison verabschieden musste, lag die Einschaltquote nur noch bei knapp 47 Prozent des Vorjahres. Wo Woods nicht ist, kann Golf nicht sein.

Der Unfall - eine Affäre mit Langzeiteffekt?

Die im aufgeregten Woods-Gedöns dieser Tage mit Nachdruck gestellte Frage war also, ob und inwieweit sich die "Causa Cadillac" auf sein Image und seine Sponsoren auswirken würde. Dabei geht es nicht darum, ob Woods nun tatsächlich Affären hatte oder nicht, sondern um Public Relations. Muss sich ein Sportidol wie Woods "den Fans", "den Menschen", "der Öffentlichkeit" erklären? Auspacken oder einpacken - ist das hier die Frage?

Häme und Spott für den Übermenschen

Attackiert wurde Woods am heftigsten, als er zwei Tage nach dem Unfall eine verschwurbelte Erklärung abgab, die das Geschehen eben keineswegs erklärte, sondern neue Fragen aufwarf. In Comedy-Shows und Blogs wurde Woods mit Häme überzogen. Wenn er sich denn schon ebenso dämlich benehme wie jeder Tom, Dick und Harry, so der Tenor, dann solle er doch seine so unsanft aus ihrer Heldenverehrung gerissenen Fans bitte nicht auch noch für dumm verkaufen. Seine Frau habe das Heck des Cadillac zertrümmert, um Woods aus dem Auto zu helfen? Nicht mal der Airbag sei aktiviert worden, so gering sei die Wucht der Kollision gewesen, die Türen ließen sich öffnen - weshalb habe seine Frau dann die Scheibe einschlagen müssen?

"Tiger Woods is God" wird nicht verlängert

Der Betreiber der Website "tigerwoodsisgod" kündigte an, keine Lizenzverlängerung beantragen zu wollen. Die jüngsten Geschehnisse hätten gezeigt, dass Woods "ein Serien-Ehebrecher, dreister Lügner und egoistischer Feigling" sei, der nicht den Mut habe, die Fakten auf den Tisch zu legen. Der Golfspieler Jesper Parnevik kündigte an, sich bei der Ehefrau von Tiger Woods dafür entschuldigen zu wollen, dass er sie vor acht Jahren miteinander bekannt machte: "Wir haben gedacht, er sei ein besserer Typ, als er es tatsächlich ist."

Golf-Kollegen fordern öffentliche Beichte

Woods' Spielerkollege Steve Stricker verstieg sich zu der Forderung, Tiger solle das Medium Fernsehen für eine Generalbeichte nutzen. "Ich fände es gut, wenn er jetzt im TV aufträte und ein bisschen was rausließe", sagte Stricker, Nummer drei der Weltrangliste. Auch der legendäre John Daly, von Charakter und bukolischer Lebensweise her das exakte Gegenteil des Asketen Woods, mahnte: "Was auch passiert, sag die Wahrheit."

"Hülle dich in Schweigen"

"Hülle dich in Schweigen", riet dagegen der Blog "The Daily Beast". Diese Strategie befolge beispielsweise Apple-Chef Steve Jobs seit Jahren, der Homestorys generell verweigert. Mit dieser Zurückhaltung sei der auch nie schlecht gefahren, auch wenn die Journalisten ihn hassten wie die Pest. Der Sportjournalist Rick Reilly vom Kanal ESPN argumentierte, "der Tiger" habe die Pflicht, die Wahrheit offenzulegen - immerhin betreibe seine Stiftung Bildungseinrichtungen für Kinder, und denen müsse man vorleben, dass man ehrlich sein müsse. "Wenn Woods nicht bald ein paar Fragen beantwortet", schwadronierte Reilly, "lernen die Kinder nur, wie man vor etwas davonläuft."

"Newsweek": "Verlogene Argumentation

Verlogen nennt die "Newsweek" diese Argumentation - es gehe den vermeintlichen Wahrheitsfanatikern nicht darum, Fakten zu Tage zu fördern, vielmehr wollten sie bloß die Nase in Dinge stecken, die nur einen etwas angehen: Tiger Woods. Immerhin: Dessen Groß-Sponsoren wie Nike oder Gillette teilten inzwischen mit, dass die Partnerschaft mit Woods nicht beeinträchtigt sei. Und entschuldigen müsse sich Tiger Woods nur dafür, witzelte Latenight-Moderator Jimmy Kimmel, dass er früher immer so langweilig war.

Woodsmania neigt sich dem Ende zu

So neigt sich in den USA eine Woche der Woodsmania ihrem Ende zu. Die Nachrichtenlage, heißt es in der "New York Times", sei ansonsten ja auch einfach zu deprimierend. Kein Wunder, wenn angesichts von Obamas geplanter Truppenverstärkung in Afghanistan ein Golfspieler und seine Fahrzeugprobleme in der Auffahrt als Story favorisiert würden. "Wenn Sie sich lieber Tigers Eheproblemen widmen möchten, dann haben wir Verständnis."

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