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Handballskandal: Prozess gegen Schwenker und Co. hat begonnen

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Schwenker und Co: Streit, Manipulation, Erpressung

21.09.2011, 12:27 Uhr | Spiegel Online

Handballskandal: Prozess gegen Schwenker und Co. hat begonnen. Schwenker (re.) und Serdarusic: Einst die mächtigsten Männer beim THW Kiel, heute im Zwielicht. (Quelle: imago)

Schwenker (re.) und Serdarusic: Einst die mächtigsten Männer beim THW Kiel, heute im Zwielicht. (Quelle: imago)

Es geht um nicht weniger als den guten Ruf des deutschen Handballs. Am Mittwoch hat der Prozess gegen Uwe Schwenker und Zvonimir Serdarusic begonnen, einst die beiden mächtigen Männer beim THW Kiel. Die Angeklagten bestreiten die erhobenen Bestechungsvorwürfe - und gehen selbst in die Offensive.

Manch einer sah in dem Fall nicht nur den größten Handballskandal aller Zeiten, sondern auch das Drehbuch für großes Kino. "Ich will die Filmrechte!", schrieb ein Fan im März 2009 im Internet-Forum Handballecke.de, und er hatte sich auch schon Gedanken über die Besetzung gemacht: Heino Ferch als Uwe Schwenker, Helge Schneider als Thorsten Storm, Claus Theo Gärtner als Zvonimir Serdarusic, Désirée Nick als Mirjana Serdarusic, und Lolek und Bolek als die polnischen Schiedsrichter.

Spektakulärste Prozess

Nun, zweieinhalb Jahre später, entscheidet das Landgericht Kiel, ob der Plot als Tragödie für die gesamte Sportart oder als Happy End schließt. Am Mittwoch begann der Prozess vor der 5. Strafkammer, der endlich die Umstände jenes angeblich manipulierten Champions League-Finales von 2007 klären soll, in dem der THW Kiel gegen die SG Flensburg-Handewitt siegte und seinen ersten Titel in der Königsklasse gewann. Es ist der spektakulärste Prozess, den der Handball je gesehen hat. 21 Prozesstage hat das Gericht angesetzt.

Angeklagte bestreiten alle Vorwürfe

Angeklagt sind Uwe Schwenker, der 2007 noch als Manager des THW Kiel fungierte, und der damalige Trainer Zvonimir "Noka" Serdarusic. Vorgeworfen werden ihnen Untreue und Bestechung im geschäftlichen Verkehr. Zur Debatte steht nicht nur das Final-Rückspiel von 2007, auch andere Partien im Europapokal stehen unter Verdacht. Ungeklärt ist der Verbleib von rund 150.000 Euro. Die Angeklagten bestreiten alle Vorwürfe, wie auch die beiden polnischen Schiedsrichter Miroslaw Baum und Marek Goralczyk, die 2007 das unter Verdacht stehende Rückspiel in Kiel gepfiffen hatten und für Ende Oktober als Zeugen geladen sind.

Schwenker und Serdarusic wegen ihrer Frauen zerstritten

Hätten sich die beiden Angeklagten, die den THW seit 1993 gemeinsam zum erfolgreichsten deutschen Handballclub aufgebaut hatten, damals nicht wegen ihrer Frauen zerstritten, wäre es wahrscheinlich nie zu diesem Prozess gekommen. Als Schwenkers Ehe in die Brüche ging, und der Manager im VIP-Bereich der Kieler Ostseehalle mit einer neuen Freundin auftauchte, wurde er von Mirjana Serdarusic mit derben Flüchen überzogen. Am Ende eines Machtkampfes trennte sich der Club im Juni 2008 von Trainer Serdarusic. Das kostete den THW damals rund 143.000 Euro netto (Gehaltsfortzahlung) und eine Abfindung in Höhe von 170.000 Euro brutto.

Hat Serdarusic Kiel erpresst?

Schwenkers Verteidigungsstrategie beruht unter anderem auf der Behauptung, dass das Ehepaar Serdarusic danach einen Rachefeldzug gegen ihn gestartet habe. Dazu gehört der Vorwurf Schwenkers, wonach Serdarusic, der im Dezember 2008 einen ab Juli 2009 laufenden Trainervertrag bei den Rhein Neckar-Löwen unterschrieb (Jahresgehalt 210.000 Euro jährlich), mit erpresserischen Mitteln versucht habe, den Weltstar Nikola Karabatic und Rechtsaußen Vid Kavticnik nach Mannheim zu lotsen.

Kiels Anwälte gehen in die Offensive

"Verantwortliche der Rhein-Neckar-Löwen haben die Bestechungsvorwürfe in Verhandlungen mit THW-Verantwortlichen über Spieler-Ablösungen einfließen lassen. Es wurde außerdem versucht, die geforderte Ablösesumme von drei Millionen Euro für Karabatic und Kavticnik auf 1,3 Millionen Euro zu drücken", hieß es im März in einer Erklärung der Rechtsanwälte Michael Gubitz und Gereon Wolters, die Schwenker vertreten. Es sei ihnen "unverständlich, dass die Staatsanwaltschaft bislang keine Ermittlungen wegen Erpressung gegen Verantwortliche der Rhein Neckar-Löwen eingeleitet hat". Delikat daran ist, dass Serdarusic ebenfalls angeklagt ist.

Platz noch die "große Bombe"?

Der Angriff Schwenkers zielt freilich auch auf den dänischen Löwen-Gesellschafter Jesper Nielsen, den wichtigsten Zeugen der Staatsanwaltschaft, und auf Löwen-Manager Thorsten Storm, der einst sein Handwerk bei Schwenker lernte. Storm selbst raunte gegenüber Journalisten schon im Dezember 2008 von einer "großen Bombe", die bald platzen würde. Eine der wichtigsten Fragen ist, unter welchen Umständen die Löwen schließlich den Vertrag mit Serdarusic im Februar 2009 auflösten, und warum Serdarusic keine Abfindung beanspruchte.

Handball-Welt schaut gespannt nach Kiel

Es könnte also böses Blut geben, auch unter den Angeklagten, weshalb die Handballszene gebannt nach Kiel schaut. Sollten sich die Manipulationsvorwürfe tatsächlich im Laufe des Prozesses erhärten, würde dies die gesamte Sportart in eine tiefe Krise stürzen, denn die Schiedsrichter haben auch wichtige Spiele bei Welt- und Europameisterschaften sowie bei Olympischen Spielen gepfiffen.

THW verkörperte immer Fairplay

Eine Verurteilung würde die Behauptung der Europäischen Handball-Föderation (EHF), das Finale von 2007 sei sauber verlaufen, lächerlich machen. Auch wäre für immer ein Fleck auf der Geschichte des ruhmreichen THW Kiel, der seit den 1950er Jahren die Ideale des Fairplay verkörpert hatte. Schließlich würde durch eine Verurteilung auch die Aussage Schwenkers, der vor dem Skandal der einflussreichste Funktionär des Handballs war, aus der vergangenen Woche eine neue Bedeutung erfahren: "Dass der THW zu einem der Topclubs Europas aufgestiegen ist, ist sicherlich auch durch meine Mitwirkung geschehen."

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