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Handball-Skandal: Karabatic muss vor Gericht

02.10.2012, 19:12 Uhr | dpa

Erste Strafverfahren im Handball-Skandal eingeleitet. Nikola Karabatic räumte Wetteinsätze ein.

Nikola Karabatic räumte Wetteinsätze ein. (Quelle: dpa)

Paris (dpa) - Im französischen Wett- und Manipulationsskandal ist ein Strafverfahren gegen den früheren Kieler Handball-Star Nikola Karabatic eingeleitet worden.

Neben dem 28-jährigen Olympiasieger von 2012 müssen sich auch dessen Bruder Luka, drei andere aktuelle oder ehemalige Profis des französischen Meisters Montpellier AHB sowie sechs weitere Personen wegen Betrugs vor Gericht verantworten.

Das habe der Untersuchungsrichter nach stundenlangen Anhörungen aller Verdächtigen in Montpellier entschieden, berichteten französische Medien am späten Dienstagabend unter Berufung auf Justizkreise. Den Betroffenen drohen wegen Sportkorruption und Betrugs bis zu fünf Jahre Haft und Geldstrafen von 75 000 Euro.

Das gleiche Schicksal wie Nikola und Luka Karabatic trifft den Angaben zufolge auch Samuel Honrubia, französischer Nationalspieler und Olympiasieger von 2012, den serbischen Internationalen Mladen Bojinovic sowie den slowenischen MAHB-Profi Primoz Prost. Honrubia und Bojinovic waren im Sommer von Rekordmeister und 20003-Champions-League-Sieger Montpellier zu Paris SG gewechselt.

Die Handballer stehen im Verdacht, in der vorigen Saison im MAHB-Trikot ein Meisterschaftsspiel absichtlich verloren zu haben. Damit sollen sie Verwandten und Bekannten nach jüngsten Behördenangaben hohe Wettgewinne von insgesamt knapp 300 000 Euro ermöglicht haben.

Insgesamt wurden am Dienstag Strafverfahren gegen elf Personen eingeleitet, darunter die beiden Freundinnen der Karabatic-Brüder. Sie alle seien nach der Entscheidung gegen Kaution wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Nikola Karabatic, der mit Frankreich zweimal Olympiasieger und zweimal Weltmeister war und in seiner Heimat 2011 zum Sportler des Jahres gewählt worden war, gab seit Ausbruch des Skandals noch keine persönliche Stellungnahme ab.

Die Ermittlungen waren erst am vergangenen Mittwoch bekannt geworden. Bei der Affäre geht es um die 28:31-Niederlage Montpelliers am 12. Mai beim abstiegsgefährdeten Cesson-Rennes HB. MAHB stand damals als Meister fest, die späteren London-Olympiasieger Karabatic und Honrubia waren wegen Verletzung nicht dabei. Am Sonntag waren Karabatic und andere Profis nach einem Spiel noch in der Kabine von Beamten verhört und dann mit heulenden Sirenen in Polizeiwagen weggefahren und in Gewahrsam genommen worden.

Karabatic-Anwalt Eric Dupond-Moretti hatte am Montag den Verdacht einer Spielmanipulation zwecks Bereicherung durch die Spieler zurückgewiesen. "Sie haben gewettet, das ist ein sportliches Vergehen, keine Straftat (...) Betrogen haben sie aber nicht", versicherte er. Staatsanwalt Brice Robin äußerte starke Zweifel. "Kann man ein Spiel normal bestreiten (...) wenn man weiß, dass man auf die Niederlage des eigenen Clubs hohe Summen gewettet hat?"

Während des Spiels von Montpellier - Champions-League-Gegner der SG Flensburg-Handewitt - bei Cesson-Rennes wurden seinerzeit ungewöhnlich viele hohe Wetteinsätze auf einen Halbzeitrückstand und eine Niederlage der Gäste getätigt. Die Polizei fand heraus, dass viele Wetten damals von Frauen, Freundinnen, Freunden und Angehörigen der Spieler abgeschlossen wurden.

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