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Ex-Bundestrainer Schobel klagt Handball-Spitze an

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Ex-Bundestrainer Schobel klagt DHB-Spitze an

15.10.2012, 15:15 Uhr | dpa

Ex-Bundestrainer Schobel klagt Handball-Spitze an. Trauerfeier für Erhard Wunderlich in Augsburg.

Trauerfeier für Erhard Wunderlich in Augsburg. (Quelle: dpa)

Augsburg (dpa) - Mit großem Unverständnis haben der ehemalige Handball-Bundestrainer Simon Schobel und andere treue Weggefährten auf die fehlende Anteilnahme des Deutschen Handballbundes bei der Beisetzung von Nationalspieler Erhard Wunderlich reagiert.

"Seit meinem Rückzug als Bundestrainer habe ich mich aus jeglichen Diskussionen rausgehalten, doch jetzt habe ich zu große Schmerzen und frage mich ständig, wo war denn der Rest? Wo waren die Spieler von 78? Wo waren die Spieler von 84? Wo waren die Funktionäre und der Trainerstab des Deutschen Handballbundes?", schrieb Schobel in einem bei "Kicker.de" veröffentlichten Offenen Brief an "Sepp".

Der aus Rumänien stammende Handball-Experte, der als Nachfolger von Vlado Stenzel 1982 mit 32 Jahren der jüngste Bundestrainer in der Geschichte des DHB war, ließ kein gutes Haar an den Funktionären und Trainern des deutschen Fachverbandes. "Wenn diese Leute noch einen Funken Ehre in sich haben, sollten sie von ihren Ämtern zurücktreten. Ich rufe die Landesfürsten auf, diese Leute endlich ihrer Ämter zu entheben. Diese Schande kann der deutsche Handball nicht einfach schweigend hinnehmen." Schobel betonte, dass die Sportart durch diese Leute großen Schaden genommen habe. "Darum werde ich nicht mehr schweigen! Die ehemaligen Spieler, die da waren, haben die gleiche Meinung wie ich", meinte der 62 Jahre alte Trainer, der 1984 in Los Angeles Olympia-Silber mit Co-Trainer Heiner Brand gewann.

Am Montagabend äußerte DHB-Präsident Ulrich Strombach sein Bedauern, dass er aus dringenden dienstlichen und persönlichen Gründen an der Beisetzung nicht teilnehmen konnte. Das habe er auch Frau Pia Wunderlich in seinem Kondulenzbrief mitgeteilt.

Bei der Beisetzung am vergangenen Mittwoch in Augsburg erwiesen die Mitspieler Kurt Klühspies und Manfred Hofmann von der 78er Mannschaft und Uli und Michael Roth, Andreas Thiel und Rüdiger Neitzel von der 84er-Mannschaft dem deutschen Jahrhunderthandballer die letzte Ehre. "Wir blieben alle sehr stumm, weil wir die Spieler von 78 und 84 suchten, weil wir die Spieler von Gummersbach suchten, weil wir die Funktionäre und Trainer des Deutschen Handballbundes suchten. Aber wir fanden keinen", schreibt Schobel und endet mit den Worten: "DANKE SEPP, dass Du mich durch Deine Beerdigung bewogen hast, nicht mehr zu schweigen. Ich danke Dir, dass es Dich in meinem Leben gegeben hat... Dein Simon Schobel".

Auch Kurt Klühspies macht seinen Ärger Luft. "Wenn so eine Legende des Handball so früh von uns geht, dann sollte man sich selbst hinterfragen, ob man nicht dort sein müsste", sagte der ehemalige Nationalspieler bei "SPORT BILD PLUS". Der ehemalige Weltklassetorhüter Andreas Thiel, der als Justiziar der Handball-Bundesliga wenigstens noch die HBL vertrat, meinte gewohnt wortkarg: "Das geht gar nicht." Weltmeister-Trainer Vlado Stenzel, der auch die Grabrede hielt, hatte schon unmittelbar nach der Beisetzung wütend reagiert: "Tiefer kann ein Verband nicht sinken. Es ist eine Schande, wie sich der DHB verhalten hat. Der deutsche Handball ist am Boden."

Aus der DHB-Führungsriege hatte sich auch Horst Bredemeier entschuldigt: "Ich hatte mich bereits am Sonntag bei der Präsidiumssitzung in Leipzig aus privaten Gründen abgemeldet", sagte der DHB-Vizepräsident Leistungssport der dpa.

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