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Erst Rost, dann Rudolph - wer kann HSV noch führen?

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Erst Rost, dann Rudolph - wer kann HSV noch führen?

29.10.2013, 16:18 Uhr | dpa

Erst Rost, dann Rudolph - wer kann HSV noch führen?. Matthias Rudolph ist nicht länger Präsident des HSV Handball.

Matthias Rudolph ist nicht länger Präsident des HSV Handball. Foto: Axel Heimken. (Quelle: dpa)

Hamburg (dpa) - Im Juni jubelten die Handballer des HSV Hamburg noch über den Gewinn der Champions League - vier Monate später ist die Stimmung im Keller.

Erst die lächerliche Posse um Geschäftsführer Frank Rost, der im Kompetenzgerangel mit Matthias Rudolph entnervt die Brocken hinwarf, dann der Bundesliga-Fehlstart mit 0:4 Punkten und nun der Rücktritt des Präsidenten selbst.

Die Doppelbelastung des eigenen Unternehmens und des HSV Hamburg habe ihn zu dieser Entscheidung bewogen, hieß es in der Club-Mitteilung. "Außerdem leidet das Familienleben durch die räumliche Entfernung, und ich kann der Aufgabe als Präsident in der Form nicht so nachkommen, wie es sein sollte", wurde Matthias Rudolph zitiert.

Doch wasverkündet wurde, stand schon länger fest - und hat ganz andere Gründe: Die Chemie zwischen Rudolph und Trainer Martin Schwalb stimmt nicht mehr. Nach der 26:32-Niederlage Anfang September in der heimischen O2-World gegen Meister und Pokalsieger THW Kiel soll es gewaltig gekracht haben, der 55 Jahre alte Betreiber mehrerer Apotheken warf danach die Brocken hin. Öffentlich wurde der Schritt erst jetzt, nachdem die Hamburger in der Bundesliga zuletzt in Berlin sportlich wieder überzeugten und Rudolph mit der Familie weit weg in Florida urlaubt.

"Wir haben immer ein gutes Verhältnis gehabt. Wir haben uns in der Vergangenheit sehr viel ausgetauscht und werden uns auch in Zukunft austauschen", sagte dazu Schwalb im Interview des Internetportals "Sport1".

17 Monate lang hatte der Unternehmer aus dem Ruhrgebiet den schwierigen Club geführt. Als Hauptgesellschafter übernahm er die Anteile seines Bruders Andreas, der von 2004 bis 2011 als Mäzen und Alleinherrscher die Hanseaten als Handball-Schwergewicht etablierte. Der 58-Jährige soll mehr als 20 Millionen Euro in die Profi-Abteilung gepumpt haben, die bis heute keine richtige Nachwuchsarbeit leistet.

2011 feierten die Hamburger sogar die Meisterschaft auf dem Rathausbalkon, in diesem Jahr folgte der Champions-League-Triumph. Die Euphorie in der Hansestadt um den Retortenclub, der 2002 mit der Lizenz des Zweitligisten Schwartau an die Elbe verpflanzt wurde, ist mittlerweile verflogen. Der Ticketverkauf ist rückläufig. "Bei uns ist nicht Land unter. Es ging einfach nicht mehr. Matthias Rudolph ist an seine Grenzen gestoßen, die Doppelbelastung war zu groß. Aber das belastet uns nicht allzu sehr in unserem Tagesgeschäft und wir hoffen, dass er das, was er an Zeit übrig hat, für den HSV einsetzen wird", sagte Schwalb.

Matthias Rudolph beteuert, dem HSV weiter gewogen zu bleiben und seine Anteile nicht veräußern zu wollen. Nach Informationen des "Hamburger Abendblatts" gab es aber schon Probleme bei den September-Gehältern, sie sollen nur dank einer Abschlagzahlung von Hauptsponsor Andreas Rudolph gezahlt worden sein.

Die Frage ist nun, wie zerrüttet das Verhältnis der Rudolphs zu Schwalb ist. Die Brüder vermissen die Anerkennung für ihr Engagement. Der Coach des Tabellenvierten muss mit den neun Neuzugängen und dem insgesamt teuren Kader oben mitmischen. Ohne die Rudolphs, die den Verein seit Jahren künstlich am Leben halten, ist der Spielbetrieb kaum möglich. Noch beteuern sie, dem HSV finanziell die Treue halten zu wollen. Bis auf weiteres werden erst einmal Vize-Präsident Frank Spillner und Schatzmeister Jens Lingthaler die Führungsaufgaben übernehmen.

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