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Heiner Brand: "Stehe einigen Klubs sehr kritisch gegenüber"

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Brand nennt Rückzugsgründe  

"Stehe dem Verhalten einiger Klubs sehr kritisch gegenüber"

13.05.2014, 17:45 Uhr | t-online.de

Heiner Brand: "Stehe einigen Klubs sehr kritisch gegenüber". Heiner Brand glänzte als aktiver Handballer auf dem Parkett und als Bundestrainer an der Seitenline. (Quelle: dpa)

Heiner Brand glänzte als aktiver Handballer auf dem Parkett und als Bundestrainer an der Seitenline. (Quelle: dpa)

Heiner Brand hat im Handball so ziemlich alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Der ehemalige Kreisläufer ist der erste Handballer, der sowohl als Spieler als auch als Trainer Weltmeister geworden ist. Brand wurde siebenmal zum Trainer des Jahres gewählt und zählt neben Sportgrößen wie Franz Beckenbauer und Boris Becker zu dem exklusiven Kreis der "Legenden des Sports".

Im Interview mit T-Online.de spricht Brand über das packende Saisonfinale der Bundesliga sowie die Probleme der Vereine Sponsoren und Zuschauer zu halten. Zudem kritisiert er wegen der schlechten Nachwuchsförderung die Spitze der Handball-Bundesliga.

T-Online.de: Herr Brand, die Bundesliga ist so spannend wie lange nicht mehr. Die Rhein-Neckar Löwen und der THW Kiel liegen punktgleich vorne. Es deutet einiges darauf hin, dass am Ende das Torverhältnis entscheidet. Können Sie sich an ein derart spannendes Titelrennen erinnern?

Heiner Brand: Nein. Ich glaube, dass es schon sehr lange her sein muss. In den letzten Jahren war der THW Kiel sehr dominant. Ich kann mich nur an meine Anfangszeit als Trainer erinnern, Mitte der 80er Jahre. Da gab es am letzten Spieltag noch einen Dreikampf um die Meisterschaft.

Kiel gewann zuletzt in Lemgo mit 22 Toren Vorsprung - die Löwen sogar mit 23 Toren Vorsprung gegen Eisenach. Zwei extrem ungewöhnliche Ergebnisse.

Das stimmt. Aber irgendwelche Vorwürfe an Lemgo oder Eisenach sind hier nicht berechtigt. Wenn der THW oder die Löwen einen überragenden Tag haben, dann können sie viele Teams in dieser Höhe besiegen. Lemgo ist mit seiner sehr jungen Mannschaft im Saisonfinale nicht mehr so stabil wie im Verlauf der Saison. Daher ist so ein Vorsprung durchaus möglich.

Wäre es für den deutschen Handball gut, wenn mal wieder jemand anderes als Kiel Meister wird?

Ein Zweikampf tut der Liga sehr gut. Wenn der THW mit null Verlustpunkten durchläuft, ist das kein gutes Zeichen für die Handball-Bundesliga. Insofern ist das Duell zwischen den Kielern und den Löwen gut. Aber der Bessere sollte am Ende Deutscher Meister werden. Und wenn die Löwen ihre Chancen nicht nutzen, ist Kiel verdient Meister. Das wäre durchaus kein Nachteil für die Bundesliga.

Hätten Sie vor der Saison gedacht, dass die Löwen dem THW die Stirn bieten könnten?

Die Rhein-Neckar Löwen waren ja auch in den vergangenen Jahren einer der Mitfavoriten. Sie haben nur nie die hohen Ansprüche erfüllt, die man an sie gestellt hat. Vor allem aufgrund der Leistungen der vergangenen Jahre, die doch sehr schwankend waren. In diesem Jahr kam es für mich tatsächlich etwas überraschend. Aber sie spielen zurzeit im Angriff den besten und schönsten Handball in der Liga.

Spannung pur, aber die Zuschauerzahlen gehen zurück, Sponsoren springen reihenweise ab. Der HSV verbuchte zuletzt im Schnitt 2000 Besucher weniger. Warum?

Man muss generell bedenken, dass in den letzten Jahren die Zuschauerzahlen kontinuierlich gestiegen sind. Das kann nicht immer so weitergehen. Auch der Fußball wird dies irgendwann mal zu spüren bekommen. Aber letztlich belegt das meine These, dass die Popularität der Sportart Handball von dem Standing der Nationalmannschaft abhängig ist.

Deutschland war bei zwei von drei großen internationalen Höhepunkten der vergangenen Jahre, den Olympischen Spielen 2012 und der Europameisterschaft 2014, nicht vertreten. In der Qualifikation für die WM 2015 spielt das DHB-Team gegen Polen. Droht erneut  die Zuschauerrolle?

Man sollte nicht über Dinge spekulieren, die erst im Juni stattfinden. Lieber sollte man positiv an die Sache herangehen und die Mannschaft optimal vorbereiten. Es wird mit Sicherheit keine einfache Aufgabe werden gegen Polen. Aber trotzdem hat das DHB-Team eine gute Chance.

Ist die Qualifikation die letzte Chance für Heuberger?

Diese Diskussion, die im Vorfeld bereits stattgefunden hat, finde ich nicht zielbringend für den Erfolg der Nationalmannschaft. Das Team sollte nur daraufhin arbeiten, dass man die Qualifikation schafft.

Sie haben jüngst die Spitze der Handball-Bundesliga kritisiert. Die Verantwortlichen hätten es verpasst, talentierte Nachwuchsspieler in die A-Nationalmannschaft zu integrieren und ihnen mehr Spielpraxis zu geben. Wird der DHB noch in weiter Zukunft mit den Folgen zu kämpfen haben?

Ich war fast 15 Jahre Bundestrainer. Und auch seit meinem Ausscheiden habe ich die Situation intensiv beobachtet. Ich stehe diesem Verhalten einiger Vereine und auch der Geschäftsführung der HBL sehr kritisch gegenüber. Deshalb habe ich mich auch zurückgezogen. Ich werde es weiterhin beobachten und hoffe, dass sich die Situation irgendwann einmal verbessert. Wenn ich jetzt Argumente anführe, dann kommen wieder irgendwelche Scheinargumente dagegen. Darauf habe ich einfach keine Lust mehr.

Wie schätzen Sie die Situation aktuell ein?

Wir haben einige überragende Nachwuchstalente in Deutschland. Mit denen muss konsequent weitergearbeitet werden. Sie müssen an das Bundesliga- und internationale Niveau herangeführt werden. Dann traue ich der Nationalmannshaft auch durchaus zu, in absehbarer Zeit wieder erfolgreich vorne mitzuspielen. Es muss eine Philosophie entstehen, die die Arbeit mit Nachwuchstalenten und die Integration dieser Talente in die Nationalmannschaft als selbstverständlich ansieht. In Lemgo und bei den Füchsen Berlin zeigen viele Nachwuchsspieler, dass das Potenzial da ist. Man kann nur hoffen, dass nun andere Vereine ihre Schlüsse daraus ziehen und es diesen Vereinen gleichtun.

Ende Mai steigt in Köln das Final Four in der Champions-League. Mit Kiel und Flensburg sind zwei Bundesligisten dabei. Welche Chancen haben die deutschen Teams gegen den FC Barcelona und Veszprém?

Flensburg braucht schon einen sehr, sehr guten Tag, weil sie personell nicht so stark besetzt sind wie die drei anderen Mannschaften. Aber an einem guten Tag können sie jeden schlagen. Der THW hat immer eine sehr gute Chance auf den Titel.

Mit dem Pokal, dem EHF-Cup und der Champions League finden drei Final-Four-Turniere binnen sechs Wochen statt – Kritiker sprechen von einer inflationären Entwicklung. Entwerten zu viele Höhepunkte die einzelnen Turniere?

Nein. Die Turniere laufen unabhängig voneinander. Ob das EHF-Pokalfinale sein muss, welches sportlich nicht zu den hochwertigsten gehört, das ist eine andere Frage. Die Strategie der EHF (Europäische Handballföderation – Dachverband für den Handball in Europa, Anm. der Red.) ist es, viele Spiele durchzuführen in der Champions League. Ob das jetzt richtig ist, lasse ich mal dahingestellt. Mich stört nicht das Final Four, sondern der aufgeblähte Spielplan davor.

Sie haben Ihren Rückzug aus dem hauptamtlichen Geschäft beim DHB für 2015 bekannt gegeben. Wo werden wir Sie in Zukunft sehen?

Zu Hause! (lacht). Nein, ich habe tatsächlich keine konkreten Pläne. Ich werde nächstes Jahr 63. Ich bin über vier Jahrzehnte im Leistungssport tätig gewesen und kann sehr zufrieden sein mit meiner Karriere. Ich werde nur noch das machen, was mir tatsächlich Spaß macht und wobei ich mich nicht mehr ärgern muss.

Wenn Sie der DHB-Präsident anrufen würde und Sie bitten würde, doch noch einmal die Nationalmannschaft zu trainieren, würden Sie zumindest darüber nachdenken?

Nein! Definitiv nicht!

Das Interview führte Nils Tittizer

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